Gartensaison

Gartenarbeit – so findet man die richtigen Helfer

| Lesedauer: 8 Minuten
Steffen Preißler
Die Blumen blühen – für einen schönen Garten muss man viel Arbeit aufwenden.

Die Blumen blühen – für einen schönen Garten muss man viel Arbeit aufwenden.

Foto: Jan Woitas / dpa

Fachbetriebe und Internet-Portale stehen zur Auswahl. Arbeiten bringen auch steuerliche Vorteile.

Hamburg. Mit jeder neuen Pflanze wächst der Pflegeaufwand im eigenen Garten. Wenn er mehr Stress als Erholung ist, sollte ein Fachmann für die Gartengestaltung befragt werden. Immer mehr Hamburger suchen zudem Hilfe für sich wiederholende Gartenarbeiten oder die Errichtung eines neuen Gartenpavillons. Aber wie findet man Fachleute und Helfer? Was kosten sie? Wie lange muss man auf sie warten? Verringern die Kosten der Dienstleister die Steuerlast? Das Abendblatt sprach mit Experten und beantwortet die wichtigsten Fragen zu Helfern für die Gartenarbeit.

Wie finde ich einen Gärtner?
Die beste Empfehlungen sind immer noch die Tipps von Nachbarn oder Freunden, die einen guten Gärtner aus eigener Erfahrung kennen. Das sieht selbst der Präsident des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL), Lutze von Wurmb, so. Von den knapp 18.000 Betrieben der Branche sind rund 4000 Mitglied im Verband. „Wir nehmen nur Mitglieder auf, die Meisterbetriebe sind und einen Leistungsnachweis erbringen können“, sagt der BGL-Präsident. Auf der Seite www.galabau-nord.de kann nach solchen Betrieben gesucht werden.


Wie lange muss ich auf einen Gärtner warten?
„Je größer die Betriebe sind, desto eher haben sie die Möglichkeit, kleinere Arbeiten wie eine Hecke zu schneiden oder einen Baum zu fällen kurzfristig auszuführen“, sagt von Wurmb, der auch Geschäftsführer des Gartenbaubetriebes Osbahr in Uetersen ist. Im Schnitt sind die BGL-Mitgliedsbetriebe doppelt so groß wie in der gesamten Branche. Bei größeren Arbeiten wie der Neugestaltung eines großen Gartens liegt die Wartezeit bei drei bis vier Monaten.


Wie teuer ist ein Gärtner?
Eine Gärtnerstunde kostet in Hamburg und Umgebung 40 bis 45 Euro, die Meisterstunde 50 Euro. Bei typischen Pflegearbeiten kann mit folgenden Kosten kalkuliert werden: Rasen vertikutieren mit vorherigem Mähen: rund 100 Euro pro 100 Quadratmeter; Rasen mähen: 25 bis 30 Euro pro 100 Quadratmeter; einfacher Schnitt einer Hecke: ein bis vier Euro pro Meter. Die Neuanlage eines Gartens kann nur individuell kalkuliert werden. Ob kleine oder große Arbeiten: Jede Kunde hat das Recht auf einen Kostenvoranschlag.

Wie komme ich zu einem pflegeleichten Garten?
„Das hängt auch immer davon ab, was der Kunde unter pflegeleicht versteht“, sagt von Wurmb. Aber Rasen und Rosen machen Arbeit, ebenso Obst und Gemüse. „Mit Stauden, Bodendeckern und Sträuchern kann ein Garten pflegeleichter werden“, sagt von Wurmb. Dann wächst deutlich weniger Unkraut. Wer sich nur mit dem Bücken schwertut, kann Gemüse auch in Hochbeetkästen anbauen. Bohnen, Kürbis und Zucchini sind pflegeleichte Arten. Es lohnt sich also, einen Fachmann zunächst zu fragen, welche Pflanzen besonders pflegeaufwendig sind.


Wie finde ich im Internet Helfer für die Gartenarbeit?
Es gibt im Internet eine Reihe von Vermittlungsplattformen. Hier können Interessierte Auftragnehmer suchen und Gärtner ihre Dienstleistungen anbieten. Check24 hat gerade in der Rubrik Profis mit der Vermittlung von Gärtnerarbeiten begonnen. „Für Hamburg gibt es 50 Angebote von Dienstleistern und es werden jede Woche mehr“, sagt Florian Stark von Check24. Marktführer ist die Plattform My-Hammer.de. Bei die Sucheingabe Hecke schneiden und Rasen mähen erscheinen 32 Angebote. Die Firmen oder Einzelunternehmer stellen sich mit ihren Dienstleistungen vor. Meist handelt es sich um kleine Firmen mit nur wenigen Angestellten. Auch nicht jeder Dienstleister wird gelernter Landschaftsgärtner oder gar Meister sein. Für einfache Gartenarbeiten ist das auch nicht notwendig. Wenn der Garten komplett neu geplant und gestaltet werden soll, sieht das anders aus. Erstellt ein Handwerker auf der Plattform ein Profil, prüft MyHammer nach eigenen Angaben die Kontaktdaten sowie die handwerklichen Qualifikationen und checkt, ob ein Gewerbe angemeldet wurde.

