Elektromobilität

Hamburg bekommt 7400 neue Ladepunkte für E-Autos

Thomas Volk (r.), technischer Geschäftsführer von Stromnetz Hamburg, und Projektmanager Bastian Pfarrherr an einer E-Auto-Ladesäule für den nichtöffentlichen Bereich

Thomas Volk (r.), technischer Geschäftsführer von Stromnetz Hamburg, und Projektmanager Bastian Pfarrherr an einer E-Auto-Ladesäule für den nichtöffentlichen Bereich

Foto: Michael Rauhe

Die Bundesregierung fördert den Aufbau der Stromtankstellen mit 15,5 Millionen Euro. Die Zuschüsse gehen aber nur an Firmen und Organisationen

Hamburg. Mit einem Förderprojekt will die Stadt Hamburg die Ladeinfrastruktur für Elektroautos einen großen Schritt voranbringen. Bis zu 7400 neue Ladepunkte sollen im Zeitraum bis Ende September 2022 entstehen – in Tiefgaragen von Wohnblocks und in Parkhäusern, aber auch auf Firmengeländen.

„Das ist bundesweit das größte derartige Projekt“, sagt Thomas Volk, technischer Geschäftsführer des stadteigenen Unternehmens Stromnetz Hamburg (SNH). Die Firma sei dafür verantwortlich, die große Zahl der neu hinzukommenden Stromtankstellen so in das bestehende Leitungsnetz einzubinden, dass es nicht zu einer Überlastung auf einzelnen Straßenabschnitten kommen kann, erklärt Bastian Pfarrherr, der bei SNH als Leiter Innovationsmanagement für das „Projekt Elbe“ zuständig ist.

Vom Bundeswirtschaftsministerium wird dieses mit 15,5 Millionen Euro gefördert, wobei der größte Teil des Betrages auf Zuschüsse zu den Kosten für die Anschaffung und die Installation der Ladepunkte entfällt. Nach Angaben von Pfarrherr reicht die Spanne der Kaufpreise von 500 Euro bis zu einigen Tausend Euro, im Mittel müsse man mit 1000 Euro rechnen. Der Anschluss inklusive Arbeiten und Gebühren kostet allerdings mehr als das Gerät selbst.

„Kritische Masse“ von Neuinstallationen

Beantragen kann man die Zuschüsse, die von 40 Prozent bis 60 Prozent der Gesamtkosten reichen, bei der Hamburgischen Investitions- und Förderbank (IFB). Allerdings steht das Privatpersonen nicht offen, sondern nur juristischen Personen wie etwa Unternehmen und gewerblichen Immobilieneigentümern, aber auch Behörden, Kirchen, Vereinen, Forschungseinrichtungen oder Stiftungen. Zur Begründung hieß es, man wolle in relativ kurzer Zeit eine „kritische Masse“ von Neuinstallationen bewirken. Somit profitieren Privatleute nur indirekt von dem Projekt, indem sie zum Beispiel als Mieter die neuen Ladepunkte in ihrer Tiefgarage nutzen können.

Bestellt werden die Ladepunkte von Energieversorgungsunternehmen, von denen fünf am „Projekt Elbe“ – der Name ist eine Kurzform von „Electrify Buildings for EVs“, was „Elektrifizierung von Gebäuden für Elektromobile“ bedeutet – teilnehmen. Es sind das städtische Unternehmen Hamburg Energie sowie ChargePoint, Ubitricity, NewMotion und Digital Energy Solutions.

Dabei müssen die Geräte nicht unbedingt gekauft werden, auch ein Leasing-Modell ist möglich. „Das stößt auf sehr großes Interesse“, sagt Volk. Projektpartner dafür ist die zur BMW-Gruppe gehörende Firma Alphabet Fuhrparkmanagement. Koordinator für das Projekt ist HySolutions, die städtische Gesellschaft zur Förderung innovativer Antriebe. Zudem ist die Helmut-Schmidt-Universität als wissenschaftlicher Partner eingebunden. Ihre Experten prüfen unter anderem die Geräte der Stromanbieter daraufhin, ob sie für das Projekt geeignet sind. Außerdem werten die Wissenschaftler die Daten zu den Ladevorgängen zu Forschungszwecken aus.

Lokale Überlastung vermeiden

Um eine lokale Überlastung des Stromnetzes vermeiden zu können, stattet SNH derzeit alle 7500 Trafohäuschen mit einer Messtechnik aus, die auch eine zentrale Lastregelung gestattet. Das ist, wie Pfarrherr erklärt, wegen des Nutzerverhaltens erforderlich: „Üblicherweise schließt man das E-Auto abends an die Steckdose an, weil es am nächsten Morgen wieder aufgeladen sein soll.“ Sollte die Netzkapazität nicht ausreichen, könnten die Ladepunkte künftig einzeln heruntergeregelt werden, wodurch sich die Ladezeit verlängere. Durch intelligente Steuerung könne aber sichergestellt werden, dass die Batterie bis zum Morgen auf jeden Fall wieder voll sei, erklärt Pfarrherr: „Derzeit kann unser Netz das noch nicht.“ Die Kosten für die Aufrüstung der Technik liegen laut SNH bei rund 500.000 Euro.

Nach Angaben des Unternehmens wurde in Hamburg bisher – über die rund 900 öffentlichen Ladesäulen hinaus – eine „niedrige dreistellige Zahl“ von Stromtankstellen auf privatem Grund registriert, wobei es noch viele nicht gemeldete geben soll. Rund 3500 Autos mit Elektroantrieb (einschließlich der sogenannten Plug-in-Hybride) sind nach Angaben der Wirtschaftsbehörde entweder in Hamburg selbst angemeldet oder hier regelmäßig unterwegs. Das entspricht weniger als 0,5 Prozent des gesamten Fahrzeugbestands. „Ich rechne mit einem Durchbruch bei der Elektromobilität um die Jahreswende 2019/2020“, sagt Pfarrherr.

Eine Studie der Helmut-Schmidt-Universität kam im Jahr 2017 zu dem Ergebnis, dass 2030 in Hamburg voraussichtlich rund 100.000 Elektroautos unterwegs sind. SNH-Geschäftsführer Volk schreckt die Zahl nicht: „Das ist von der Energieversorgung her realisierbar – aber nur mit einem intelligenten Netz.“