Köln/Hamburg

Nach Fusion: Kaufhof streicht fast jeden vierten Job

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Hanna-Lotte Mikuteit und Frank Messing
Die Galeria Kaufhof-Filiale an der Mönckebergstraße. Das Unternehmen hat in Hamburg 350 Mitarbeiter.

Die Galeria Kaufhof-Filiale an der Mönckebergstraße. Das Unternehmen hat in Hamburg 350 Mitarbeiter.

Foto: ANDREAS LAIBLE

Das Unternehmen steuert einen harten Sparkurs an. Die zwei Filialen in Hamburg sollen aber vorerst erhalten bleiben.

Hamburg/Köln.  Bei der kriselnden Kaufhauskette Galeria Kaufhof sollen im Zuge der Fusion mit dem Rivalen Karstadt etwa 2600 Vollzeitstellen abgebaut werden. Das kündigte der Chef des Gemeinschaftsunternehmens und Karstadt-Vorstand, Stephan Fanderl, am Freitag an. Nach seinen Worten ist Kaufhof im derzeitigen Zustand „langfristig nicht überlebensfähig“. 1000 Vollzeitstellen sollen in den Führungs- und Verwaltungsstrukturen wegfallen, weitere 1600 Vollzeitstellen in den Filialen. Weil dort viele Teilzeitkräfte arbeiten, ist die Zahl der betroffenen Frauen und Männer aber deutlich höher. Nach Schätzungen könnten demnach 4000 der 18.000 Arbeitsplätze wegfallen – annähernd jeder vierte. Um Kosten zu sparen, wird Kaufhof außerdem aus der Tarifbindung aussteigen.

Köln ist der große Verlierer

In Hamburg betreibt Galeria Kaufhof noch zwei Warenhäuser, in denen 350 Mitarbeiter beschäftigt sind. Karstadt ist mit sechs Kaufhäusern und – einschließlich Norderstedt – drei räumlich davon getrennte Filialen von Karstadt Sports vertreten. Die Zahl der Mitarbeiter liegt bei 850. Welche Auswirkungen die Pläne aus der Essener Konzernzentrale auf die Hamburger Standorte haben, wurde am Freitag nicht bekannt. Allerdings werden wohl zunächst die beiden Haupthäuser in der Mönckebergstraße bestehen bleiben. Den Angaben zufolge sind sanierungsbedingte Filialschließungen „zunächst“ nicht geplant. Das gelte auch für die Innenstädte, wo sowohl Karstadt als auch Kaufhof vertreten seien. Doppelstandorte böten „besondere Chancen zur Schwerpunktbildung und Differenzierung“, betonte das Unternehmen.

Großer Verlierer ist der Kaufhof-Hauptsitz in Köln. Der Konzern will die wichtigsten Führungs- und Verwaltungsstrukturen beider Häuser künftig in der bisherigen Karstadt-Zentrale in Essen bündeln und 390 neue Stellen schaffen. Am Standort Köln soll ein Kompetenz-Center für Digitalisierung und E-Commerce aufgebaut werden. Außerdem soll von dort das Gastronomie- und Lebensmittelgeschäft sowie das Outlet-Geschäft gesteuert werden.

Ver.di: Sanierungspläne sind untragbar

Fanderl soll aus den beiden schwächelnden Warenhauskonzernen einen auch im Internet-Zeitalter wettbewerbsfähigen Handelsriesen schmieden und will Kosten in dreistelliger Millionenhöhe einsparen. Dabei steht er unter erheblichem Druck. Nach Karstadt-Angaben blieb das Weihnachtsgeschäft bei Kaufhof deutlich unter den Erwartungen. Die Erlöse sanken um fast vier Prozent in den Filialen, das Onlinegeschäft verzeichnete der Mitteilung zufolge ein Minus von fast einem Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch bei Karstadt soll es nach Angaben aus informierten Kreisen nicht gut gelaufen sein.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di kritisierte die Sanierungspläne als untragbar: „Das ist ein schlechter Start für die neue Warenhausholding“, erklärte Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. Ver.di werde um jeden Arbeitsplatz kämpfen. Die Tarifkommissionen von Kaufhof und Karstadt würden sich zeitnah treffen und über Aktivitäten beraten. Im Oktober hatten die Hamburger Betriebsräte von Karstadt und Kaufhof gemeinsam einen Forderungskatalog vorgelegt. In der gemeinsamen Erklärung verlangten sie, Investitionen in den weiteren Ausbau beider Marken, die Sicherung der Arbeitsplätze sowie Tarifbindung für alle Beschäftigten.

Ex-Rivalen treten beim Einkauf gemeinsam auf

Kaufhof ist seit Ende November Teil eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem früheren Erzrivalen Karstadt. Der frühere Kaufhof-Eigner HBC hatte der Fusion im vergangenen Jahr nach langem Zögern zugestimmt. Die Nordamerikaner sind mit 49,99 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen beteiligt, das über rund 240 Filialen mit einem Umsatz von gut fünf Milliarden Euro und 32.000 Mitarbeiter verfügt.

Mehrheitseigner ist die Sigma Holding des österreichischen Investors Rene Benko. Karstadt hat im operativen Geschäft das Sagen. Von dem Zusammenschluss erhoffen sich die beiden Ketten eine Verbesserung ihrer Wettbewerbsposition gegenüber Online-Anbietern wie Amazon oder Zalando.

Als erste Maßnahme arbeiten die beiden ehemaligen Konkurrenten daran, den Einkauf zusammenzulegen, berichtet das Branchenblatt „Lebensmittelzeitung“. Insgesamt erhofft sich das Management Einsparungen in dreistelliger Millionenhöhe, einen Teil dazu sollen bessere Einkaufskonditionen beitragen. Die Einkäufer von Kaufhof und Karstadt treten bei Lieferanten schon zusammen auf.

( dpa, rtr )

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