Gründer-Show

„Höhle der Löwen“: Was aus den Hamburger Ideen wurde

Die aktuelle Staffel der beliebten TV-Unternehmershow ist vorbei. Sind die Start-ups aus der Hansestadt noch erfolgreich?

Hamburg. Die „Höhle der Löwen“ ist für 2018 geschlossen. In dieser Woche ist die letzte Folge der fünften Staffel der Gründer-Show im Sender Vox über die Fernsehbildschirme von Millionen Deutschen geflimmert. Sieben Start-ups aus Hamburg haben seit Anfang September darum gekämpft, mit den Investoren ins Geschäft zu kommen. Drei der jungen Unternehmen waren erfolgreich. Wie ging und wie geht es mit den Gründern jetzt weiter?



Swedish Fall
Von der Hochschule in die eigene Firma: Die vier Macher von Swedish Fall kennen sich seit dem Studium an der Nordakademie in Elmshorn, jetzt entwickeln sie Sportbekleidung. Auch ohne Deal sind sie zufrieden mit der Teilnahme in der „Höhle der Löwen“. „Die Aufmerksamkeit durch die Ausstrahlung hat uns Umsätze in sechsstelliger Höhe beschert“, sagt Jonas Detlefsen, der die Firma zusammen mit Marius Krüger, Lara und Silja Stallbaum managt.

Allein in der Sendenacht gab es 100.000 Seitenaufrufe. Wichtiger für die Gründer, die außerhalb der Show einen Investor gefunden haben, sind die Kontakte für eine langfristige Zusammenarbeit. Unter anderem ist die Marke, die ursprünglich aus der Cheerleader-Szene kommt und inzwischen Mode für athletische Sportarten anbietet, jetzt im Amazon-Retail-Programm. Die Gründer verhandeln mit Modehändler Zalando. Seit zwei Wochen sind die Leggings und Tops auf dem US-Markt erhältlich. „Unser Umsatzziel von 700.000 Euro in diesem Jahr ist erreichbar“, sagt Detlefsen.



Sleeperoo
Eigentlich hatte Investorin Dagmar Wöhrl in der Sendung 25,1 Prozent der Anteile von Sleeperoo für ihre 250.000 Euro rausgehandelt. Tatsächlich ist die Dormero-Hotelgruppe, die zum wöhrlschen Familienimperium gehört, aber aus rechtlichen Gründen nur mit 24,9 Prozent bei den Betreibern von mobilen Schlafwürfeln eingestiegen. „Die Zusammenarbeit läuft gut“, sagt Gründerin Karen Löhnert. Die Anfragen für die Eventübernachtungen waren schon während der Sendung massiv gestiegen, zeitweilig waren fast 550.000 Besucher online.

Buchungen sind jetzt zusätzlich über die Dormero-Internetseite möglich. „Deren Marketing und Vertrieb unterstützen uns“, sagt Löhnert. Der erste gemeinsame Auftritt war auf dem Deutschen Tourismustag, wo die Sleeperoos für den Deutschen Tourismuspreis nominiert waren. Aktuell stehen acht Schlafwürfel an besonderen Orten, im nächsten Jahr sollen es 60 sein. Außerdem gab es durch die Sendung viele Anfragen von Interessenten auch aus dem Ausland. „Wir überlegen gerade, unser Geschäftsmodell zu erweitern und Würfel auch zum Kauf anzubieten“, sagt Löhnert.



Chia-Bowl
„Unsere Chia-Bowls“, sagt Brando Valencia, „verkaufen sich auch ohne ,Höhle der Löwen‘-Deal.“ Und so wie er das sagt, klingt es nach „jetzt erst recht“. Das Start-up Mega Lecka, an dem auch der Frucht- und Gemüsesafthersteller Kale & Me beteiligt ist, war ohne Deal aus der Show gegangen. Die Enttäuschung ist inzwischen verarbeitet, Geschäftsführer Valencia ist mit voller Kraft auf der Suche nach neuen Verkaufsmöglichkeiten für sein Produkt, eine Art Pudding aus Chia-Samen und Fruchtsaft. In mehr als 500 Geschäften sind die Gläschen in fünf Sorten jetzt fest gelistet, darunter bei Budnikowsky, Edeka und Rewe.

„Im Schnitt verkaufen wir in der Woche elf Bowls pro Markt“, sagt der Gründer. Insgesamt sind es bislang 150.000 Gläser. Aus seiner Sicht „eine gute Basis“. Denn klar ist: Es soll weitergehen. Das Team ist auf drei Mitarbeiter gewachsen. 2019 gibt es eine weitere Chia-Bowl-Sorte, auch ein neues Getränk will Mega Lecka auf den Markt bringen. Außerdem ist die Expansion in europäische Nachbarländer angeschoben. „Wir sind offen für einen Investor, der auch ein strategischer Partner für uns ist.“

Trockenfix
Wie viele seiner Trockenfixe inzwischen verkauft sind, kann Andreas Plath nicht sagen. Das wurmt ihn ein bisschen. Die Wäschespirale, auf dem Bettwäsche platzsparend trocknet, war nach seinem Deal mit Ralf Dümmel, Chef des Handelsunternehmens DS-Produkte, in hoher Stückzahl produziert worden und liegt seit gut sechs Wochen in den Geschäften. Geplanter Handelsumsatz: zwei Millionen Euro. Seine Partner, so Plath, hätten ihm signalisiert, dass der Verkauf „im gesunden Mittelfeld“ liege.

