Schifffahrt

Hamburger Reeder betreibt für Venezuela keine Tanker mehr

Sitz der Reederei Bernhard Schulte Shipmanagement (Archivbild).

Sitz der Reederei Bernhard Schulte Shipmanagement (Archivbild).

Foto: picture alliance

Bernhard Schulte Shipmanagement macht politische Lage dafür verantwortlich. Doch es soll auch viele unbezahlte Rechnungen geben.

Hamburg.  Der Konflikt um die politische Führung im wirtschaftlich darniederliegenden Venezuela hat jetzt auch die Hamburger Schifffahrtsbranche erreicht. Die Reederei Bernhard Schulte Shipmanagement (BSM), die bislang 13 Tankschiffe der staatlichen venezolanischen Ölgesellschaft PDVSA betrieben hat, zieht sich jetzt aus diesem Geschäft zurück.

Die von der US-Regierung erlassenen Sanktion gegen Venezuela und die Tatsache, das nun auch weitere Ländern Sanktionen gegen das Land erlassen haben, in dem ein Machtkampf zwischen Präsident Nicolas Maduro und dem oppositionellen Parlamentspräsidenten Juan Guaido tobt, führten dazu, dass das Unternehmen das Schiffsmanagement für die Regierung in Caracas Ende März oder Anfang April einstellen werde, erklärte BSM am Donnerstag. Die politische Entwicklung in dem südamerikanischen Land mache es dem Schifffahrtsunternehmen „annähernd unmöglich“ Vermögensgegenstände für dessen Regierung zu managen, hieß es weiter.

Gläubiger lassen Tanker festsetzen

Doch offenbar gibt es noch mindestens einen weiteren gewichtigen Grund für die Hamburger Reederei, das Venezuela-Geschäft aufzugeben: unbezahlte Rechnungen. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete unlängst, die Ölgesellschaft PDVSA habe mindestens 15 Millionen US-Dollar Schulden bei BSM. Reuters berief sich dabei auf eine ungenannte Quelle in dem Unternehmen und auf ein Dokument, dass man habe einsehen können.

Die zypriotische Niederlassung von BSM, die die Tanker bislang betrieben und unter anderem mit den Mannschaften bestückt hatte, kündigte am Donnerstag an, man werde nun versuchen, die Schiffe so schnell wie möglich an den Schifffahrtsarm der Ölgesellschaft zurückzugeben. Die Tanker in das ölreichste Land der Welt, dessen Ölindustrie nach jahrelanger Misswirtschaft und wegen der Sanktionen am Boden liegt, habe sich in der Vergangenheit allerdings als schwierig erwiesen, so BSM. Wegen des Mangels an Ressourcen in dem Land.

Das kann als Hinweis auf unbezahlte Rechnungen verstanden werden. Und Schwierigkeiten bei der Rückführung der Tanker in ihre Heimathäfen, gab es laut dem Reuters-Bericht auch deshalb, weil mehrere Schiffe von Gläubigern der Ölgesellschaft in ausländischen Häfen festgesetzt wurden.