Hamburg

Hamburger Start-Up ist neue Partnerbörse für Unternehmen

Der frühere Handelskammer-Hauptgeschäftsführer Hans-Jörg Schmidt-Trenz und Ex-HSH-Nordbank-Vorstand Matthias Wittenburg haben zusammen Companylinks gegründet.

Der frühere Handelskammer-Hauptgeschäftsführer Hans-Jörg Schmidt-Trenz und Ex-HSH-Nordbank-Vorstand Matthias Wittenburg haben zusammen Companylinks gegründet.

Foto: Marcelo Hernandez

Ehrgeizige Ziele und 6500 Kaufgesuche in der Datenbank: Companylinks will zukünftig ein Unternehmen pro Tag verkaufen.

Hamburg.  Der Sekt steht gewissermaßen schon kalt: Für den Juli erwartet Matthias Wittenburg, geschäftsführender Gesellschafter der Hamburger Firma Companylinks, den ersten von seinem Team auf den Weg gebrachten Verkauf eines Mittelständlers. Denn Companylinks ist so etwas wie eine Partnervermittlung für Unternehmen, die verkaufswillige Besitzer und potenzielle künftige Eigentümer zusammenbringt.

„Aktuell haben wir rund 6500 Kaufgesuche in der Datenbank, für das Jahresende erwarten wir zwischen 8000 und 10.000“, sagt Wittenburg, der von 2013 bis 2016 Vorstandsmitglied der HSH Nordbank (heute: Hamburg Commercial Bank) war. Companylinks ist seit dem Spätsommer 2018 aktiv und zielt auf mittelständische Betriebe mit Firmenwerten zwischen fünf Millionen und 100 Millionen Euro. Im Laufe des kommenden Jahres peilt Wittenburg eine Verkaufstransaktion pro Tag an.

Schmidt-Trenz ist Partner des Start-ups

Zwei Kooperationen sollen dazu beitragen, dieses Ziel zu erreichen. Für eine davon steht Hans-Jörg Schmidt-Trenz, der bis Mai 2017 mehr als 21 Jahre lang Hauptgeschäftsführer der Handelskammer Hamburg war. Schmidt-Trenz, der noch immer dem Führungsgremium des Weltkammerverbandes WCF angehört, ist seit der Gründung von Companylinks einer der Partner der Firma und hat sich schon im vergangenen Jahr für gute Kontakte zu den Industrie- und Handelskammern in Deutschland eingesetzt. Zwar haben diese eine andere Unternehmensnachfolgebörse – die bereits seit 2006 aktive nexxt-change – mit initiiert. Doch die Companylinks-Gründer sehen ihre neue Plattform nicht als Konkurrenz dazu, denn nur ein sehr geringer Teil der über nexxt-change zum Verkauf stehenden Betriebe rangiere in der Größenordnung, auf die sich die Hamburger konzentrieren.

„Companylinks ergänzt vorhandene Angebote in einem wichtigen Segment, dem gehobenen Mittelstand, der seine Unternehmensnachfolge nun in einer gut bestückten Datenbank in diskreter Weise angehen kann“, sagt Schmidt-Trenz dazu. Während die in nexxt- change enthaltenen Verkaufsangebote zwar nicht namentlich genannt, aber öffentlich einsehbar sehr genau beschrieben werden, achtet man bei Companylinks auf Anonymität, die den Eigentümern im gehobenen Mittelstand sehr wichtig sei. Zudem sei der Markt sehr groß. „Wie die staatliche Förderbank KfW ermittelt hat, suchen allein rund 227.000 Inhaber im Mittelstand bis Ende 2020 einen Nachfolger, der ihr Unternehmen weiterführt“, so Schmidt-Trenz. Wenn sich dafür niemand finde, sei in vielen Fällen der Betrieb am Ende.

Eine zweite wichtige Kooperation, die erst wenige Tage alt ist, sichert Companylinks den Zugang zu zwei Dritteln aller deutschen Sparkassen. Wittenburg vereinbarte hierzu eine Zusammenarbeit mit der Frankfurter Bankgesellschaft (FBG), der Privatbank der Sparkassen-Finanzgruppe. „Rund 50 Prozent aller deutschen Mittelständler sind Kunden des Sparkassenverbunds“, sagte Holger Mai, Vorsitzender der Geschäftsleitung der FBG. Ihr Ziel sei es, „erfolgreiche Nachfolgestrategien für mittelständische Firmenkunden“ zu entwickeln, den Prozess professionell zu begleiten und somit die Geschäftsverbindung auch in Zukunft zu erhalten. Die Expertise und die „beispiellose Datenbank“ mache Companylinks zum „bevorzugten Partner“ der FBG, so Mai – und mehr als 65 Prozent aller Sparkassen deutschlandweit hätten Kooperationsverträge mit der FBG.

Unterstützung bei Firmenverkäufen

Zwar haben Wittenburg und seine Kollegen schon Kontakte zu einer Reihe von anderen Kreditinstituten aufgebaut. Dennoch sieht er die Sparkassenverbindung als „bedeutenden Meilenstein“ und erwartet, dass in den nächsten Jahren ein bedeutsamer Anteil der Verkaufskandidaten auf diesem Weg hereinkommen wird. Schließlich hätten auch nur einige sehr große Sparkassen wie etwa die Haspa eigene Kompetenz im Hinblick auf Firmenverkäufe, die meisten aber nicht.

Companylinks arbeitet nach Angaben von Wittenburg zudem mit mehreren Dutzend spezialisierten Beratern sowie Wirtschaftsprüfern, Anwaltskanzleien und Insolvenzverwaltern zusammen. Das sieht er als Voraussetzung dafür, dass der Verkaufsprozess für alle Seiten befriedigend abgeschlossen wird: „Wenn ein Unternehmer jahrzehntelang erfolgreich seine Produkte verkauft hat, heißt das noch nicht, dass er auch seine eigene Firma verkaufen kann.“

Aktuell besteht das Team von Wittenburg aus rund 25 Personen, von denen etwa die Hälfte fest angestellt ist und im Laeiszhof, einem historischen Kontorhaus am Nikolaifleet, arbeitet. „Ungefähr alle sechs Wochen kommt derzeit ein weiteres Teammitglied hinzu“, sagt der Companylinks-Gründer. Demnächst kommt dann auch Geld herein, denn die vom Verkäufer zu zahlende Gebühr für die erfolgreiche Vermittlung in Höhe von bis zu einem Prozent des Transaktionswertes wird erst fällig, wenn der Abschluss zustande gekommen ist.