Hamburg

Droht den günstigen Büchersendungen das Aus?

Acabus Verlagsleiter Björn Bedey mit Büchersendungen in seinem Verlag.

Acabus Verlagsleiter Björn Bedey mit Büchersendungen in seinem Verlag.

Foto: Michael Rauhe

Post verdoppelte seit Mai 2018 fast den Preis. Buchhändler und Verlage protestieren. Kunden könnten bald mehr zahlen müssen.

Hamburg..  Verleger Björn Bedey packt viele kleine Sendungen mit Büchern. „Als kleiner unabhängiger Hamburger Verlag gehen kaum mehr als ein bis zwei Bücher an eine Buchhandlung“, sagt der Chef des Acabus-Verlages, der Belletristik wie auch Sachbücher vertreibt. Noch ist das mit speziellen Büchersendungen zu vertretbaren Preisen möglich. „Es geht ja auch um ein Kulturgut“, sagt Bedey. Doch im nächsten Jahr kann der Bücherversand deutlich teurer werden, wenn sich die Deutsche Post mit ihren Plänen durchsetzt.

Die Preiserhöhungen treiben nicht nur Verlage um, sondern auch Buchhändler. „Wir müssen uns dann überlegen, ob wir das Porto für die Büchersendungen wirklich noch tragen können. Wahrscheinlich müssen wir es dann den Kunden in Rechnung stellen“, sagt Matthias J. Marissal, Inhaber der Buchhandlung am Rathaus. So weit will die Hamburger Buchhandelskette Heymann nicht gehen. „Wir finden die Erhöhung nicht schön, aber werden die von Kunden bestellten Bücher weiterhin in Deutschland kostenlos versenden“, sagt eine Sprecherin der Kurt Heymann Buchzentrum GmbH. Doch schon jetzt ist klar: Je kleiner die Unternehmen, desto stärker werden sie von den Gebührenplänen der Deutschen Post getroffen.

Büchersendung verteuerte sich von einem Euro auf 1,90 Euro

An fast allen Fronten dreht die Deutsche Post an der Preisschraube. Nicht nur das Porto für Briefe ist gestiegen, auch Büchersendungen sind schon vom 1. Juli an um bis zu 58 Prozent teurer geworden. Die kleine Buchsendung bis zu einem Gewicht von 500 Gramm kostet 1,90 Euro statt bisher 1,20 Euro. Der Preis für die größere Sendung bis 1000 Gramm stieg von 1,70 Euro auf 2,20 Euro. Aufgrund des großen Protestes aus der Buchbranche lenkte die Post ein. Die neuen Preise gelten zwar schon, bis Jahresende ist die Post aber kulant: Die bisherigen Preise können noch genutzt werden. Allerdings ist es auch schon die zweite Preiserhöhung innerhalb eines Jahres. Denn bis Mai 2018 kostete die günstigste Büchersendung einen Euro.

Zwar ist der bisherige Preis von 1,20 Euro für die Büchersendung recht günstig, wenn man das mit einem normalen Brief vergleicht, der inzwischen 0,80 Euro kostet. „Aber dafür nehmen wir auch deutlich längere Zustellzeiten von drei bis vier Tagen in Kauf, zu Weihnachten sind es auch mal ein bis zwei Wochen“, sagt Bedey, der auch Sprecher der unabhängigen Verlage im Börsenverein des Deutschen Buchhandels ist.

„Post will Büchersendung ganz abschaffen“

Doch es geht nicht nur um eine Preiserhöhung. „Es liegt auf der Hand, dass die Post die Büchersendung ganz abschaffen will“, sagt Buchhändler Marissal. Denn es ändern sich nicht nur Preise, sondern auch die Abmessungen. „Wir vermuten, dass die Deutsche Post mit ihrer Produktpolitik die Büchersendungen ganz aus dem Markt verdrängen möchte“, sagt Thomas Koch vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels. „Dafür spricht auch, dass sie künftig nur noch fünf statt 15 Zentimeter hoch sein dürfen. Viele Buchhändler und Verleger müssen dann auf deutlich teurere Alternativprodukte der Post umsteigen.“ Das bestätigt Verleger Bedey: „Andere Versandformen führen aber zu einer Verdreifachung der Kosten.“

