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Abendblatt-Test: Mandeln mit Salz-Schokolade

Sören Doll in seinem kleinen Werksladen. Am Anfang wollte er nur online verkaufen, inzwischen gibt es die Schokolade auch im Einzelhandel.

Sören Doll in seinem kleinen Werksladen. Am Anfang wollte er nur online verkaufen, inzwischen gibt es die Schokolade auch im Einzelhandel.

Foto: Thorsten Ahlf

Firmen in der Region überraschen mit neuen Produkten und Diensten. Heute: Weiße Dragees von der Schoko-Laden.

Hamburg. Dass Sören Doll (44) heute Meisterschokolade herstellt, das hat er einer hochrangigen Offizierin der US-Navy zu verdanken – genau genommen seiner amerikanischen Gastmutter, bei der er nach der Schule als Au-pair arbeitete. Nachdem er bereits ein halbes Jahr amerikanische Schokolade gegessen und nie auf deren Geschmack gekommen war, schenkte seine Gastmutter ihm zu Weihnachten eine sündhaft teure Schokoladen-Hohlfigur – die sie in einem deutschen Feinkostgeschäft in einem Vorort von Washington DC gekauft hatte.

„Diesen Moment werde ich nie vergessen. Dieses Gefühl, wie gut die deutsche Schokolade im Vergleich zur amerikanischen geschmeckt hat“, erinnert sich Doll, der sich in den Wochen danach immer wieder fragte, warum es in Amerika eigentlich so wenig gute Schokolade gibt – und wie man das ändern könne?

Doll sucht Antworten, keine Fragen

Nun ist Doll niemand, der sich allzu lange Fragen stellt, sondern jemand, der Antworten sucht. Schon immer. Und sein Entschluss stand irgendwann fest: Man muss das nicht ändern! Er muss das ändern! „In meinen Job als Großhandelskaufmann, den ich nach der Schule nur meinen Eltern zuliebe gelernt hatte, wollte ich sowieso nicht mehr zurück“, sagt Doll und erzählt, wie der Zufall ihm nach seiner Heimkehr aus den USA zu Hilfe kam: „Zeitgleich mit meiner Rückkehr eröffnete im Nachbarort eine Pra­linenfabrik – das war für mich ein Wink mit dem Zaunpfahl.“

Die Pralinenfabrik gibt es heute nicht mehr, sie hielt nur zwei Jahre. Gerade so lange, dass Doll dort seine Ausbildung als Fachkraft für Süßwarentechnik machen und seine Leidenschaft, sein Talent, für das Metier entdecken konnte.

Schon sein Vater war selbstständig

Dass Doll heute hier sitzt, in seiner eigenen Firma, nur wenig Meter von der ehemaligen Pralinenfabrik entfernt, hat er vielleicht auch seinem Vater zu verdanken – genau genommen seinen Genen. Schließlich war schon sein Vater selbstständig und irgendwie hatte Doll diese Ambitionen auch schon immer. Auch wenn er den Schritt erst vor rund zehn Jahren gewagt hat. Nachdem er seinen Meister gemacht hat. Nachdem er in verschiedenen Unternehmen der Lebensmittelbranche gearbeitet hat.

Und nachdem er immer stärker gemerkt hat, dass er sein eigenes Ding machen will. Sein eigenes Ding – das ist heute die Schoko-Laden GmbH. Eine Manufaktur in Barmstedt, 30 Kilometer nördlich von Hamburg, in der jährlich neun Tonnen Schokolade verarbeitet werden. „Wenn man sich in diesem Markt behaupten will, der von großen Playern bestimmt wird, dann geht das nur über die Qualität“, sagt Doll. Um aus der Masse herauszustechen, habe er von Anfang an nur belgische Schokolade verarbeitet.

Zuerst hatte er nur Tafeln im Angebot, die besondere bedruckte Aufleger hatten mit Botschaften wie „Happy Birthday“ oder „Ich liebe Dich“. Heute umfasst das Sortiment mehr als 400 verschiedene Artikel – von Herzlollis über Brotaufstrich bis hin zu individuell bedruckten Schokoladentafeln. „Da ich lange bei einem Unternehmen für Lebensmittelfarbe gearbeitet hatte, kannte ich mich damit aus – und wusste, was das für eine Nische ist“, sagt Doll.

Sogar für die Telekom hat er schon produziert

In dem kleinen Werksladen stehen auf einem Regal bedruckte Schokoladen in Form von Menükarten, Danksagungen und Grußkarten. Sogar für die Deutsche Telekom hat er schon Weihnachtskarten auf Schokolade gedruckt. Ganz neu im Sortiment: Ganze Mandeln, die mit gesalzener Schokolade umhüllt sind. „Als Tafel haben wir die Sorte bereits zu Weihnachten ins Sortiment genommen. Aufgrund der großen Nachfrage und des Wunsches von Händlern und Kunden haben wir daraus jetzt die Schoko-Mandel-Dragees entwickelt“, sagt Doll.

Obwohl er seine Waren am Anfang nur online verkaufen wollte, gibt es die Schokoladen inzwischen auch in Feinkostläden und bei verschiedenen Einzelhändlern. „Irgendwann ist dann doch der Vertriebstyp in mir durchgekommen“, sagt Doll, der für den Handel extra eine neue durchsichtige Verpackung eingeführt hat. „Die Leute wollen schließlich sehen, was sie kaufen.“ Doch der umtriebige Süßwarenmeister hat noch mehr vor: Künftig will er im Einzelhandel auch Bruchschokolade verkaufen, die es bisher nur online und im Werksladen gibt.

Anteil des Online-Geschäfts liegt bei 15 Prozent

Der Anteil des Online-Geschäfts liegt bei etwa 15 Prozent. „Die meisten Kunden, die im Internet bestellen, kommen aus Bayern und Baden-Württemberg“, sagt Doll und schüttelt den Kopf. Er hat selbst keine Ahnung, warum das so ist. Aber auch nach Italien, Malta und Österreich hat er seine Schokolade schon verschickt. In Amerika, wie ursprünglich mal geplant, hat er seine Schokolade übrigens nie verkauft – zu kompliziert die Rechtslage. Ein Paket mit Schokotafeln hat er aber trotzdem dorthin geschickt. Zu seiner Gastmutter.