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Black Friday – Worauf Schnäppchenjäger achten müssen

Black Friday Sale: So macht man ein echtes Schnäppchen

50 % Rabatt und mehr: So locken Händler am Black Friday. Doch tatsächlich sind die Preise gar nicht so viel günstiger. Fünf Tipps, wie man Fehlkäufe vermeidet.

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Am Black Friday am 29. November locken viele (angebliche) Tiefpreise. Wir erklären, was der Rabatt-Rausch den Kunden wirklich bringt.

Berlin. Der Black Friday 2019 läuft. Ein Tag, an dem man kaum ein Smartphone oder einen Computer anmachen kann, ohne mit Hinweisen auf Rabatte und (angebliche) Tiefpreise beworfen zu werden. Ein Tag, an dem der Handel in Deutschland laut Experten allein einen Umsatz von rund drei Milliarden Euro machen wird. Aber auch ein Tag, an dem man beim Shoppen in die eine oder andere Falle tappen kann.

Für Online-Märkte und klassische Einzelhändler ist der November traditionell einer der wichtigsten Monate des Jahres. Jetzt gilt es, sich fürs Weihnachtsgeschäft in Szene zu setzen und möglichst viele Kunden auf ihrer Suche nach Geschenken anzulocken.

Black Friday und Cyber Monday haben diese Rabattschlacht um Kunden in den vergangenen Jahren immer weiter befeuert. Mittlerweile wird von vielen Anbietern die ganze Woche rund um den Black Friday am 29. November für riesige Kampagnen genutzt - Kampagnen, die auch mal mit Bestpreisen locken, wo eigentlich gar keine sind. Und die Kunden reagieren: Immer mehr Deutsche ziehen ihre Weihnachtseinkäufe vor, auch auf den Black Friday. Ein Beweis: die meistgesuchten Begriffe am Freitagmorgen bei Google – Apple, Cyberport, Xbox, Nintendo, Amazon.

Wir erklären, wo dieser Rabatt-Rausch herkommt und was er Kunden bringen kann, wenn man die Schnäppchenjagd richtig angeht:

Black Friday – Woher kommt die Idee?

Der Aktionstag stammt aus den USA. Der Black Friday ist der Tag nach Thanksgiving, dem Erntedankfest der US-Amerikaner, einem der wichtigsten Feiertage in den Vereinigten Staaten. Er wird immer am letzten Donnerstag im November gefeiert.

Weil der Freitag traditionell als Brückentag genommen wird, und die Familien zusammen kommen, wird der Tag gerne für einen Einkaufsbummel genutzt – und gilt damit als inoffizieller Start des Weihnachtsgeschäfts.

Erstmals wurde der Begriff Black Friday im Zusammenhang mit dem Handel in den 1960er-Jahren genannt. Nach und nach inszenierten immer mehr Händler diesen Tag mit Rabatt- und Sonder-Aktionen. Bis heute ist der Black Friday einer der umsatzstärksten Tage im Jahr in den USA – allerdings vor allem im stationären Handel. Die Online-Händler in den USA erfanden später als Pendant den Cyber Monday, an dem man auch viele Rabatte findet.

Black Friday – Wie kann man als Kunde Schnäppchen finden?

Nicht alle Sonderangebote, die am Black Friday beworben werden, bringen den Kunden auch wirklich eine Ersparnis. Seit Jahren warnen Verbraucherschützer vor Irreführung beim Anpreisen der Rabatt-Aktionen. Denn viele Preise werden durch den Vergleich mit den unverbindlichen Preisempfehlungen der Hersteller (UVP) hochgelobt. Auch ohne Rabatt-Aktion verlangt kaum ein Händler diese UVP.

Die Verbraucherzentrale NRW hat in den vergangenen Jahren durch Stichproben bemerkt: Im Schnitt gab es an Aktionstagen wie dem Black Friday statt versprochener 50 Prozent oder mehr eigentlich nur 20 Prozent oder weniger Rabatt im Vergleich zum Normalpreis.