Wer Arbeiten zu vergeben hat, kann auf zwei Wegen suchen: Entweder er lässt sich Betriebe anzeigen, zu denen er dann Kontakt aufnehmen möchte oder er beschreibt den Auftrag und wartet auf konkrete Angebote von Auftragnehmern. Ähnlich funktioniert auch das Vermittlungsportal Blauarbeit.de

„In der Region Hamburg haben wir rund 180 registrierte Dienstleister aus dem Bereich Gartenarbeit“, sagt Alexander Mroos vom Betreiber Portal United AG. Die Suche ist für Auftraggeber kostenlos. Über Konditionen und Bezahlung verhandeln Auftraggeber und Auftragnehmer selbst. BGL-Präsident Lutze von Wurmb warnt allerdings vor diesen Anbietern: „Landschaftsbau ist kein geschützter Begriff, jeder kann diese Leistungen anbieten ohne gelernter Landschaftsgärtner oder Meister in diesem Gewerk zu sein. Wir hatten kürzlich einen Kunden, der sich günstig eine Holzterrasse von einem solchen Anbieter hat bauen lassen. Allerdings wurde diese einfach auf der Erde ohne Untergrund errichtet. Das würde ein Fachbetrieb nie machen.“


Vermitteln auch Baumärkte Handwerker?
Wer sich im Baumarkt ein Gartenhaus, einen Zaun oder Holz für einen neuen Terrassenboden kauft, bekommt auf Wunsch auch einen Fachmann vermittelt, der das fachgerecht errichtet oder verlegt. Die Leistungen, die in Hamburg von den Märkten Obi, Hornbach und Toom angeboten werden sind weitgehend identisch, wie eine Umfrage des Abendblatts zeigt. Obi und Toom bieten auch einen Installationsservice für Mähroboter an. Bei Toom kostet etwa das Verlegen von Terrassenplatten ab 40 Euro pro Quadratmeter. Für den Aufbau eines Gartenhauses auf montagefähigen Untergrund werden ab 500 Euro verlangt.


Welche technischen Möglichkeiten gibt es, die Gartenarbeit zu erleichtern?
Ein gepflegter Rasen benötigt 30 Schnitte zwischen März und Oktober. Diese Arbeiten kann auch ein Mähroboter übernehmen. „Die Geräte sind inzwischen ausgereift“, sagt von Wurmb. So ein Roboter kann drei bis sieben Mal in der Woche den Rasen mähen. Der Schnitt ist so fein, dass er liegen bleiben kann. Allerdings muss der Rasen dann vertikutiert werden. Ein Mähroboter muss fachgerecht eingerichtet werden, bevor er starten kann. Die Kosten eines Roboters richten sich nach der Größe der Rasenfläche. Die Preisspanne reicht von 500 Euro bis 2500 Euro (ohne Einrichtung). Das Schneiden der Hecke kann durch kabellose Akku-Geräte erleichtert werden. Teleskop-Heckenscheren ermöglichen den Schnitt ohne Leiter. Moderne Bewässerungssysteme ersparen das Gießen des Gartens.


Wie kann ic h einen Gartenhelfer bei der Minijob-Zentrale anmelden?
Für Gartenhelfer kann ein 450-Euro-Job bei der Minijobzentrale über eine einseitigen Haushaltsscheck angemeldet werden. „Wir berechnen für den privaten Arbeitgeber die Abgaben und ziehen sie ein“, sagt Wolfgang Buschfort von der Minijobzentrale. Alle Abgaben zusammen von der pauschalen Krankenversicherung über Steuern bis zum Beitrag für die gesetzliche Unfallversicherung summieren sich auf knapp 15 Prozent. Bei einem monatlichen Arbeitslohn von 200 Euro werden für den Arbeitgeber zusätzliche Abgaben von 30 Euro fällig. Im Gegenzug gibt es steuerliche Vorteile für die Anmeldung der Gartenhilfe. Jährlich können 20 Prozent der entstandenen Kosten von der Steuerschuld abgezogen werden.


Kann ich Gärtner-Rechnungen steuerlich absetzen?
Gartenarbeiten haben den Vorteil, dass zwei steuerliche Abzugsmöglichkeiten genutzt werden können. „Die Neugestaltung des Gartens, größere Aushub- und Erdarbeiten und Pflastern zählen als Handwerkerarbeiten“, sagt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Lohnsteuerhilfevereine. Von maximal 6000 Euro Lohnkosten können 20 Prozent direkt von der Steuerschuld abgezogen werden, also maximal 1200 Euro pro Jahr. Auch Maschinenkosten und Verbrauchsmittel werden steuerlich anerkannt, aber nicht das Material für die Gartengestaltung. Alles was man selbst machen könnte wie Rasen mähen, Unkraut jäten, Hecken schneiden zählt zu den haushaltsnahen Dienstleistungen. In diesem Bereich werden von 20.000 Euro Arbeitskosten 20 Prozent steuerlich anerkannt. Das sind maximal 4000 Euro, um die sich die Steuerbelastung reduziert. In jedem Fall muss eine korrekte Rechnung vorliegen und das Geld überwiesen werden. Barzahlungen sind tabu.

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