Handel

Black Friday – 18-Jähriger stirbt nach Streit um Schnäppchen

Black Friday in Hamburg: Diese Werbung weist auf den Rabatt-Tag in einem Einkaufszentrum in der Innenstadt hin.

Black Friday in Hamburg: Diese Werbung weist auf den Rabatt-Tag in einem Einkaufszentrum in der Innenstadt hin.

Foto: Bodo Marks / dpa

Am Black Friday am 23. November locken viele (angebliche) Tiefpreise. Wir erklären, was der Rabatt-Rausch den Kunden wirklich bringt.

Berlin.  Black Friday, Cyber Monday – für Online-Märkte und klassische Einzelhändler ist der November traditionell einer der wichtigsten Monate im Jahr. Jetzt gilt es, sich fürs Weihnachtsgeschäft in Szene zu setzen und möglichst viele Kunden auf ihrer Suche nach Geschenken anzulocken.

Zahlreiche Rabatt-Aktionen sollen die Shopping-Laune befeuern – vor allem in der Woche um den Black Friday am 23. November. Tage, die auch für Händler in Deutschland massiv an Bedeutung gewonnen haben.

18-Jähriger am Black Friday in den USA erschossen

Doch in Hoover im US-Bundesstaat Alabama ist am Freitag der Kampf um Schnäppchen eskaliert. Wie das Nachrichtenportal AL.com unter Berufung auf die Polizei berichtet, sei es in einem Einkaufszentrum zu einem Streit mit tödlichem Ausgang gekommen sein.

Ein 18-jähriger Kunde war demnach mit einem anderen 18-jährigen Kunden aneinander geraten und habe eine Pistole gezogen. Ein Polizist, der in der Nähe war, habe den Angreifer daraufhin erschossen. Der andere 18-Jährige sowie ein zwölfjähriges Mädchen wurden während der Auseinandersetzung verletzt.

Im November und Dezember machen Online-Händler ein Viertel ihres Jahresumsatzes, im stationären Handel ist es knapp ein Fünftel. Wir erklären, wo dieser Rabatt-Rausch herkommt und was er den Kunden bringt:

Black Friday – Woher kommt er?

Der Aktionstag stammt aus den USA. Der Black Friday ist der Tag nach Thanksgiving, dem Erntedankfest der Amerikaner, einem der wichtigsten Feiertage in den Vereinigten Staaten. Er wird immer am letzten Donnerstag im November gefeiert.

Weil der Freitag traditionell als Brückentag genommen wird, und die Familien zusammen kommen, wird der Tag gerne für einen Einkaufsbummel genutzt – und gilt damit als inoffizieller Start des Weihnachtsgeschäfts.

Erstmals wurde der Begriff Black Friday im Zusammenhang mit dem Handel in den 1960er-Jahren genannt. Nach und nach inszenierten immer mehr Händler diesen Tag mit Rabatt- und Sonder-Aktionen. Bis heute ist der Black Friday einer der umsatzstärksten Tage im Jahr in den USA – allerdings vor allem im stationären Handel. Die Online-Händler in den USA erfanden später als Pendant den Cyber Monday.

Auch am Cyber Monday findet man viele Rabatte.

Black Friday – Wie kann man als Kunde Schnäppchen finden?

Nicht alle Sonderangebote, die am Black Friday beworben werden, bringen den Kunden auch wirklich eine Ersparnis. Seit Jahren warnen Verbraucherschützer vor Irreführung beim Anpreisen der Rabatt-Aktionen. Denn viele Preise werden durch den Vergleich mit den unverbindlichen Preisempfehlungen der Hersteller (UVP) hochgelobt. Auch ohne Rabatt-Aktion verlangt kaum ein Händler diese UVP.

Die Verbraucherzentrale NRW hat in den vergangenen Jahren durch Stichproben bemerkt: Im Schnitt gab es an Aktionstagen wie dem Black Friday statt versprochener 50 Prozent oder mehr eigentlich nur 20 Prozent oder weniger Rabatt im Vergleich zum Normalpreis.

Wir geben Tipps, mit denen man trotzdem gute Angeboten erkennen kann:

• Preise vor dem Kauf vergleichen: Dass ein Portal oder ein Händler einen besonders großen Rabatt bewirbt, sollte nie das einzige Kaufargument sein. Vor dem Kauf sollte man Preise vergleichen – bei mehreren Anbietern oder auch, wie Verbraucherschützer raten, mit Hilfe von Preissuchmaschinen und Vergleichsportalen.

• Nicht unter Druck setzen lassen: Einige Anbieter, allen voran Amazon, bieten bestimmte Rabatte nur zeitlich begrenzt an. Das sollte aber nicht zu vorschnellen Kaufentscheidungen führen. Für einen Preisvergleich sollte in jedem Fall Zeit bleiben – und auch für einige Minuten, in denen man noch mal überlegen kann, ob man ein Produkt wirklich kaufen muss.

• Vorsicht vor Fake-Shops und Betrügern: Wo viel Geld unterwegs ist, da tummeln sich auch viele Kriminelle. In den letzten Jahren ist vor allem die Zahl der Fake-Shops stark angewachsen – das sind Internet-Marktplätze, zum Beispiel auf ebay oder Amazon Marketplace, die von Betrügern betrieben werden. Laut Verbraucherzentrale sollen schon rund eine Million solcher Abzockershops online sein – und jeden Tag kommen neue hinzu.