Auch eine aktuelle Studie des Preisvergleichsportals Idealo zeigt: Trotz aller vollmundigen Ankündigungen ist die Ersparnis häufig eher bescheiden. Die Markenbeobachter hatten im vergangenen Jahr rund um den Black Friday die Preisentwicklung bei mehr als 2500 Produkten beobachtet.

Das Ergebnis: Drei Viertel der Produkte waren am Schnäppchentag zwar günstiger als in den vier Wochen davor. Doch lag die durchschnittliche Preisersparnis in den 50 wichtigsten Produktkategorien lediglich bei 6 Prozent. Nur jedes siebte überprüfte Produkt verdiente mit einer Preisreduzierung um mindestens 20 Prozent wirklich den Namen Schnäppchen.

Wir geben Tipps, mit denen man trotzdem gute Angeboten erkennen kann:

• Preise vor dem Kauf vergleichen: Dass ein Portal oder ein Händler einen besonders großen Rabatt bewirbt, sollte nie das einzige Kaufargument sein. Vor dem Kauf sollte man Preise vergleichen – bei mehreren Anbietern oder auch, wie Verbraucherschützer raten, mit Hilfe von Preissuchmaschinen und Vergleichsportalen. Welche Branchen die besten Rabatte geben, lesen Sie hier.

• Nicht unter Druck setzen lassen: Einige Anbieter, allen voran Amazon, bieten bestimmte Rabatte nur zeitlich begrenzt an. Das sollte aber nicht zu vorschnellen Kaufentscheidungen führen. Für einen Preisvergleich sollte in jedem Fall Zeit bleiben – und auch für einige Minuten, in denen man noch mal überlegen kann, ob man ein Produkt wirklich kaufen muss.

• Vorsicht vor Fake-Shops und Betrügern: Wo viel Geld unterwegs ist, da tummeln sich auch viele Kriminelle. In den vergangenen Jahren ist vor allem die Zahl der Fake-Shops stark angewachsen – das sind Internet-Marktplätze, zum Beispiel auf ebay oder Amazon Marketplace, die von Betrügern betrieben werden. Laut Verbraucherzentrale sollen schon rund eine Million solcher Abzockershops online sein – und jeden Tag kommen neue hinzu.

Manche Betreiber dieser Shops wollen sich nur Zahlungen erschleichen, ohne überhaupt Waren zu versenden, andere verschicken minderwertige Ware oder Fälschungen. Aus Sicht der Kunden sind solche Fake-Shops leider immer schwieriger von seriösen zu unterscheiden – gefälschte Adressen aus Deutschland werden angegeben, das Impressum wird gefälscht.

Daher sollte man auf Seiten, die man nicht kennt, besonders vorsichtig sein. Man sollte Firmenanschrift, AGB und Impressum genau überprüfen. Vor allem bei besonders niedrigen Preisen sollte man skeptisch werden. Und niemals sollte man Geschäfte abschließen, bei denen man ausschließlich per Vorkasse oder Direktüberweisung zahlen kann.

• Wunschliste anlegen: Klingt simpel, kann aber eine echte Hilfe sein. Statt spontan zu kaufen, packt man ein Produkt erst einmal auf eine Wunschliste und verschiebt den Kauf auf später. Manche Onlinehändler bieten das für das eigene Nutzerkonto an. In der Zwischenzeit schenken es einem vielleicht Freunde – entsprechende Kontoeinstellungen vorausgesetzt – oder man stellt fest, dass man das Produkt vielleicht doch nicht so dringend braucht.

• Zur Not vom Widerrufsrecht Gebrauch machen: Ist man zu früh schwach geworden und hat etwas gekauft, von dem man später doch nicht mehr überzeugt ist, kann man den Kauf immer noch widerrufen. In der Regel ohne Angaben von Gründen ist das bei einem Online-Einkauf binnen 14 Tagen ab Kaufdatum möglich.

