Bramfeld

Warum Coca Cola jetzt auch Tee produziert

Deutschlandchef Frank Molthan im Lager in Hamburg-Bramfeld. Aus dem Logistikzentrum sind im vergangenen Jahr 2,3 Millionen Kisten an Handelspartner transportiert worden.

Deutschlandchef Frank Molthan im Lager in Hamburg-Bramfeld. Aus dem Logistikzentrum sind im vergangenen Jahr 2,3 Millionen Kisten an Handelspartner transportiert worden.

Foto: Andreas Laible

Deutschland-Chef Frank Molthan über den Standort Hamburg, die Rückkehr in die Gewinnzone und neue Produkte.

Hamburg. Frank Molthan ist ein bisschen zu spät. Den ganzen Vormittag war der Deutschland-Chef der Coca-Cola-Abfüllsparte auf dem Hamburger Hauptbahnhof unterwegs und hat Kunden besucht. Jetzt sitzt er im Konferenzraum des Unternehmensstandorts in Bramfeld – und braucht erst einmal etwas zu trinken. Eine Coke, was sonst. „Weil ich bei meiner Arbeit momentan viel sitze und mich zu wenig bewege, wähle ich tagsüber häufiger Coca-Cola Zero Sugar. Aus Gesundheitsbewusstsein“, sagt er.

Zucker enthält die zwar nicht, aber dafür reichlich Süßstoff. Er trinke, schiebt der 58-Jährige schnell hinterher, aber auch gerne eine klassische Coca-Cola. Denn auch wenn die Null-Zucker-Coke geschmacklich dem Original sehr nah komme, so der Coca-Cola-Manager. „Das Original ist unschlagbar. Es gibt Dinge, die kann man nicht kopieren.“

Coca-Cola Deutschland ist 2018 gewachsen

Für das abgelaufene Geschäftsjahr kann der deutsche Geschäftsführer des Abfüllunternehmens Coca-Cola European Partners gute Ergebnisse verkünden. „Wir hatten ein sehr erfolgreiches Jahr“, sagt Molthan. „Kam es früher vor allem auf Volumensteigerung an, hat Coca-Cola Deutschland im letzten Jahr wieder an Umsatz und Gewinn zugelegt.“ Detaillierte Zahlen nennt er nicht.

Nur so viel: Insgesamt liege das Umsatzplus der 13 in dem Verbund zusammen geschlossenen Ländergesellschaften – unter denen Deutschland die größte ist – bei vier Prozent. Laut der Veröffentlichung im Bundesanzeiger konnte die deutsche GmbH bereits 2017 einen leichten Umsatzzuwachs verbuchen und war beim Jahresergebnis nach Steuern wieder leicht im Plusbereich.

Vor 90 Jahren wurde die erste Coke in Deutschland abgefüllt

Auch 90 Jahre nachdem in Deutschland die erste Coca-Cola-Flasche abgefüllt wurde, ist das Original in der Flasche mit der roten Banderole mit einem Anteil von 60 Prozent hierzulande immer noch das stärkste Produkt der Coca-Coca-Familie. Zuckerdebatte hin oder her. Trotzdem schlägt sich das wachsende Gesundheitsbewusstsein und die veränderten Ernährungsgewohnheiten deutscher Kunden auch bei der weltweit bekannten Marken-Ikone nieder.

Wachstumstreiber sind inzwischen die zuckerfreien Varianten. „Coca-Cola Zero Sugar hat im zweistelligen Bereich zugelegt“. Auch der Absatz von Coca-Cola Light, ebenfalls ohne Zucker aber mit einem etwas anderen Geschmack, wurde im vergangenen Jahr erneut gesteigert.

Am Hamburger Standort arbeiten 200 Beschäftige

In der Hamburger Niederlassung in Bramfeld arbeiten heute etwa 200 Männer und Frauen. Im Eingangsbereich steht eine Glasvitrine, in der an die Gründung 1957 erinnert wird. Der legendäre Boxer Max Schmeling hatte kurz zuvor die Konzession für die Abfüllung der braunen Brause in der Hansestadt übernommen. Die Nachfrage in den Wirtschaftswunderjahren wuchs schnell: 1967 verkaufte Coca-Cola innerhalb eines Jahres bereits 100 Millionen Kisten in Deutschland.

Im Laufe der Jahrzehnte wuchsen die einzelnen Abfüllbetriebe zu immer größeren Einheiten zusammen. Heute betreibt Coca-Cola 16 Produktionsstandorte mit 8000 Beschäftigten – und hat das Sortiment deutlich ausgebaut. „Wir beliefern etwa 400.000 Handels- und Gastronomiekunden und sind mit einem Absatz von 3,8 Milliarden Litern im Jahr der größte Hersteller alkoholfreier Getränke in Deutschland“, sagt Molthan.

