Finanzen

Hanseatic Bank bekommt eine neue Zentrale

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Hanna-Lotte Mikuteit
Der Chef der Hanseatic Bank, Michel Billon, steht im Treppenhaus des Geldhauses.

Der Chef der Hanseatic Bank, Michel Billon, steht im Treppenhaus des Geldhauses.

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Die frühere Teilzahlungsbank des Hamburger Versandhändlers Otto wächst zweistellig und sucht neue Mitarbeiter.

Hamburg.  Es ist fast so etwas wie ein Geburtstagsgeschenk. Michel Billon steht mit leuchtenden Augen neben einem großen Modell, das im obersten Stockwerk der Hanseatic Bank aufgebaut ist. Backsteinfassade, sechs Stockwerke, Caféteria, Konferenzzentrum mit Dachterrasse und begrünten Innenhöfen. „Das wird die neue Zentrale“, sagt der Geschäftsführer der Hamburger Privatbank, die vor 50 Jahren als Tochter des Werner Otto Versandhandels gegründet worden war.

Im Moment ist die Hauptverwaltung direkt gegenüber des Firmensitzes der Otto-Gruppe in einem in die Jahre gekommenen ehemaligen Möbelgeschäft untergebracht, weitere Bereiche wurden mehrere Kilometer entfernt im Bürokomplex AlsterCity angesiedelt. Das ist weder praktisch, noch besonders repräsentativ für ein Geldhaus mit 500 Beschäftigten. „In dem Neubau können wir unser langjähriges Ziel umsetzen, alle Mitarbeiter unter einem Dach zu vereinen“, sagt Billon.

Herzensangelegenheit für Michel Billon

Der neue Hauptsitz rückt die Hanseatic Bank auch näher an die französische Société Générale (SG), die heute 75 Prozent der Anteile hält. Otto ist noch mit 25 Prozent beteiligt. An dem neuen Bürocampus in Barmbek werden alle Standorte der deutschen SG-Gruppe, die derzeit noch in Hamburg verteilt untergebracht sind, zusammengeführt. Insgesamt sollen 1500 Menschen dort arbeiten. Baubeginn ist noch im laufenden Jubiläumsjahr, der Umzug ist für 2022 geplant. Umgesetzt wird das Projekt vom Hamburger Immobilien-Entwickler ECE, der 115 Millionen Euro in die Entwicklung investiert.

Für Michel Billon ist der Umzug eine Herzensangelegenheit. „Wir sind anders als andere Banken“, sagt der gebürtige Franzose. Sportliches Jackett, Jeans, keine Krawatte — für einen Banker kommt auch der Chef ziemlich locker ‘rüber. Er war 2005 ins Unternehmen gekommen, nachdem die Société Générale bei dem Geldinstitut eingestiegen war. 2010 rückte er in die Geschäftsführung auf. In der Hanseatic Bank, die bundesweit zehn Filialen betreibt, gibt es keine Schalter.

Weder Girokonten noch Sparbücher

Es werden weder Girokonten noch Sparbücher angeboten. „Unsere Schwerpunkte sind Konsumentenkredite, Einlagengeschäft, immobiliennahe Finanzierungen – und wir entwickeln neue digitale Produkte rund um Kreditkarten“, sagt der 49-Jährige Manager, der die Bank gemeinsam mit Co-Geschäftsführer Detlef Zell führt. Wichtigste Säule mit knapp der Hälfte des Geschäftsvolumens ist bis heute das Warenfinanzierungsgeschäft für einige Firmen der internationalen Otto-Gruppe.

Das hat mit der Unternehmensgeschichte zu tun. Ende 1968 hatte Werner Otto beschlossen, eine Bank zu gründen und die Abwicklung von langfristigen Ratenzahlungen aus dem Versandhandel auszulagern. In den Wirtschaftswunderjahren davor waren die Umsätze stetig gewachsen, lagen 1958 bereits über der Schwelle von 100 Millionen D-Mark. Nachdem Otto die ersten Spezialkataloge für Möbel und Einrichtungen herausgebracht hatte, bestellte die konsumfreudige Kundschaft auch Sofas, Schränke und Waschmaschinen bei den Hamburgern.

Digitalisierung ein wichtiger Erfolgsfaktor

Doch das Geld war knapp, immer mehr Käufer stotterten ihren Traum vom perfekten Heim in Raten ab. Im Februar 1969 wurde die Hanseatic Bank als erste Otto-Tochter gegründet. Die acht Angestellten saßen in den Räumen des Mutterunternehmens. Das Stammkapital betrug 1,5 Millionen D-Mark. Acht Jahre später erhielt die Hanseatic Bank eine Vollbank-Lizenz und baute neben dem Geschäft mit Privat- und Sofortkrediten weitere Bereiche wie Spareinlagen und Ergänzungsfinanzierungen rund um Immobilien auf. 2007 stieg die Privatbank ins Kreditkartengeschäft ein.

„Wir haben uns früh mit dem Thema Digitalisierung beschäftigt“, sagt Michel Billon. Das sei ein wichtiger Erfolgsfaktor. Besonders stolz ist der Geschäftsführer in den Bereichen Vertrieb, Marketing und IT, auf neu geschaffene Innovationseinheiten wie das Solution Lab oder der Acceleration Hub, in denen Mitarbeiterteams schnell neue Ideen umsetzen. Das können neue Sicherheitsfunktionen für die App der Bank sein, eine komplett digitalisierte Kreditkarten-Antragsabwicklung oder die Einführung des Bezahldienstes Apple Pay, den die Hanseatic Bank als eins der ersten Geldinstitute in Deutschland anbietet.

Rekordgewinn von 50 Millionen Euro für 2018

Die Strategie ist offenbar erfolgreich. Mit einem Eigenkapital von 331 Millionen Euro wächst die Privatbank seit Jahren zweistellig. Für 2018 rechnet Billon mit einen Bilanzgewinn von mehr als 50 Millionen Euro vor Steuern. Mit aktuell etwa 500.000 Kunden im Portfolio wolle man weiter profitabel wachsen. „In den nächsten drei Jahren soll sich die Kundenzahl verdoppeln“, sagt der erfahrene Banker, der das Geldhaus weiter Richtung Online-Bank entwickeln will.

Ideen gebe es viele. Als größtes Problem habe sich in den vergangenen Jahren der Mangel an Fachkräften entwickelt. „Das könnte das Wachstum der Bank einschränken“, so Billon. Anders als andere Geldhäuser stellt die Hanseatic Bank ein, schuf 2018 knapp 80 neue Arbeitsplätze. Im Schnitt gebe es 20 offene Stellen. Gesucht sind dabei weniger Bankfachangestellte, sondern Personal aus den Bereichen IT und Marketing. Schon jetzt investiere das Unternehmen in verbesserte Arbeitsbedingungen.

Flexible Büroflächen geplant

Die neue Zentrale ist dafür ein wichtiger Schritt. Geplant seien offene und flexible Büroflächen, die modernen Anforderungen genügen, sagt Billon. In das Projekt einbezogen ist auch ein denkmalgeschütztes Landarbeiterhaus. Wo sein Schreibtisch stehen wird, weiß der Hanseatic-Bank-Chef noch nicht. „Wir überlegen gerade, ob die Führungsebene komplett auf eigene Büros verzichtet und zwischen den Mitarbeitern sitzt.“ Da ist die Unternehmenskultur der deutschen Muttergesellschaft Otto ganz nah.

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