Schiffsfonds

Urteil: Lloyd-Fonds-Anleger erhalten Schadenersatz

Rechtsanwältin Petra Brockmann erstritt ein Urteil gegen die Lloyd Fonds AG

Rechtsanwältin Petra Brockmann erstritt ein Urteil gegen die Lloyd Fonds AG

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Hamburgs ehemaliger Emittent von Schiffsfonds muss rund eine Million Euro zahlen. Gerichte kritisieren mangelnde Risiko-Aufklärung.

Hamburg.  Die Schatten der Vergangenheit sind lang. Während sich die Hamburger Lloyd Fonds AG als bankenunabhängiger Vermögensverwalter neu ausrichten will, hat sie immer wieder mit den Folgen als Emittent von Schiffsfonds zu kämpfen. Das Unternehmen legte bis 2008 rund 70 Schiffsfonds auf. Das Landgericht Hamburg sprach jetzt einem Ehepaar Schadenersatz von insgesamt 120.000 Euro zu. Das Ehepaar hatte sich im Oktober 2008 mit je 59.000 Euro an dem Schiffsfonds Thira Sea beteiligt, der im Mai 2014 in die Insolvenz geschlittert war.

Das Gericht rechtfertigte den Schadenersatz „wegen Verletzung vorvertraglicher Aufklärungspflichten“ im Zusammenhang mit der Beteiligung an dem Schiffsfonds, wie es im Urteil heißt (Az.: 321 O 10/18). Es geht um eine unzureichende Aufklärung über Risiken im Fondsprospekt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. „Ich gehe davon aus, dass Lloyd Fonds in Berufung gehen wird“, sagt Petra Brockmann von Hahn Rechtsanwälte, die das Urteil erwirkt hat. „Aber wir sind zuversichtlich, dass auch das Oberlandesgericht unserer Argumentation folgen wird“, sagt Brockmann.

Mangelnde Aufklärung über Währungsgeschäfte

Schon zum Zeitpunkt der Beteiligung sei die positive Marktdarstellung nicht mehr korrekt gewesen. Die Richter am Landgericht Hamburg stützten sich bei Ihrer Entscheidung auf ein Urteil des Bundesgerichtshofes, nach dem Anleger bei Beteiligungen über Nachteile und Risiken zutreffend, verständlich und vollständig aufgeklärt werden müssen (Az.: II ZR 140/03).

Die Kläger machten geltend, dass sie über die Risiken von komplizierten Währungsgeschäften nicht ausreichend aufgeklärt worden seien. Dieser Argumentation folgte das Gericht. Zunächst wurde die Finanzierung des Massengutfrachters in Dollar aufgenommen und anschließend Teile davon in japanische Yen transferiert. Bei Überschreiten eines bestimmten Wechselkurses zwischen beiden Währungen konnten Strafzahlungen an die finanzierende Bank fällig werden, die weit über das Risiko einer Fremdfinanzierung hinausgehen.

Anleger mit bis zu zwölf Prozent Rendite gelockt

Zuvor hatte bereits der Bundesgerichtshof in letzter Instanz die Lloyd Fonds AG zum Schadenersatz von rund einer Million Euro an insgesamt 32 Anleger verurteilt, berichtete das „Handelsblatt“. Sie hatten sich an dem Containerschiff Commander beteiligt, das 2700 Container laden konnte. Auch hier geht es um eine mangelnde Aufklärung der Anleger, die mit einer Rendite von bis zu zwölf Prozent gelockt wurden. Doch daraus wurde nichts, 2013 ging der Schiffsfonds in die Insolvenz.

Die Lloyd Fonds AG soll den Anlegern einen Vorabgewinn verschwiegen haben, den die Fondsinitiatoren mit dem Verkauf des bereits vorhandenen Schiffes an die Fondsgesellschaft erzielt hatten. Es ging um knapp fünf Millionen Euro. „Besonders erfreulich ist, dass das Urteil die zwielichtige Praxis der horrenden Vorabgewinne bestraft hat“, sagt Rechtsanwalt Niels Andersen von der APS Rechtsanwalts GmbH, der das Urteil erstritten hat. Lloyd Fonds war am Montag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Der Risikobericht der Gesellschaft zählte Ende 2017 insgesamt 218 gerichtliche Verfahren auf, bei denen es um Prospekthaftung geht.

Nach zehn Jahren: Ansprüche verjährt

Hahn Rechtsanwälte führt weitere Verfahren gegen Lloyd Fonds. Dabei geht es auch um ein Musterverfahren vor dem Oberlandesgericht Stuttgart im Zusammenhang mit dem Flottenfonds X. Wer als geschädigter Anleger bisher nicht aktiv geworden ist, hat allerdings wenig Chancen von den genannten Urteilen zu profitieren. „Zehn Jahre nach Zeichnung verjähren Schadenersatzansprüche“, sagt Brockmann.