Prozessniederlage

Gericht zwingt Online-Portal Yelp zu fairen Bewertungen

Das Online-Portal Yelp wurde 2004 in den USA gegründet. Dort können Internetnutzer unter anderem Restaurants und Geschäfte bewerten.

Das Online-Portal Yelp wurde 2004 in den USA gegründet. Dort können Internetnutzer unter anderem Restaurants und Geschäfte bewerten.

Foto: Justin Lane / dpa

Ex-Weltmeisterin im Bodybuilding gewinnt gegen Online-Portal. Ihre Fitnesstudios erhalten Entschädigung.

Berlin.  Eine Fitnessstudio-Betreiberin hat dem Online-Portal Yelp eine Niederlage vor Gericht beschert. Die Bewertungsseite muss der Münchner Unternehmerin Schadenersatz zahlen und zahlreiche positive Einschätzungen wieder sichtbar machen, die von dem Portal unterdrückt worden waren. „Das ist eine gute Nachricht für das Unternehmertum in ganz Deutschland“, sagte die Klägerin und ehemalige Weltmeisterin im Bodybuilding, Renate Holland, unserer Redaktion. „Viele kleine Firmen leiden darunter, im Netz mit unzutreffenden Bewertungen aufzutauchen.“

Vor vier Jahren war Holland aufgefallen, dass Dutzende positive Bewertungen ihrer Studios plötzlich nicht mehr für die Gesamtwertung auf Yelp zählten. Damit rutschte ihre Einschätzung von 4,5 Sternen auf ein bis zwei Sterne ab. Um ihr Ranking zu verbessern, bot Yelp Holland an, Anzeigen zu schalten, berichtet die Klägerin. Doch sie weigerte sich – und kämpft seitdem vor Gericht um den Ruf ihrer Firma.

Portal muss Fitnessstudio-Betreiberin entschädigen

Auf Yelp haben Nutzer die Möglichkeit, Geschäfte aller Art zu bewerten – von einem Stern („Boah, das geht ja mal gar nicht“) bis zu fünf Sternen („Wow! Besser geht’s nicht“). Welche Bewertungen dem Besucher der Website angezeigt werden und wie hoch die Gesamtbewertung ausfälle, hängt im Wesentlichen davon ab, welche Bewertungen als „empfohlen“ angezeigt werden. Dabei wird unter anderem berücksichtigt, wie viele Bewertungen ein Nutzer bisher abgegeben hat: Wer neu oder wenig aktiv ist, dessen Beiträge landen oft nur unter den „nicht empfohlenen“.

Vor dem Oberlandesgericht München (OLG) erhielt Holland am Dienstag recht (Aktenzeichen 18 U 1280/16). Das Portal soll der Fitnessstudio-Betreiberin knapp 800 Euro plus Zinsen pro Studio bezahlen und ihre Prozesskosten übernehmen. Zudem müssen künftig alle Bewertungen in die Gesamtwertung einfließen und nicht nur diejenigen, die als „empfohlen“ deklariert werden. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, Revision wurde zugelassen.

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Jede dritte Bewertung soll fragwürdig sein

Holland steht mit ihrem Ärger über die Zahl der Sterne im Netz nicht alleine da. Mal sind es die Portale selbst, die nach Ansicht der Betroffenen das Bild durch die Gewichtung der Bewertungen verzerren, mal stecken Manipulationen dahinter. So schätzt der Dienst FakeSpot, der sich auf das Aufspüren unechter Bewertungen spezialisiert hat, dass rund ein Drittel aller Bewertungen auf Online-Portalen gekauft, falsch oder in anderer Weise fragwürdig ist. Betroffen sind viele bekannte Seiten wie Tripadvisor, Amazon oder Apples App Store.

Nach Ansicht von Experten haben Gewerbetreibende jedoch grundsätzlich gute Chancen, etwas gegen falsche Bewertungen zu erreichen. „Die Gerichte achten hier vor allem darauf, ob die Bewertungen auf Tatsachen basieren“, sagt Mathias Zimmer-Goertz, Rechtsanwalt bei der Kanzlei Beiten Burkhardt in Düsseldorf. Die Einschätzungen seien zwar auf der einen Seite als Meinungsäußerungen durch die Gesetze geschützt – doch sie müssen andererseits auf realen Erfahrungen mit dem Produkt beruhen.

Schreiben an Betreiber reicht oft

Wenn ein Hotelier beispielsweise nachweisen kann, dass der angebliche Kunde nie bei ihm übernachtet hat, dann kann er auf einer Löschung bestehen. Ein Arzt, der auf dem Medizin-Portal Jameda viele negative Einschätzungen erhalten hatte, bekam ebenfalls recht: Er konnte glaubhaft belegen, dass die Verfasser nie in seiner Praxis waren.

Die Betroffenen müssen jedoch oft gar nicht vor Gericht ziehen, um etwas zu erreichen, so Zimmer-Goertz. Oft reicht ein Schreiben an die Betreiber, das sie zur Löschung unzutreffender Bewertungen auffordert. Für die Internetfirmen ist es in der Regel einfacher, die umstrittene Beurteilung zu entfernen, statt ihrer Wahrhaftigkeit nachzuspüren. Erfolgt keine Reaktion, dann gebe es die Möglichkeit, vor Gericht zu ziehen.

Netz bald von fragwürdigen Bewertungen überschwemmt?

Immer öfter erhalten hier die Gewerbetreibenden recht. So hat das Landgericht Lübeck Google Maps gezwungen, eine Bewertung mit nur einem Stern für einen Kieferorthopäden aus der Gesamtwertung zu entfernen. Dennoch wird das Netz auf absehbare Zeit von fragwürdigen Bewertungen überschwemmt sein. „Die Justiz ist hier letztlich der einzige Weg, der Geschäftsleuten offensteht, um sich zur Wehr zu setzen“, sagt Wettbewerbsrechtsspezialist Zimmer-Goertz.