Weihnachten

400 Prozent mehr: So wuchern Süßigkeitenhersteller zum Fest

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Schleife dran, das Doppelte verlangen – zum Weihnachtsfest gehen Süßigkeitenhersteller in die Vollen. Der Vergleich spart viel Geld.

Berlin.  Den Adventskalender füllen, zu Nikolaus dann die Schuhe – und zu Weihnachten selbst dann auch hier und da ein kleines Mitbringsel: Für die Süßigkeitenindustrie ist das Fest der Liebe vor allem auch: das Fest des ganz großem Umsatzes.

Die Unternehmen haben das längst verinnerlicht – und bringen viele Kunden mit cleveren Tricks dazu, deutlich mehr Geld für deutlich weniger Produkt als sonst im Jahr auszugeben. In der Regel bekommen die Konsumenten in den besonders aufwendigen Weihnachtsverpackungen weniger Süßes – für mehr Geld.

Dreieinhalbfacher Preis pro 100 Gramm Raffaello

So packt Milka etwa die „Choco Wafer“ in eine große lilafarbene Plastikkugel. Die kostet dann 3.49 Euro – das entspricht 1,94 Euro pro 100 Gramm. Normal schlagen 100 Gramm mit 1,33 Euro zu Buche. Ob sich der Beschenkte die klobige Lila-Werbekugel dann wirklich aufhängt, ist fraglich. Spätestens nach dem Fest ist sie in vielen Haushalten sicher ein Fall für die Tonne.

Auch bei Ferrero „Raffaello“ wird zu Weihnachten umverpackt. Die Kokos-Kugeln gibt es zum Beispiel in einer schicken Schneeflockenverpackung. Kostet im Test-Supermarkt der Redaktion stolze 1,99 Euro – drin sind 40 Gramm „Raffaello“. 100 Gramm kosten demnach 4,98 Euro.

Was besonders deshalb erstaunlich ist, da zwei Ecken weiter im Supermarkt die Standardpackung zwar 2,29 Euro kostet – dafür aber auch fast das Vierfache (150 Gramm) enthält. Zur Veranschaulichung:

  • 40 Gramm in der Weihnachtsflocke: 1,99 Euro = 4,98 Euro pro 100 Gramm
  • 150 Gramm in der Standardpackung: 2,29 Euro = 1,53 Euro pro 100 Gramm
  • 230 Gramm in der Standradpackung: 2,99 Euro = 1,30 Euro pro 100 Gramm

Bei den turnusmäßigen Angeboten spart man sogar noch deutlich mehr. „Alle paar Wochen sind in den Supermärkten die gleichen Produkte und Marken im Angebot, wer etwas abwartet, spart viel“, sagt Armin Valet, bei der Verbraucherzentrale Hamburg in der Fachabteilung Ernährung und dort zuständig unter anderem für Mogelpackungen.

Zu Weihnachten sitzt das Geld der Kunden lockerer

Valet kennt die Tricks der Hersteller – und Supermärkte: „Die Hersteller machen eine hübsche Hülle um ihr Produkt oder binden eine Schleife dran und verdienen deutlich mehr.“ Denn die Verpackungen seien selten nennenswert teurer als die der Standard-Angebote. Dafür sitzt an Weihnachten das Geld bei den Konsumenten deutlich lockerer. So steigt der Gewinn.

Die Supermärkte helfen mit: Die Weihnachtsware steht auf Aktionsflächen, meist weit entfernt von den Standardwaren. Der Vergleich ist also anstrengend. „Es lohnt sich aber in fast allen Fällen, zu vergleichen“, betont Valet. Am wenigsten Leistung erhält man oft bei Adventskalendern: Da kostet das Kilo Schokolade schnell mal ein paar Dutzend Euro. Selbst machen ist zwar aufwendiger – könne aber viel Geld sparen

Lindt ist bei Verpackungen die Königsklasse

Perfektioniert hat das System „Verpackung“ offenbar Lindt. Die Firma bietet ihren Standard-Schokoweihnachtsmann für 3,69 Euro an. Und dann nochmal für stolze 5,99 Euro – selbes Modell, aber mit ein bisschen Pappe drumrum. 1,30 für ein Stück verstärktes Papier, das nach der Entnahme des Weihnachtsmannes nicht mal mehr einen Zweck erfüllt, das muss man wollen.

Da ist die wuchtige Plastikzuckerstange von Oreo eventuell noch kinderzimmertauglicher. Die wird in der Produktion sicher auch nur wenige Cent kosten. Rechtfertigt für Hersteller und Supermarkt aber offenbar einen mehr als 400-prozentigen Aufschlag: Statt 0,84 Euro pro 100 Gramm zahlt der Verbraucher 3,49 Euro.

Konsumentenverhalten sorgt für deutlich mehr Müll

Und gleichzeitig ist die Zuckerstange aus Hartplastik ein Musterbeispiel für einen weiteren Aspekt, den Valet von der Verbraucherzentrale benennt: „Die Müllflut. Die ganzen Zusatzverpackungen landen in aller Regel am Ende auch im Müll. Wir sprechen davon, immer weniger Müll zu produzieren, aber hier wird in die Vollen gegriffen.“

Weniger Süßes für mehr Geld mit mehr Schäden für die Umwelt – die Entscheidung fällt der Kunde bei jedem Einkauf selbst.