2018 wurden 2,3 Millionen Getränkekisten geliefert

Bis unter das Dach der Lagerhallen an der Werner-Otto-Straße in Hamburg stapeln sich die Kisten. Aus dem Logistikzentrum sind im vergangenen Jahr 2,3 Millionen Kisten an Handelspartner transportiert worden. Der größte Anteil sind mit 42 Prozent Mehrweg-Kisten mit Ein-Liter-Flaschen Coca-Cola. Produziert wird in Hamburg schon seit Jahren nicht mehr. Derzeit gibt es in der Region noch zwei Standorte im schleswig-holsteinischen Mölln und in Lüneburg.

Dort investiert das Unternehmen aktuell 23 Millionen Euro in eine neue Mehrweg-Glaslinie, die voraussichtlich im Sommer dieses Jahres in Betrieb gehen soll. Insgesamt arbeiten nach mehreren Standort-Schließungen im Großraum heute 800 Frauen und Männer für Coca-Cola. In den aktuell laufenden Tarifverhandlungen hat die Gewerkschaft Ver.di gerade Warnstreiks für den 11. und 12. April angekündigt.

Markt für Erfrischungsgetränke wächst

Der Markt für Erfrischungsgetränke in Deutschland boomt. Der Pro-Kopf-Verbrauch ist 2018 laut der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke erneut um 6,3 Prozent auf gut 123 Liter im Jahr gestiegen. Der Zuwachs bei Cola und Cola-Mischgetränken lag allerdings mit 2,7 Prozent deutlich unter dem Schnitt. Zahlreiche neue Hersteller bieten Alternativen zu den bekannten Klassikern wie Coca-Cola, Fanta oder Sprite an. „Auch wir befinden uns im Wandel“, sagt Molthan.

Die Zeiten, als das Geschäft mit einem Getränk gemacht wurde, sind lange vorbei. Inzwischen hat Coca-Cola 80 verschiedene Produkte im Sortiment. „Nicht jede Innovation ist erfolgreich“, sagt der Deutschland-Chef. So wurde die kalorienreduzierte Variante Coca-Cola Life mit dem Zuckerersatz Stevia nach zwei Jahren wieder vom Markt genommen. „Es hat am Ende nicht gut genug geschmeckt, um zu bestehen“, so Molthan.

Coca-Cola teste neue Getränke, auch mit Hafer und Mandel

Allein 2018 hat Coca-Cola hierzulande 16 neue Getränkesorten auf den Markt gebracht, darunter den Eistee Fuze Tea in verschiedenen Geschmacksvarianten. „Wir hatten uns vorgenommen, 26.000 Handelskunden zugewinnen, es waren letztlich 46.000“, sagt Molthan. Ebenfalls neu ist der Bio-Tee Honest Tea, der nur leicht mit Bio-­Rohrzucker beziehungsweise Bio-­Honig gesüßt ist.

Adez, in den Varianten Hafer und Mandel, ist eine Mischung aus verschiedenen Fruchtsäften und pflanzlichen Zutaten und ein weiterer Neuzugang. Statt mit Zucker wird mit Stevia gesüßt. „Wir müssen uns daran gewöhnen, auch in kleineren Mengen und neuen Segmenten zu produzieren“, so der Deutschland-Chef, der vor mehr als 30 Jahren ins Unternehmen kam.

Auch an die Rezepte will Coca-Cola ran. Nachdem immer mehr Länder eine Zuckersteuer einführen, um den übermäßigen und gesundheitsschädlichen Konsum einzudämmen, hatte Konzernchef James Quincey vor einiger Zeit angekündigt, dass bis zum Jahr 2020 der Zuckergehalt im gesamten Sortiment um zehn Prozent und bis 2025 sogar um 15 Prozent gesenkt werden soll. Möglich ist offenbar einiges, bis auf eine Ausnahme: Die klassische Coca-Cola bleibt, wie sie ist.

Coca-Cola ist gegen Herstellerabgabe auf zuckerhaltige Getränke

„Wir setzen auf freiwillige Selbstverpflichtung“, entgegnet Frank Molthan Kritikern in Deutschland wie der Verbraucherorganisation Foodwatch, die Coca-Cola vorwerfen, „entscheidende Mitverantwortung“ für die Zunahme von Krankheiten wie Fettleibigkeit und Diabetes zu tragen. Von einer Herstellerabgabe für zuckerhaltige Getränke hält der Coca-Cola-Manager – wenig überraschend – nichts. Schon jetzt investiere das Unternehmen das Dreifache der Werbekosten für Getränke mit Zucker in zuckerreduzierte und zuckerfreie Angebote. „Damit wollen wir einen deutlichen Anreiz schaffen, diese Varianten zu probieren. Und wenn‘s nicht schmeckt, gibt es das Geld zurück.“