Nichtsdestotrotz sollte man auch hier die Vorgaben des Händlers prüfen. Nicht selten muss der Käufer bei einem Widerruf, sollte die Ware schon versendet worden sein, die Kosten für die Rücksendung übernehmen.

Black Friday – Wie sehen die Angebote in Deutschland aus?

Als erstes Unternehmen brachte Apple den Black Friday nach Deutschland: 2006 gab der Tech-Konzern Rabatte im Online-Shop. Seitdem sind viele Händler dem iPhone-Konzern gefolgt.

Anders als in den USA war der Black Friday in Deutschland schon immer vor allem ein Aktionstag der Online-Händler. Nach und nach sprangen aber auch immer mehr stationäre Händler auf den Zug auf. Einige Unternehmen starten für die Rabattschlacht im November sogar eigene Kampagnen:

  • Black Friday Woche bei Amazon: Vom 22. bis 29. November preist Amazon jeden Tag neue Angebote an. Die Verbraucherzentrale kritisierte viele dieser Angebote als „aufgeblasen“.
  • Red Friday bei Media Markt: Für den 29. November verspricht der Elektronik-Anbieter „Hammerangeboten“ sowohl online als auch in seinen Märkten.
  • Black Weekend bei Saturn: Ähnlich wie beim Konkurrenten Media Markt werden die Preise gesenkt, allerdings ziehen sich Rabattaktionen bis zum Samstag, 30. November – auch in der analogen Welt.
  • Auch viele andere große Online-Händler wie Zalando, H&M oder ebay bewerben zum Black Friday besondere Angebote.

Black Friday – Was erwarten die deutschen Händler?

Für den Handel sind die Schnäppchentage zu Beginn der Weihnachtssaison ein zweischneidiges Schwert. Denn Verkaufserfolge am Rabatt-Tag bedeuten nicht unbedingt auch ein gutes Weihnachtsgeschäft.

Etliche Händler haben diese Lektion in den vergangenen Jahren schmerzhaft lernen müssen. So war der Black Friday 2017 für die Elektronikketten Media Markt und Saturn zwar der umsatzstärkste Tag in der Unternehmensgeschichte. Doch dieser Erfolg kam die Ketten teuer zu stehen.

Das folgende Weihnachtsgeschäft verlief deutlich schlechter als erhofft, weil offenbar viele Kunden den Rabatttag genutzt hatten, um sich schon mit Weihnachtsgeschenken einzudecken. Unter dem Strich machte der Elektronikhändler im wichtigen Weihnachtsgeschäft am Ende deutlich weniger Gewinn als erwartet.

„Ein wichtiger Teil der Umsätze an Black Friday und Cyber Monday sind nicht etwas Mehrumsätze, sondern gezielte und verschobene Käufe“, sagt denn auch Nina Scharwenka, Handelsexpertin bei der Unternehmensberatung Simon-Kucher. Die Händler müssten deshalb bei den Preissenkungen sehr gezielt agieren, „um die Profitabilität des gesamten Jahres nicht zu gefährden“. Pauschale Rabatte wie „30 Prozent auf alles“ seien ein No-Go.

Im übrigen gibt es erhebliche Unterschiede je nach Branche und Unternehmen. Wir sagen, in welchen Branchen es am Black Friday Schnäppchen gibt.

Black Friday – Wie kommt der Rabatttag beim Kunden an?

Tatsächlich zeigt der Reklame-Rummel Wirkung: Nach einer Umfrage der Unternehmensberatung PwC wollen mehr als zwei Drittel der deutschen Verbraucher (71 Prozent) in diesem Jahr den Black Friday oder den unmittelbar folgenden Cyber Monday zum Shoppen nutzen.

Andere Umfragen kommen auf etwas niedrigere, aber immer noch beeindruckende Teilnahmequoten. Der HDE rechnet an beiden Rabatttagen mit Umsätzen von zusammen rund 3,1 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr wäre das eine Steigerung um 22 Prozent. (ba/dpa/ac/jkali)