Kreditinstitute

Die Haspa ist profitabler als die Deutsche Bank

Haspa-Vorstandsmitglied Jürgen Marquardt steht in der Zentrale der Sparkasse am Großen Burstah.

Haspa-Vorstandsmitglied Jürgen Marquardt steht in der Zentrale der Sparkasse am Großen Burstah.

Foto: Michael Rauhe

Warum auch andere Sparkassen und Volksbanken eine höhere Rendite erwirtschaften, als die größten Geldhäuser in Deutschland.

Hamburg.  Lange Zeit hörte man von Vorständen deutscher Großbanken immer wieder dieses Argument: Dass sie mit ihren Gewinnen im internationalen Vergleich nicht mithalten könnten, liege an der Vielzahl der kleineren Sparkassen und Volksbanken, die selber ertragsschwach seien und die Marktführer daran hinderten, ihre Größenvorteile richtig auszuspielen. Noch im Oktober 2017 sagte der damalige Deutsche-Bank-Chef John Cryan, angesichts der modernen Technologie könnten auf Dauer nur Geldhäuser „mit einer gewissen Größe bestehen, zumindest im Geschäft mit Privat- und kleinen Geschäftskunden“.

Gemessen an der Bilanzsumme von mehr als 1,3 Billionen Euro bringt die Deutsche Bank mehr auf die Waage als alle Sparkassen in der Bundesrepublik zusammengenommen. Doch die gerade beschlossenen Umbaupläne mit dem Abbau von weltweit 18.000 Stellen und die – Ende April abgebrochenen – Fusionsgespräche mit der Commerzbank haben die Frage aufgeworfen, ob sich Größe wirklich auszahlt.

Rechnet man die Nettogewinne der Hamburger Sparkasse (Haspa) und der Hamburger Volksbank für 2018 auf die gleiche Größenbasis um wie bei der Deutschen Bank, fällt die Antwort eindeutig aus: Bezogen auf den Jahresüberschuss in Prozent der Bilanzsumme sind die beiden Institute aus der Hansestadt weitaus profitabler als der Branchenprimus (siehe Grafik). Die Haspa etwa war dieser Rechnung zufolge um mehr als den Faktor sechs erfolgreicher.

Die beiden Großbanken mussten in den vergangenen Jahren Milliarden-Verluste hinnehmen

Zwar hat die Commerzbank als zweitgrößtes Kreditinstitut Deutschlands mit einem Nettogewinn 2018 von knapp 0,19 Prozent der Bilanzsumme etwas besser abgeschnitten als die Haspa (0,16 Prozent). Doch während die Hamburger Institute in den vergangenen Jahren fast gleichmäßige Erträge erzielten, zeigen die Erträge der beiden Großbanken enorme Schwankungen; auch Milliarden-Verluste waren dabei.

Dabei sind die Haspa und die Hamburger Volksbank nicht etwa Ausnahmen, bundesweit zeigt sich ein ganz ähnliches Bild. So hat die Unternehmensberatung McKinsey & Company im Mai eine Studie vorgestellt, wonach die deutschen Sparkassen und die Genossenschaften – das sind vor allem die Volksbanken – in den Jahren 2014 bis 2017 im Schnitt auf ihr Kapital eine Rendite (Return on Equity) von zehn Prozent erzielen konnten. Die deutschen Privatbanken kamen im gleichen Zeitraum nur auf weniger als ein Prozent.