Manche Betreiber dieser Shops wollen sich nur Zahlungen erschleichen, ohne überhaupt Waren zu versenden, andere verschicken minderwertige Ware oder Fälschungen. Aus Sicht der Kunden sind solche Fake-Shops leider immer schwieriger von seriösen zu unterscheiden – gefälschte Adressen aus Deutschland werden angegeben, das Impressum wird gefälscht.

Daher sollte man auf Seiten, die man nicht kennt, besonders vorsichtig sein. Man sollte Firmenanschrift, AGB und Impressum genau überprüfen. Vor allem bei besonders niedrigen Preisen sollte man skeptisch werden. Und niemals sollte man Geschäfte abschließen, bei denen man ausschließlich per Vorkasse oder Direktüberweisung zahlen kann.

Amazon eröffnet Pop-up-Stores in Europa

• Zur Not vom Widerrufsrecht Gebrauch machen: Ist man zu früh schwach geworden und hat etwas gekauft, von dem man später doch nicht mehr überzeugt ist, kann man den Kauf immer noch widerrufen. In der Regel ohne Angaben von Gründen ist das bei einem Online-Einkauf binnen 14 Tagen ab Kaufdatum möglich.

Nichtsdestotrotz sollte man auch hier die Vorgaben des Händlers prüfen. Nicht selten muss der Käufer bei einem Widerruf, sollte die Ware schon versendet worden sein, die Kosten für Rücksendung übernehmen.

Black Friday – Wie sehen die Angebote in Deutschland aus?

Als erstes Unternehmen brachte Apple den Black Friday nach Deutschland: 2006 gab der Tech-Konzern Rabatte im Online-Shop. Seitdem sind viele Händler dem iPhone-Konzern gefolgt.

Anders als in den USA war der Black Friday in Deutschland schon immer vor allem ein Aktionstag der Online-Händler. Nach und nach sprangen aber auch immer mehr stationäre Händler auf den Zug auf. Einige Unternehmen starten für die Rabattschlacht im November sogar eigene Kampagnen:

  • Cyber-Monday-Woche bei Amazon: Vom 19. bis 26. November preist Amazon jeden Tag neue Angebote an. Die Verbraucherzentrale kritisierte viele dieser Angebote als „aufgeblasen“.
  • Red Friday bei Media Markt: Für den 23. November verspricht der Elektronik-Anbieter „Wahnsinns-Angebote“ sowohl online als auch in seinen Märkten.
  • Black Week bei Saturn: Ähnlich wie beim Konkurrenten Media Markt werden ab 23. November die Preise gesenkt, allerdings ziehen sich Rabattaktionen ähnlich wie bei Amazon über die ganze Woche – auch in der analogen Welt.
  • Auch viele andere große Online-Händler wie Zalando, H&M oder ebay bewerben zum Black Friday besondere Angebote.

Black Friday – Was erwarten die deutschen Händler?

Die deutschen Händler haben über die Jahre immer größere Erwartungen an die Rabatt-Tage rund um den Black Friday entwickelt und bereiten sich dementsprechend immer gezielter vor.

„Das sind zusätzliche Kaufimpulse, besonders für die Unterhaltungsbranche und technik-affine Branchen“, sagte Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE). Zunehmend würden stationäre Händler auch im Internet verkaufen und davon „massiv profitieren“.

Kunden hätten 2018 erneut mehr Geld fürs Weihnachtsgeschäft zur Verfügung als im Vorjahr, auch wenn die Steigerung dieses Mal nicht ganz so deutlich ausfallen würde wie 2017 und 2016.

Laut einer HDE-Umfrage wollen die Deutschen im Schnitt 472 Euro für Geschenke ausgeben, knapp 7 Euro mehr als letztes Jahr. Andere Umfragen kommen allerdings auch auf teilweise deutlich geringere Summen.

So oder so – in diesem Jahr soll eine Rekordmarke geknackt werden: Auch dank boomender Online-Erlöse will der deutsche Handel erstmals mehr als 100 Milliarden Euro im Weihnachtsgeschäft umsetzen.

Die Einnahmen dürften im November und Dezember zusammen um 2,0 Prozent zum Vorjahreszeitraum steigen, meint der HDE am Mittwoch mitteilte – auf 100,3 Milliarden Euro.

Verdi will den Black Friday indes für ein Zeichen gegen einen der größten Nutznießer des Black Fridays nutzen: Die Dienstleistungsgewerkschaft hat zum Streik am Amazon-Standort in Bad Hersfeld (Hessen) aufgerufen. Der Ausstand habe mit der Nachtschicht begonnen und solle 24 Stunden dauern, teilte Verdi in der Nacht zum Freitag mit.

Amazon, das kurz zuvor noch eine größere Datenpanne einräumen musste, geht davon aus, dass Kunden nichts vom Streik merken werden. Die „überwiegende Mehrheit“ der Beschäftigten arbeite weiterhin wie geplant, teilte ein Sprecher mit.

Verdi will erreichen, dass die Amazon-Mitarbeiter nach den Tarifbedingungen des Einzel- und Versandhandels bezahlt werden. Amazon lehnt das ab und orientiert sich an der Vergütung in der Logistik-Branche.

(ba/dpa/ac)