Gerade war der Hamburger schon das siebte Mal beim Verkaufssender QVC auf Sendung. „Ich bin entspannt“, sagt Plath. Auch weil er weiterhin in seinem Beruf als Versicherungsberater arbeitet. Die 200.000 Euro, die Dümmel für eine Beteiligung von 49 Prozent in die gemeinsame GmbH gesteckt hat, fließt in Marketing und Expansion. „Es fallen auch Kosten für die Verpackung und Lagerhaltung an.“ Die überweist der Start-up-Unternehmer an DS-Produkte – das gehört auch zum Deal. Inzwischen denkt der Tüftler über neue Produkte nach. „Das Team gibt mir gute Ratschläge, aber letztlich entscheide ich.“



Kaiserschlüpfer
Es ist ein bisschen verkehrte Welt: Gerade die schneidende Kritik von Löwen-Jurorin und Beauty-Unternehmerin Judith Williams an den Kaiserschlüpfern aus Hamburg hat den beiden Gründerinnen viel positives Feedback eingebracht. „Wir haben mehrere Tausend Mails und Posts bekommen, die uns Mut gemacht haben“, sagt Daniela Westberg-Heuer. Der Slip, den Williams dabei in die Kamera gehalten hatte, das Modell „Warme Tage Hipster“ gegen Regelschmerzen im Farbton Wassermelone, ist seitdem der Renner. „Das zeigt uns, dass es keine negativen Folgen hat, wenn man ohne Deal rausgeht“, sagt Julia Steinbach, die in der Sendung mit Tränen der Enttäuschung kämpfte.

Mehr als doppelt so viele Anfragen und Verkäufe als vorher verzeichnen die Unternehmerinnen, die mit einem Spezialslip mit Kühlpad für Frauen nach einem Kaiserschnitt gestartet waren und inzwischen selbst einen Investor gefunden haben. Geburtskliniken, Apotheken und Einzelhändler, die Kaiserschlüpfer verkaufen wollen, haben sich gemeldet. Nach einem Umsatz von voraussichtlich 295.000 Euro in diesem Jahr streben sie für 2019 eine halbe Million an. Im Frühjahr wollen die Kaiserschlüpfer-Macherinnen in den Elbvororten einen eigenen Laden eröffnen.


CapsAir
Normalerweise mag Ralph Ecks es nicht, wenn ein Artikel ausverkauft ist. Der Mann ist schließlich Verkäufer. Aber in diesem Fall gönnt er sich ein kleines Lächeln. CapsAir, ein Kleiderbügel mit integriertem Mottenschutz auf natürlicher Basis, ist seine Idee. Massentauglich hat sie ein anderer Ralf gemacht: Nach dem Deal mit Gründer Ecks, der sein Start-up mit einem Geschäftspartner betreibt, hat der Handelsprofi Ralf Dümmel den Ursprungsbügel in eine Art CapsAir Light ab 10 Euro im Zweierpack verwandelt.

„Insgesamt wurden 160.000 Sets mit einem Handelsvolumen von einer Million Euro produziert“, sagt Ecks, der 30 Prozent der Firma für 200.000 Euro abgegeben hatte. Einen Überblick, wie viele CapsAir bis jetzt verkauft wurden, gibt es – noch – nicht. Aber zumindest in Dümmels Online-Shop MaxxWorld sind einige Nachfüllpacks ausverkauft. Ausländische Distributeure, unter anderem aus den USA und China, haben sich gemeldet. „Der erste Erfolg lässt erahnen, dass unser System ankommt“, sagt Ecks. Das macht ihm Mut für weitere Produkte rund um die Kapsel. „Und wir wollen weitere Duftvarianten anbieten.“



Ein Stück Land
75.000 Benutzer klickten sich nach der Ausstrahlung der letzte Folge der Staffel von „Die Höhle der Löwen“ am vergangenen Dienstag auf die Seite des Start-ups Ein Stück Land. Wenige Tage später sagt Hinrich Carstens, der seinen Direktvertrieb von Gallowayfleisch gemeinsam mit Lina Kypke betreibt: „Unsere Frischfleisch-Pakete sind komplett ausverkauft.“ Für jeweils 175 oder 185 Euro. Einen Deal mit Georg Kofler, der 200.000 Euro für 35 Prozent angeboten hatte, hatten die Quereinsteiger abgelehnt. Sie wollen es aus eigener Kraft schaffen.

„Die Sendung war ein guter Schub“, sagen sie. Um für den erwarteten Ansturm gerüstet zu sein, haben die Gründer ausnahmsweise zehn Tiere auf einmal bei ihrem Schlachter schlachten und zerlegen lassen. Die Salami-Pakete (69 Euro) waren noch in der Nacht ausverkauft. „Jetzt haben wir noch einige kleinere Sortierungen“, sagt Carstensen. Ab Mitte Dezember sind neue Reservierungen möglich. Nächstes Jahr plant Ein Stück Land auch Kooperationen mit Schweinezüchtern.