Commerzbank-Strategie

Comdirect-Übernahme: Was wird aus der Zentrale in Quickborn?

Martin Zielke, der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, will das Geldinstitut neu aufstellen.

Martin Zielke, der Vorstandsvorsitzende der Commerzbank, will das Geldinstitut neu aufstellen.

Foto: Arne Dedert / dpa

Direktbank aus Quickborn wird komplett von der Commerzbank geschluckt. In der Comdirect-Zentrale arbeiten 1500 Menschen.

Hamburg. Am Freitagvormittag gelangten bereits erste Details zur lange erwarteten neuen Strategie der Commerzbank über die Medien an die Öffentlichkeit. Es waren allerdings für Deutschland und den Norden der Republik eher uninteressante Informationen: So will sich die Commerzbank von ihrer Mehrheit an der polnischen mBank trennen.

Am Nachmittag sah sich die Commerzbank dann dazu gedrängt, den gesamten Entwurf der neuen Strategie in Form einer eigenen Pressemitteilung zu veröffentlichen. Und dieser Entwurf hat es in sich.

Bei der Commerzbank fallen 2300 Stellen weg

Unterm Strich 2300 von aktuell 40.700 Vollzeitstellen und 200 von bundesweit noch rund 1000 Filialen sollen wegfallen. Wie sich das Sparprogramm konkret auf Hamburg auswirken wird, ist noch nicht klar. In der Hansestadt hat die Commerzbank 36 Filialen und 2500 Beschäftigte.

Für Details sei es zu früh, sagte ein Banksprecher auf Anfrage des Abendblatts. Zudem handele es sich lediglich um einen Strategieentwurf, eine endgültige Zustimmung von Vorstand und Aufsichtsrat stehe noch aus. Allerdings gehen Branchenbeobachter davon aus, dass sich an den Plänen kaum noch etwas ändern dürfte.

Comdirect in Quickborn wird verschmolzen

Die für den den Norden der Republik wohl wichtigste Passage in dem Strategieentwurf findet sich mit Details erst relativ weit hinten in der Pressemitteilung. Danach plant der Vorstand „die Verschmelzung der Comdirect auf die Commerzbank“.

Die Direktbank mit Sitz in Quickborn ist bereits zu 82 Prozent in Besitz der Commerzbank. Nun möchte man auch den restlichen Aktionären der Comdirect ein Kaufangebot für deren Anteile unterbreiten. Der Preis soll 25 Prozent über dem „unbeeinflussten Aktienkurs“ liegen – also bevor die Pressemitteilung zur neuen Strategie am Freitag öffentlich wurde. Direkt nach der Bekanntgabe der Pläne schoss der Comdirect-Kurs um mehr als 26 Prozent auf 11,58 Euro in die Höhe.

Bei der Comdirect in Quickborn ist man ahnungslos

Interessanter als der Börsenkurs dürfte für die etwa 1500 Beschäftigten und 3,6 Millionen Kunden der Comdirect allerdings sein, was mit ihrer Direktbank selbst geschieht. Bleibt die Zentrale in Quickborn? Kommt es zum Abbau von Stellen? Verschwindet womöglich die Marke komplett?

Bei der Comdirect selbst verwies man am Freitag auf den Mehrheitsaktionär Commerzbank. Mehr als in der Pressemitteilung stehe, wisse man nicht, sagte eine Comdirect-Sprecherin dem Abendblatt. Die Commerzbank wiederum wollte ebenfalls nichts über die Mitteilung hinaus sagen. „Kein Kommentar“, hieß es von dort.

Gerade bei der Kundenwerbung war die Comdirect in den vergangenen Jahren äußerst erfolgreich. Allein 2018 steigerte sie die Zahl um mehr als zehn Prozent auf rund 2,5 Millionen. Die von der Kostenseite her schlank aufgestellte Direktbank lockt mit kostenlosen Giro- und Tagesgeldkonten. Das Kundenwachstum wurde aber jüngst zu Lasten des Gewinns erkauft. So sackte der Konzernüberschuss 2018 um fast 30 Prozent auf 50,4 Millionen Euro.

750 Millionen Euro für neue Technik

Dennoch gilt die Comdirect als Zukunftsfeld der Commerzbank, die selbst unter den hohen Kosten ihrer Filialen leidet. Und gerade beim Onlinebanking, welches die Comdirect sehr professionell betreibt, hat die Commerzbank Nachholbedarf.

Dazu passt, dass der Bankkonzern voraussichtlich 750 Millionen Euro in die Digitalisierung, IT-Infrastruktur und das weitere Wachstum investieren will. 850 Millionen Euro sollen zudem für den Personalabbau (Abfindungen, Altersteilzeit) und „Anpassungen im Filialnetz“ entfallen. Welche Mitarbeiter und Filialen es treffen wird? Die Antwort darauf dürfte bald folgen.