Studie

Schnaps, Sneaker, Smartphones: Es wird immer mehr geklaut

Diebe lassen im deutschen Einzelhandel immer öfter etwas mitgehen. Kosmetik zählt zum beliebtesten Diebesgut.

Diebe lassen im deutschen Einzelhandel immer öfter etwas mitgehen. Kosmetik zählt zum beliebtesten Diebesgut.

Foto: Katharina Heimeier / dpa

In deutschen Geschäften häufen sich einer Studie zufolge Diebstähle. Dagegen helfen auch Kameras und elektronische Etiketten nicht.

Köln. Ob Parfüm oder Rasierklinge – in Deutschland stehlen Kunden jeden Tag Waren im Wert von fast 7,7 Millionen Euro. Das zeigt eine Untersuchung des Handelsforschungsinstituts EHI, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Im vergangenen Jahr summierten sich damit die Verluste im Einzelhandel auf rund 3,75 Milliarden Euro – sieben Prozent mehr als 2017.

„Im Handel wird nach wie vor gestohlen, was nicht niet- und nagelfest ist“, klagt Frank Horst, Sicherheitsexperte des Kölner Handelsforschungsinstituts EHI. „Was sich gut verkauft, wird auch oft geklaut“, heißt es in der EHI-Studie.

Bei einigen Produkten greifen Ladendiebe jedoch besonder häufig zu:

  • In Supermärkten sind etwa Spirituosen der Renner, in Drogeriemärkten Parfüms und Kosmetik.
  • Im Modehandel sind hochwertige Markenbekleidung, Jeans und Turnschuhe besonders beliebt,
  • im Elektronikhandel Konsolenspiele, Smartphones und Speicherkarten.
  • Im Baumarkt gelten Akkuschrauber und anderes Werkzeug als erste Wahl.

Wie kurios manches Diebesgut ist, zeigte etwa ein Fall, bei dem Männer Schokolade im Wert von tausend Euro klauen wollten.

Diebstahl-Statistik: Auch Mitarbeiter und Lieferanten stehlen kräftig

Obwohl der Großteil der Diebstähle auf die Kunden entfiel, seien laut Studie auch andere an den Taten beteiligt. Demnach klauten Mitarbeiter Ware im Wert von etwa einer Milliarde Euro. Auf das Konto von Lieferanten und Servicekräften würden nochmal 350 Millionen Euro gehen.

Eine immer größere Rolle spielten auch gewerbsmäßig organisierte Banden. Ihnen sei wertmäßig mittlerweile rund ein Viertel aller Delikte zuzurechnen. Bei einem einzigen Raubzug würden dann der Studie zufolge in der Regel Waren im Wert von 1000 bis 2000 Euro gestohlen. Dabei gebe es oft eine genaue Aufgabenverteilung zwischen den beteiligten Bandenmitgliedern – manche beobachteten das Verkaufspersonal und lenkten es ab, andere transportierten die Ware aus dem Geschäft oder sicherten Fluchtwege.

Läden setzen vor allem auf geschulte Mitarbeiter

Obwohl 80 Prozent der Einzelhändler Überwachungskameras und mehr als die Hälfte elektronische Etiketten nutzen, setzen sie im Kampf gegen die Langfinger nach eigenen Angaben vor allem auf eines: geschulte Mitarbeiter. Fast die Hälfte der Unternehmen setzt zudem Detektive ein, um Dieben auf die Spur zu kommen. Noch im April hatte außerdem Horst Seehofers Kriminalstatistik von 2018 gezeigt, dass die Zahl der Straftaten in Deutschland generell zurückgegangen ist.

Trotz des Schadens bewerteten 60 Prozent der Unternehmen in der EHI-Umfrage ihre Inventurdifferenzen als akzeptabel oder besser. Nur jede zwölfte Firma bewertete die Situation als „stark verbesserungsfähig“. (dpa/vem)