„Größe allein macht noch keinen Erfolg“, sagt Haspa-Vorstandsmitglied Jürgen Marquardt: „So waren es gerade auch die Sparkassen, die während der Finanzmarktkrise mit ihrem regionalen Geschäftsmodell stabilisierend gewirkt haben.“ Auf der anderen Seite gehöre die Haspa über die Sparkassen-Finanzgruppe zur größten kreditwirtschaftlichen Gruppe Europas. Über diesen Verbund könne man Synergien heben und zum Beispiel kostengünstig neue Produkte oder digitale Dienstleistungen für die Kunden entwickeln. „Im Gegensatz zu Großbanken verbinden wir Größenvorteile über unseren Dachverband und unsere Verbundpartner mit der Kundennähe einer Sparkasse vor Ort“, so Marquardt. „Unsere Entscheidungen werden hier – zum Beispiel in Bramfeld, Eppendorf oder Wandsbek – getroffen und nicht etwa im fernen Frankfurt.“

„Kleine, flexible Institute können mit veränderten Rahmenbedingungen besser umgehen“

Reiner Brüggestrat, der Vorstandssprecher der Hamburger Volksbank, kann sich noch gut erinnern, dass die Chefs großer Finanzkonzerne ihr Modell als das überlegene darstellten: „Es schien nur eine Frage der Zeit zu sein, bis sich diese Form der Banken durchsetzt.“ Für Brüggestrat steht aber längst fest: „Größe ist keinesfalls ein Garant für Erfolg.“ Untersuchungen im genossenschaftlichen Sektor hätten eindeutig ergeben, „dass es so etwas wie eine optimale Betriebsgröße nicht gibt.“ Zwar würden kleine Häuser durch Belastungen aufgrund der Branchenregulierung relativ stärker belastet als große. Doch dagegen stehe die höhere Reaktionsgeschwindigkeit, wenn es etwa darum gehe, sich auf einen Wandel im Kundenverhalten einzustellen: „Kleine, flexible Institute können mit den veränderten Rahmenbedingungen ganz offensichtlich besser umgehen.“

Hinzu komme, dass speziell die Deutsche Bank in den beiden zurückliegenden Jahrzehnten mehrfach die Strategie gewechselt habe und gewissermaßen einen Schlingerkurs gefahren sei, so Brüggestrat: „Dabei ist die Kundennähe auf der Strecke geblieben. Das ist den regionalen Instituten nicht passiert.“ Die Großbanken seien „in Gedanken eher bei ihren Aktionären“ gewesen – und die Deutsche Bank habe man zudem noch „bei rüpeliger Fahrweise erwischt“, wie der Volksbank-Chef mit Blick auf die gegen die Frankfurter verhängten Milliarden-Strafzahlungen anmerkt.

Der Umbau wird die Deutsche Bank erst einmal wieder in die roten Zahlen drücken

Mit dem jetzt verkündeten „grundsätzlichen Umbau“ will Christian Sewing, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, die Fehler korrigieren: „Indem wir die Bank wieder voll und ganz auf ihre Kunden ausrichten, kehren wir zu unseren Wurzeln zurück und zu dem, was uns zu einer der führenden Banken der Welt gemacht hat.“ Auch die nun kräftig gestutzte Investmentbank-Sparte soll sich vor allem auf Dienstleistungen für Unternehmen konzentrieren.

„Der jüngste Restrukturierungsversuch der Deutschen Bank ist radikaler als frühere Bemühungen“, sagt dazu Eoin Mullany, Branchenanalyst des Hamburger Bankhauses Berenberg. „Allerdings ändert sich nichts an der Tatsache, dass die Deutsche Bank in einem Geschäft tätig ist, das sich in einem strukturellen Niedergang befindet – Investmentbanking – und in einem, in dem die Margen hauchdünn sind – deutsches Privatkundengeschäft“, so Mullany.

Klar ist auch: Die 7,4 Milliarden Euro Umbaukosten werden die Deutsche Bank 2019 zunächst einmal wieder in die roten Zahlen drücken, für 2020 rechnet Finanzvorstand James von Moltke mit einem ungefähr ausgeglichenen Ergebnis. Christian Sewing hat auch schon das mittelfristige Ziel formuliert: „Wir wollen bis 2022 eine Nachsteuer-Rendite von acht Prozent auf das materielle Eigenkapital erreichen.“ Zur Erinnerung: Die Sparkassen und Genossenschaften waren laut McKinsey bereits 2014 bis 2017 besser.