Wer liefert was?

Herausgeber von „Wer liefert was?“ heißt jetzt Visable

Peter F. Schmid, Geschäftsführer von "Wer liefert was" (künftig Visable) in den Firmenräumen an der ABC Straße in Hamburg.

Peter F. Schmid, Geschäftsführer von "Wer liefert was" (künftig Visable) in den Firmenräumen an der ABC Straße in Hamburg.

Foto: Thorsten Ahlf / THORSTEN AHLF / FUNKE FOTO SERVICES

Das Hamburger Unternehmen will kräftig wachsen. Hohe Investitionen in neue Technik.

Hamburg.  Alles begann mit einem dicken, aber handlichen Buch in dunkelblauem Einband. Das Werk mit dem Titel „Wer liefert was?“ erschien erstmals im Jahr 1932 als Ausstellerverzeichnis der Leipziger Messe, entwickelte sich aber schnell zu einer praktisch unverzichtbaren Informationsquelle für die Einkäufer in Unternehmen. Seit 1948 hat der Herausgeber der Lieferquellen-Fundgrube – die auf sechs Bände mit insgesamt 10.000 Seiten anwuchs, bis sie vom Jahr 2000 an nur noch in elektronischer Form erschien – seinen Firmensitz in Hamburg.

Nach der Übernahme der französischen Lieferantensuchmaschine Europages im August 2016 und dem Online-Marktplatz gebraucht.de vor wenigen Wochen hat das Unternehmen, dessen Name bis zum heutigen Tag Wer liefert Was? GmbH lautet, die Mitarbeiterzahl seit 2016 auf nun 370 Beschäftigte verdoppelt. Rund 250 von ihnen arbeiten in Hamburg, die übrigen in Paris und Berlin. Doch das rasante Wachstum geht weiter: „Wir haben derzeit etwa 40 offene Stellen zu besetzen, in zwei Jahren werden wir voraussichtlich mehr als 500 Mitarbeiter sein“, sagt Firmenchef Peter F. Schmid.

Das bessere Alibaba Europas

Er hat ehrgeizige Pläne für das Unternehmen: „Wir wollen das bessere Alibaba Europas werden”, sagt Schmid mit Blick auf die chinesische Internet-Handelsplattform. Im Zusammenhang mit der fortschreitenden Internationalisierung bekommen die Hamburger an diesem Montag einen neuen Namen: Die Firma heißt von jetzt an Visable, ein Kunstwort aus den Bestandteilen visible (englisch für sichtbar) und enable (befähigen). Die vom Unternehmen betriebenen Online-Lieferantendatenbanken Europages und Wer liefert was? behalten aber ihre gewohnten Namen.

Auf den beiden Plattformen lassen sich nach Angaben von Schmid zusammen neun Millionen Produkte finden, man registriere 250.000 Suchanfragen pro Tag. „Kein anderer Spieler bietet heute digitale Lösungen, um Einkäufer und Firmen aus ganz Europa zusammenzubringen“, sagt der Firmenchef. Zwar stehen Online-Marktplätze wie Amazon, die sich an private Verbraucher wenden, viel stärker im Blickpunkt. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Frost & Sullivan wird aber der weltweite Markt für Online-Geschäfte zwischen Unternehmen (B2B) im Jahr 2020 mit 6,7 Billionen Dollar (6,0 Milliarden Euro) mehr als doppelt so groß sein wie das Volumen der Verkäufe über das Internet an Privatkunden. „Das Potenzial ist also riesig“, so Schmid, zumal man mit der Digitalisierung im B2B-Bereich noch am Anfang stehe. Bei weltweit rund 863 Millionen Webseiten werde ein Unternehmen „im Netz nicht zufällig gefunden“, argumentiert Schmid. Darin liege die Bedeutung der Lieferantenverzeichnisse.

Hochprofitabel

Nachdem Visable im vorigen Jahr einen Umsatz von 54 Millionen Euro aus den Entgelten der gelisteten Firmen erzielte, sollen die Erlöse „mittelfristig“ auf 100 Millionen Euro klettern. Zum Ertrag heißt es, man arbeite „hochprofitabel“. Bis

2021 soll ein Betrag im deutlich zweistelligen Millionenbereich in Technologie investiert werden. Es geht nicht nur darum, die Abdeckung auf weitere Länder zu verbreitern; derzeit ist man in 29 Staaten aktiv. Nach den Vorstellungen von Schmid will man auch die Funktionalität der Internet-Seiten ausweiten. Er kann sich gut vorstellen, dass ein Interessent in drei Jahren auf einen Klick auch sehen, kann, wie und von wem er sich zum Beispiel eine Maschine liefern lassen kann: „Wir sind schon in Gesprächen mit Logistikdienstleistern.“