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat beim Bundeskartellamt Beschwerde gegen die Deutsche Post eingelegt. „Damit wehren wir uns neben der immensen Preiserhöhung gegen die Bevorzugung großer Versender wie Amazon“, sagt Koch. Nach Einschätzung des Verbandes erhalte Amazon von der Deutschen Post für den Versand von Büchern und anderen Waren vergünstigte Konditionen, die dem Buchhandel nicht zugänglich seien. Nach Auffassung des Verbands missbraucht das Logistikunternehmen mit seinen erheblichen Preiserhöhungen seine marktbeherrschende Stellung beim Versand von Büchern. Das Bundeskartellamt wird aufgefordert, den Sachverhalt zu untersuchen und eine faire Marktsituation für alle Beteiligten zu schaffen. „Für kleine und mittlere Verlage ist der Postweg elementar, um Bücher zu versenden, die im Buchhandel in der Breite nicht vorkommen“, sagt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins.

Post: Produkt rechnet sich nicht mehr

Der Bundesnetzagentur sind zunächst die Hände gebunden. „Anders als bei Briefdienstleistungen haben wir bei Paketdienstleistungen kein Mitspracherecht, wenn es um den Preis geht“, sagt Ulrike Platz von der Bundesnetzagentur. „Denn auf dem Paketmarkt gibt es mehrere Wettbewerber.“ Aber die Bundesnetzagentur kann sich dennoch die Preise anschauen und eine Stellungnahme anfordern. Doch die Buchhändler und Verlage setzen eher auf das Bundeskartellamt. „Ich sehe noch eine Chance von 60 Prozent, dass wir die neuen Preise und die faktische Abschaffung der Büchersendungen verhindern können“, sagt Marissal.

Die Deutsche Post begründet die Preiserhöhungen damit, die Komplexität des Portfolios zu reduzieren und für die Kunden zu vereinfachen. „Bisher gab es zwei Büchersendungs-Produkte und vier Warensendungsprodukte, die wir nun auf zwei neu Produkte zusammenführen, die einheitliche Maximalmaße haben und sehr einfach zu nutzen sind“, sagt Maike Wintjen von der Deutschen Post. Deutlicher wurde DHL-Manager Alexander Schauer in einem Gespräch mit dem Börsenblatt des Deutschen Buchhandels: „Nehmen wir die Büchersendung Groß, mit der Formate bis 30 Zentimeter Breite verschickt werden konnten – bis 500 Gramm für 1,20 Euro quer durch die ganze Republik: Dieses Produkt rechnet sich nicht mehr.“

Buchhandlung aus Ottensen fährt Bücher selbst aus

Bei der Reduzierung der maximalen Höhe von 15 auf fünf Zentimeter argumentiert die Post: „Der Anteil von Büchersendungen oder Warensendungen mit einer Dicke von mehr als fünf Zentimetern ist vergleichsweise gering“, wie Wintjen sagt. Das sehen Buchhändler und Verlage allerdings ganz anders. „Es gibt kaum ein Buch, das mit Verpackung weniger als fünf Zentimeter hoch ist“, sagt Bedey. Die Post empfiehlt dann, die Verpackung zu optimieren oder die Päckchenprodukte von DHL zu nutzen.

Die Hamburger Buchhändlerin Nicole Christiansen von der gleichnamigen Buchhandlung in Ottensen ärgert sich sehr über die geplante Portoerhöhung. Denn sie hat den Onlinehandel kräftig ausgebaut. „Aber zum Glück müssen wir unseren Kunden die Bücher nur in wenigen Fällen zuschicken. Meist holen sie die bestellte Ware im Geschäft ab, oder wir fahren die Bücher mit dem Lastenfahrrad aus“, sagt Christiansen. Doch die überwiegende Zahl der Buchhändler und der kleinen Verlage steht vor großen Problemen, wenn die Post bei ihren Plänen bleibt.