Studie

So viele Privatinsolvenzen gab es 2018 in Deutschland

Die gute Lage am Arbeitsmarkt spürten viele Deutsche 2018 auch auf ihrem Konto. Die Zahl der Privatinsolvenzen ist erneut gesunken.

Die gute Lage am Arbeitsmarkt spürten viele Deutsche 2018 auch auf ihrem Konto. Die Zahl der Privatinsolvenzen ist erneut gesunken.

Foto: Rainer Holzvia www.imago-images.de / www.imago-images.de

Die Wirtschaftsauskunftei Crifbürgel hat die neuen Zahlen zu Privatpleiten in Deutschland veröffentlicht. So haben sie sich entwickelt.

Berlin. Immer weniger Menschen in Deutschland melden Privatinsolvenz an. Im Jahr 2018 mussten sich 88.885 Personen zahlungsunfähig melden – so wenige wie seit 2004 nicht mehr und 5,4 Prozent weniger als 2017. Das geht aus einer Untersuchung der Wirtschaftsauskunftei Crifbürgel hervor, die an diesem Donnerstag veröffentlicht wird und deren Ergebnisse unserer Redaktion vorab vorliegen.

Die meisten Privatinsolvenzen je 100.000 Einwohner gab es wie auch schon im Jahr zuvor in Bremen (166, 2017: 199), gefolgt von Niedersachsen (150, 2017: 155) und dem Saarland mit 146 Pleiten (2017: 161). Die wenigsten Fälle meldete Baden-Württemberg mit 72 Insolvenzen (2017: 80).

Kein Bundesland mit steigenden Privatinsolvenzen

Bremen ist zwar „Spitzenreiter“ bei den Zahlen je 100.000 Einwohner, dafür verzeichnet das Bundesland aber auch den größten Rückgang im Vergleich zu 2017 : -16,6 Prozent. Ebenfalls stark rückläufig sind die Verbraucherpleiten in Rheinland-Pfalz (-11,5 Prozent) und Baden-Württemberg (-10,4 Prozent).

Angestiegen sind die Privatinsolvenzen in keinem Bundesland. Das war 2017 noch anders: Damals stiegen die Privatinsolvenzen in Thüringen (+2,9 Prozent) und Berlin (+1,6 Prozent) leicht.

Die Entwicklung in den weiteren Bundesländern:

• Sachsen-Anhalt (-10,2 Prozent)

• Thüringen (-9,8 Prozent)

• Saarland (-9,1 Prozent)

• Berlin (-8,3 Prozent)

• Brandenburg (-7,5 Prozent)

• Hamburg (-7,5 Prozent)

• Bayern (-6,9 Prozent)

• Niedersachsen (-4,2 Prozent)

• Mecklenburg-Vorpommern (-3,4 Prozent)

• Schleswig-Holstein (-2,6 Prozent)

• Nordrhein-Westfalen (-2,1 Prozent)

• Hessen (-0,1 Prozent)

• Sachsen (-0,1 Prozent)

Positive Entwicklung in Gelsenkirchen, schlechte in Dortmund

Auch in den meisten Städten spiegelt sich die Entwicklung wider, allerdings gibt es teilweise deutliche Unterschiede innerhalb eines Bundeslandes. So gingen die Privatpleiten in Gelsenkirchen um 13,3 Prozent zurück, während sie in Dortmund um 15,4 Prozent stiegen. In der Nachbarstadt Bochum wiederum sanken sie um 3,7 Prozent, während sie 40 Kilometer weiter in Duisburg um 9,6 Prozent zulegten.

Den größten Rückgang unter den 30 größten deutschen Städten verzeichnet Augsburg mit -19,1 Prozent, den größten Zuwachs Chemnitz mit +16,3 Prozent.

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Weniger Privatinsolvenzen durch höhere Beschäftigtenzahlen

Hauptursache für den erneuten Rückgang seien bessere Arbeitsmarktbedingungen mit sinkender Arbeitslosigkeit und steigenden Löhnen. „Arbeitslosigkeit ist und bleibt Haupttreiber für eine Privatinsolvenz. Die Formel für weniger Privatpleiten ist daher einfach. Ein Anstieg der Beschäftigtenzahlen führt zu einem Rückgang der Privatinsolvenzen“, begründet Crifbürgel-Geschäftsführer Christian Bock den Rückgang der Insolvenzen.

Ein Anstieg der finanziellen Belastungen der Verbraucher, etwa durch eine Verschlechterung der Situation auf dem Arbeitsmarkt oder eine Zinswende, würde hingegen zu einem Anstieg der Privatinsolvenzen führen, so Bock.

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Personen mit Pfändungsschutzkonto fallen aus Statistik raus

Ein weiterer Grund für weniger Privatpleiten sei methodischer Natur: So würden viele überschuldete Bürger, die ein Pfändungsschutzkonto nutzen, keine Notwendigkeit sehen, eine Privatinsolvenz anzumelden.

„Die Personen haben so ein geringes Einkommen, dass es unter dem pfändbaren Betrag liegt. Diese Personen melden daher bewusst keine Privatinsolvenz an, obwohl sie hoch verschuldet sind“, sagte Bock unserer Redaktion.

Privatinsolvenzen: EU will Verfahren verkürzen

Für jene, die trotz der positiven Entwicklung in der Schuldenfalle stecken, gibt es Hoffnung: Die EU will die Verfahren für Privatinsolvenzen von sechs auf drei Jahre verkürzen. Bisher dauert es bis zur Restschuldbefreiung fünf bis sechs Jahre. Nur wer 35 Prozent der Schulden und die Verfahrenskosten begleicht, kann die Laufzeit auf drei Jahre verkürzen. Das schaffen bislang aber nur die wenigsten Betroffenen.

Der erneute Rückgang der Privatpleiten hatte sich bereits angekündigt. Schon im ersten Halbjahr 2018 hatte die Zahl der Privatinsolvenzen in Deutschland weiter abgenommen. Und 2017 waren Privatinsolvenzen bereits auf dem tiefsten Stand seit 2004.