Abendblatt-Test

Schokotaler mit Lakritz – Leckerei auch für Merkel und Trump

Axel Heinrichson, der Geschäftsführer von Speicher & Consorten, im Showroom des Hamburger Unternehmens.

Axel Heinrichson, der Geschäftsführer von Speicher & Consorten, im Showroom des Hamburger Unternehmens.

Foto: Roland Magunia / HA

Firmen in der Region überraschen mit neuen Produkten. Wir erzählen die Geschichte dahinter. Heute: Neuheiten von Speicher & Consorten.

Hamburg. Früher, als die Speicherstadt noch Zollbezirk und er selbst ein Kind war, ist er oft mit seinem Vater hier gewesen. Wenn dieser neuen Kaffee für eine Rösterei eingekauft hat, ist Axel Heinrichson zwischen den roten Backsteingebäuden am Fleet umhergestreift und hat den Geruch der Speicherstadt aufgesogen. Kaffee, Tee, Schokolade. Für ihn war es der Geruch der großen, weiten Welt.

Mehr als 40 Jahre ist das jetzt her, doch an der Faszination, der Liebe, für die Speicherstadt und ihre Waren hat sich bis heute nichts geändert. Im Gegenteil. Heute ist Axel Heinrichson nicht mehr nur stiller Beobachter seines Vaters, sondern handelt selbst mit Lebensmitteln. In der Speicherstadt hat Heinrichson zusammen mit fünf Freunden im Jahr 2009 das Unternehmen Speicher & Consorten gegründet. Ein Handelshaus für typische Hamburger Spezialitäten wie Kaffee, Tee, Gewürze und Schokolade. „Uns war damals aufgefallen, dass selbst Hamburger Firmen ihren Kunden zu Weihnachten oder besonderen Anlässen Lübecker Marzipan geschenkt haben“, sagt er. Aus einer Beobachtung wurde eine Idee, aus einer Idee ein Geschäftsmodell: Hochwertige Hamburger Spezialitäten werden unter einer Marke gebündelt und als Firmengeschenke und Souvenirs verkauft.

Spezialisierte Manufakturbetriebe

Für die Umsetzung ihrer Pläne haben sich die Gründer um Heinrichson ihre Consorten gesucht: etablierte und spezialisierte Manufakturbetriebe, die aus wertvollen Rohstoffen einzigartige Spezialitäten fertigen. Exklusiv und in Handarbeit! „Wir wollten auf keinen Fall bereits bestehende Produkte einfach nur übernehmen, sondern sie mit unseren Consorten für uns neu kreieren“, sagt Heinrichson, der sich damals mit fünf Consorten an die Entwicklung außergewöhnlicher Hamburg-Spezialitäten wie Pfeffer mit Kaffeebohnen oder Schokolade mit Kakaobohnensplitter und Orangenöl gemacht hat.

Diese Entwicklungs- und Verkostungsrunden sind bis heute ein wichtiger Bestandteil des Firmenkonzeptes. Immer wieder treffen sich die Speicher-Leute mit ihren Consorten, um über neue Geschmacksrichtungen zu diskutieren und Ideen für Produkte zu entwickeln – so wie den Schokotaler, der seit November auf dem Markt ist. Das Besondere an den handtellergroßen Schokoladentalern sind die ungewöhnlichen Geschmackskombinationen. Bei der Sorte Seemanns Proviant wird Vollmilchschokolade mit Meersalz und Haselnusskrokant gemischt, bei Deerns Lekkerei trifft weiße Schokolade auf Lakritz und bei Käpt’ns Dinner Zartbitterschokolade auf Kaffeebohnen. „Damit wollen wir im Mund verschiedene Geschmackszonen ansprechen!“, sagt Heinrichson. Fast eineinhalb Jahre hat der Entwicklungs- und Produktionsprozess gedauert. Eine der Herausforderungen war die Entwicklung einer Verpackung mit Verschlusskappe, in der man den Schokotaler als Ganzes sehen kann, er gleichzeitig aber geschützt ist.

Schon für Angela Merkel gearbeitet

Bei Speicher & Consorten hofft man, mit den Talern in der frechen Verpackung eine neue Zielgruppe zu generieren. Die Idee: „Da die Schokotaler kleiner sind als eine ganze Tafel Schokolade, sind sie auch günstiger – und sprechen daher andere Käufer an“, so die Überlegung von Heinrichson. 3,90 Euro kosten die rund 45 Gramm schweren Schoko-Delikatessen. Heinrichson weiß, wie das erst mal klingt. „Teuer!“, räumt er ein, schiebt aber sofort eine Erklärung hinterher. „Da wir nur die hochwertigsten Rohstoffe verwenden und alle Waren in Handarbeit von Manufakturen gefertigt werden, ist schon der Material- und Herstellungspreis sehr hoch.“

Trotzdem: Das Geschäft läuft gut, 2019 wollen Heinrichson und sein Team erstmals einen siebenstelligen Umsatz einfahren. Vor allem die Firmenpräsente sorgen für ein Plus in der Bilanz. Während man in den ersten Jahren gerade mal 25 Prozent des Umsatzes mit dem Verkauf von Genusspaketen an Unternehmen erzielte, geht heute mehr als die Hälfte des Umsatzes auf das Geschäftsmodell Firmengeschenke zurück. Zahlreiche Unternehmen wie die Haspa, Deutsche Bank, Allianz, Google und Xing haben bei Speicher & Consorten Seesäcke und Seekisten, gefüllt mit Hamburger Spezialitäten, geordert und an ihre Mitarbeiter und Kunden verschenkt. Worauf die Firma am Fleet besonders stolz ist: Im vergangenen Jahr lieferte sie 3000 Genusspakete für die Teilnehmer des G-20-Gipfels – inklusive Angela Merkel und Donald Trump.

Heinrichson will expandieren

Um den Umsatz im Einzelhandel zu steigern, will Heinrichson mit seinem Team expandieren. Bisher gibt es Spezialitäten von Speicher & Consorten vor allem in der Metropolregion Hamburg, unter anderem bei Thalia, dem Alsterhaus, Galeria Kaufhof und in Feinkostgeschäften. Doch schon bald soll das Verkaufsgebiet Richtung Süden ausgeweitet werden. Mit der Expansion kann sich der Unternehmenschef allerdings erst im neuen Jahr beschäftigen. Jetzt muss erst mal das Weihnachtsgeschäft abgewickelt werden. Hochsaison für Heinrichson. In dieser Zeit des Jahres, wenn besonders viele Präsente gepackt und ausgeliefert werden müssen, arbeitet er oft auch am Wochenende. Alleine ist er dann im Büro aber nicht. Manchmal nimmt er seine Kinder mit.

Der Abendblatt-Test – jeden Dienstag im Wirtschaftsteil. Alle bisherigen Folgen gibt es online unter www.abendblatt.de/testserie