Windanlagenbauer

Senvion – Bombenfund und Wetter lösten Insolvenz aus

Ein Boot fährt durch den Offshore-Windpark Nordsee 1 vor der ostfriesischen Insel Spiekeroog, der mit Windkraftanlagen von Senvion bestückt ist.

Ein Boot fährt durch den Offshore-Windpark Nordsee 1 vor der ostfriesischen Insel Spiekeroog, der mit Windkraftanlagen von Senvion bestückt ist.

Foto: dpa Picture-Alliance

Betriebsrat hofft auf Übernahme und Erhalt der Arbeitsplätze. Verzögerungen bei Auslandsprojekten führten in die Krise.

Hamburg.  Der Hamburger Windanlagenbauer Senvion kann nun offiziell in Eigenverantwortung an seiner Sanierung arbeiten. Das Amtsgericht Hamburg hat jetzt das Insolvenzverfahren wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung angeordnet. Zum Sachwalter wurde der Hamburger Rechtsanwalt Christoph Morgen bestellt. Das Insolvenzverfahren kann in Eigenverwaltung erfolgen, teilte das Gericht mit. Anfang April hatte das Hamburger Unternehmen mit rund 2000 Beschäftigten bereits Insolvenz beantragt. Die Gläubigerversammlung findet am 10. September in Hamburg statt.

Die Beschäftigten hoffen, dass das Unternehmen noch eine Zukunft hat. „Es gibt weiterhin Interessenten“, sagt der Betriebsratsvorsitzende Andreas Günther. „Jetzt versuchen die Anwälte in Eigenverwaltung eine Einigung zu finden, die das Unternehmen Senvion erhält. Die Beschäftigten stehen in den Startlöchern und warten darauf, dass es endlich weitergeht.“ In Hamburg hat Senvion rund 500 Mitarbeiter.

Internationale Interessenten für Senvion

Wie sicher die Arbeitsplätze sind, hängt von der weiteren Entwicklung ab. Immer wieder werden als Interessenten der japanische Toshiba-Konzern, der Konkurrent SiemensGamesa und der US-Finanzinvestor Blackstone genannt. Mit Toshiba hatte Senvion Ende Oktober 2018 eine strategische Partnerschaft verabredet. Danach übernahmen die Japaner die Kundenbetreuung und die Anlageninstallation für Senvion in ihrem Heimatland.

„Eine Übernahme durch Toshiba wäre unter Arbeitsplatzgesichtspunkten sicher die aussichtsreichere Lösung“, sagt Branchenexperte Dirk Briese vom Marktforschungsunternehmen Windresearch. „Wenn es auf SiemensGamesa hinausliefe, wäre eine Konsolidierung wohl der passendere Begriff und die wahrscheinlichere Perspektive, mit entsprechenden Folgen sowohl für den Markt als auch die Beschäftigten.“ Mitbewerber haben vor allem Interesse an dem hohen Bestand an Serviceaufträgen und dem Know-how der Techniker. Das Auftragsbuch von Senvion sei knapp fünf Milliarden Euro schwer, heißt es aus Unternehmenskreisen. Allein 2,8 Milliarden Euro davon umfassen Serviceverträge.

Probleme im Auslandsmarkt führten zu Insolvenz

Zu den finanziellen Problemen des Unternehmens war es durch Verzögerungen bei Auslandsprojekten gekommen. So haben neben hausgemachten Schwierigkeiten zum Beispiel ein Bombenfund in Australien und anhaltend schlechtes Wetter in Südamerika den Aufbau von Windturbinen verhindert. Das hat die Umsatzentwicklung beeinträchtigt.