Hamburger Geldhaus

Privatbank M.M. Warburg rutscht in die roten Zahlen

Joachim Olearius, Sprecher der Partner des Bankhauses M.M. Warburg, im Hamburger Firmengebäude.

Joachim Olearius, Sprecher der Partner des Bankhauses M.M. Warburg, im Hamburger Firmengebäude.

Foto: Roland Magunia / HA

Im Konzern fiel erstmals seit Jahrzehnten ein Verlust an. Niedrigzinsen und verschärfte Bankenregulierung belasten die Hamburger.

Hamburg.  Das Hamburger Privatbankhaus M.M. Warburg & CO steht nicht nur wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung bei umstrittenen Aktientransaktionen unter Druck, auch geschäftlich läuft es derzeit nicht rund: Wie das Unternehmen mitteilte, ist im Geschäftsjahr 2018 im Konzern ein Verlust von 14,6 Millionen Euro angefallen, nach einem Gewinn von 10,0 Millionen Euro im Vorjahr. Es ist der erste Fehlbetrag seit Jahrzehnten.

Belastend hätten sich das Niedrigzinsumfeld und die zunehmende Regulierung – etwa durch die neue EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID II – ausgewirkt, heißt es dazu. Diese Richtlinie habe das Geschäft mit Anleihen für institutionelle Kunden deutlich erschwert. Zudem erhöhte sich die Risikovorsorge von 3,0 Millionen Euro auf 14,5 Millionen Euro, was vor allem auf den Schiffskreditbereich zurückzuführen sei.

„Die verschärften Wettbewerbsbedingungen, das überregulierte Geschäftsumfeld oder die fortschreitende Technisierung des Bankgeschäfts werden unseren Arbeitsalltag auch in den kommenden zwölf Monaten prägen“, sagte Joachim Olearius, Sprecher der Partner. Banken und Anleger müssten sich weiterhin auf minimale Zinserträge einstellen.

Klage gegen die Deutsche Bank

Zu den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung heißt es, in verschiedenen Medien würden „weiterhin haltlose Mutmaßungen und Spekulationen“ über die Beteiligung des Bankhauses an Wertpapiergeschäften um den Dividendenstichtag, die sogenannten Cum-Ex-Geschäfte, veröffentlicht. Die Warburg-Bank weise „die erhobenen Vorwürfe weiter entschieden zurück“. Man habe stets „alle rechtlichen Pflichten eingehalten“. In diesem Zusammenhang hatte M.M. Warburg im Dezember eine Klage gegen die Deutsche Bank, die als Depotbank in die Geschäfte eingebunden war, eingereicht. Die Deutsche Bank ihrerseits hat den Vorwurf der Pflichtverletzung zurückgewiesen.

Bei den Cum-Ex-Transaktionen ließen sich Anleger einmal gezahlte Kapitalertragssteuer mithilfe ihrer Bank mindestens zweimal erstatten. Die Gesetzeslücke, die das ermöglichte, wurde 2012 geschlossen. Die Kölner Staatsanwaltschaft ermittelt seit 2016 gegen M.M. Warburg wegen Aktiengeschäften aus den Jahren 2007 bis 2011.

Gewinn in der Kernbank eingebrochen

Obwohl die von den Finanzbehörden gegenüber M.M. Warburg erhobenen Steuerforderungen „als nicht gerechtfertigt angesehen werden“, hatte die Bank bereits im Jahr 2017 eine Rückstellung gebildet, „die etwaige finanzielle Risiken vollständig abdeckt“. Damals wurde eine bilanzielle Vorsorge von rund 45 Millionen Euro getroffen.

Während im Konzern ein Verlust ausgewiesen werden musste, ist der Gewinn in der Kernbank von zuvor 27,0 Millionen Euro auf 7,1 Millionen Euro eingebrochen. Mit einer derartigen Entwicklung steht M.M. Warburg nicht allein da: Wie der Hamburger Wettbewerber Berenberg Anfang Februar mitteilte, ist dort der Jahresüberschuss im Jahr 2018 von 90 Millionen Euro auf 23 Millionen Euro zurückgegangen. Auch Berenberg verwies auf Belastungen durch die neue EU-Finanzmarktrichtlinie, litt aber hauptsächlich unter dem Börseneinbruch gegen Ende 2018.

Nicht zuletzt um die Komplexität der Bankenregulierung zu verringern, hat M.M. Warburg seit 2017 Tochtergesellschaften in Luxemburg und in der Schweiz verkauft, dafür wurde 2018 das Vermögensverwaltungsgeschäft der Nord/LB hinzugenommen. Vor allem dieser Zukauf, aber auch „neu gewonnenes Kundenvolumen“ ließ das verwaltete Vermögen im Konzern von 39,3 Milliarden Euro auf 62,2 Milliarden Euro kräftig ansteigen. Im Segment der Schiffsfinanzierung gelang es der Bank nach eigenen Angaben, „sich gegen den Branchentrend zu stellen und eine erfreuliche Anzahl an Transaktionen mit Kunden umzusetzen“.

Mitarbeiterzahl ist zurückgegangen

Durch die zuletzt vorgenommenen Umstrukturierungen hätten sich die Kapitalquoten deutlich verbessert. Alle aufsichtsrechtlich gebotenen Kapitalanforderungen erfülle die Gruppe „komfortabel“. Außerdem ist die Mitarbeiterzahl im Konzern von 1227 auf 952 Personen zurückgegangen. In Hamburg hatte das Unternehmen zum Jahreswechsel 684 Beschäftigte. Es gebe derzeit kein Abbauprogramm, hieß es.

„Mit unserem Konsolidierungs- und Fokussierungsprozess haben wir die Stabilität der Warburg-Bank weiter gestärkt und ihr für die Zukunft gleichzeitig eine hohe Flexibilität gegeben“, sagte Olearius. „Außerdem können sich unsere Kunden darauf verlassen, auch weiterhin ein umfassendes Leistungsangebot von einer unabhängigen Privatbank zu erhalten, die von einem privaten Gesellschafterkreis geführt wird.“ Denn, so heißt es: „In jedem Fall stehen die Gesellschafter voll hinter der Bank.“

Auch das Geschäftsjahr 2019 werde für die deutsche Kreditwirtschaft ein „herausforderndes Jahr“, so die Einschätzung von Olearius. Insbesondere politische Faktoren wie drohende Handelskonflikte oder die Möglichkeit eines ungeordneten EU-Austritts Großbritanniens verunsicherten die Märkte. Die Situation erfordere eine besondere Anpassungsfähigkeit, zugleich aber auch Stabilität und Unabhängigkeit, wird der Sprecher der Partner des Bankhauses zitiert: „Wir haben bewiesen, dass wir diese Eigenschaften haben.“