Gewerkschaften

Nur jeder zweite Hamburger wird nach Tarifvertrag bezahlt

Eine Kellnerin serviert in einem Restaurant.

Eine Kellnerin serviert in einem Restaurant.

Foto: dpa Picture-Alliance / Britta Pedersen / picture alliance / ZB

Mit Tarifvertrag werden im Schnitt 570 Euro mehr im Monat verdient. Zwei Branchen sind in der Hansestadt besonders betroffen.

Hamburg. Nur knapp jeder zweite arbeitet in Hamburg in einem Unternehmen, in dem noch ein Flächentarif- oder Haustarifvertrag gilt. Nach Angaben des DGB können nur noch 45 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Hansestadt von den Vorteilen eines Tarifvertrages profitieren. „Mit Tarifvertrag gibt es mehr Geld, bessere Arbeitsbedingungen und oft mehr Urlaub“, sagte Katja Karger, Vorsitzende des DGB in Hamburg.

Der durchschnittliche Stundenlohn beträgt in Hamburg mit Tarifbindung brutto 24,43 Euro gegenüber 21,07 Euro ohne Tarifvertrag Monatlich mache das auf der Gehaltsabrechnung einen Unterschied von 571 Euro aus, rechnete der DGB vor. Seit Jahren sinkt die Tarifbindung in Hamburg, weil Unternehmen Betriebsteile auslagern oder die Tarifbindung insgesamt aufgeben. Diesen Trend wollen die acht Einzelgewerkschaften des DGB brechen.

Besonders Einzelhandel und Gastronomie betroffen

Besonders dramatisch ist die Lage für die Beschäftigten in Hamburg im Einzelhandel und in der Gastronomie. Im Einzelhandel unterliegen nur noch 14 Prozent der Arbeitgeber einer Tarifbindung. "Wir wollen die Allgemeinverbindlichkeit der Flächentarifverträge im Hamburger Einzelhandel, um die Ausbeutung zu beenden“, sagte Berthold Bose, Landesbezirksleiter von ver.di.

In der Gastronomie sind die Beschäftigten aber auch mit Tarifvertrag nicht gut gestellt. Denn das Tarifniveau sei das niedrigste unter den alten Bundesländern, sagte Silke Kettner, Geschäftsführerin der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Ursache seien Jahre ohne Tarifverhandlungen gewesen.