IW-Studie

Gutes Geld, kaum Zeit – darunter leidet die Generation Golf

Sie haben Beruf, Geld und Familie, aber Freizeit ist in der Generation X Mangelware (Symbolfoto).

Sie haben Beruf, Geld und Familie, aber Freizeit ist in der Generation X Mangelware (Symbolfoto).

Foto: Zinkevych / Getty Images/iStockphoto

Die 38- bis 53-Jährigen in Deutschland arbeiten und verdienen mehr als andere. Laut einer Studie sind sie aber auch unzufriedener.

Berlin.  Eigentlich läuft vieles gut. Sie stehen in der Mitte ihres Lebens. Sind zwischen 38 und 53 Jahren alt und stellen damit gut ein Fünftel der Bevölkerung. Die Jahrgänge zwischen 1965 und 1980 erwirtschaften zudem ein Drittel der deutschen Wirtschaftskraft. Ihr ökonomischer und gesellschaftlicher Einfluss ist entsprechend groß.

Und dennoch ist die sogenannte Generation X – bekannt auch unter dem Namen Generation Golf oder Schlüsselkind – unzufriedener als andere Altersstufen. Dies hat eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) für die Minijob-Zentrale ergeben, die unserer Redaktion vorliegt. Die Untersuchung basiert auf dem Sozio-oekonomischen Panel, für das regelmäßig 20.000 Menschen befragt werden.

Freizeit bleibt nicht viel

Eine der Hauptursachen der Unzufriedenheit ist die hohe Arbeitsbelastung bei geringem Freizeitausgleich. Etwa 90 Prozent der Generation X sind laut Studie erwerbstätig. Im Schnitt arbeiten sie 7,1 Stunden täglich für ihren Beruf.

Hinzu kommen etwa 4,4 Stunden, die sie unbezahlt für haushaltsnahe Tätigkeiten wie dem Putzen, Einkaufen oder Kochen aufwenden. Zum Vergleich: Die übrige Bevölkerung ist nur 4 Stunden pro Tag erwerbstätig und weitere 3,4 Stunden für private Angelegenheiten unterwegs.

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Und dann noch die Kinder

Hinzu kommt, dass viele Vertreter der Generation kleine oder schulpflichtige Kinder haben, mit denen sie weitere 1,9 Stunden am Tag verbringen, während andere Generationen nur rund 1,2 Stunden für den Nachwuchs aufwenden. In ihren Haushalten leben mit 1,9 Kindern zugleich mehr als doppelt so viele Kinder als in den Haushalten der älteren und jüngeren Generationen, wo es statistisch nur 0,5 Kinder sind.

Bei 11,5 Stunden täglich für Arbeit und Haushalt bleibt bei diesem Programm für Freizeit nicht viel Zeit übrig. Konkret sind es bei der Generation X nur 1,4 Stunden, während die restliche Bevölkerung im Schnitt 2,1 Stunden dafür zur Verfügung hat. Viele fühlen sich deshalb zudem öfter gehetzt.

Goldene Jugend

Entsprechend erreicht die allgemeine Zufriedenheit der Generation X beim Thema Freizeit – auf einer Skala von 1 bis 10 – nur 6,7 Punkte, während die übrigen Generationen im Schnitt laut Studie auf 7,4 Punkte kommen. Am glücklichsten sind in Deutschland junge Menschen bis 20 Jahre – mit einem Zufriedenheitswert von 7,5.

Auch bei Älteren ab 65 Jahren wächst wieder die Zufriedenheit und steigt über ein Niveau von sieben auf der Skala, berichtet Dominik Enste, Leiter der Wirtschaftsethik am IW und Studienautor. Ein weiterer „Tiefpunkt“ der Lebenszufriedenheit stelle sich zudem im Alter zwischen 55 und 60 Jahren (6,8 auf der Skala) ein.

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Lasst euch doch helfen!

„Für die Generation X ist die Vereinbarkeit von Familie und Arbeit eine besondere Herausforderung“, erläutert Enste. „Sie trägt dazu bei, dass der Stress in dieser Altersgruppe am größten ist.“

Umso erstaunlicher sei es, dass nur sieben Prozent der Generation X regelmäßig oder gelegentlich Hilfen im Haushalt – wie Putzkräfte oder Gärtner – beschäftigen. In anderen Generationen nutzen dies durchschnittlich 8,1 Prozent.

Immerhin: Das Geld stimmt

Finanzielle Gründe dürften dabei keine Hürde sein. Denn die 38- bis 53-Jährigen verfügen im Schnitt mit einem Haushaltseinkommen von netto 3426 Euro über rund 700 Euro mehr als der Durchschnitt (2709 Euro).

Dabei sieht die IW-Studie sogar einen positiven Zusammenhang: Wenn Vertreter der Generation X eine Haushaltshilfe engagieren, so steigt ihre Gesamtzufriedenheit gleich um zwei Prozentpunkte an, stellen die Forscher fest. Zum Vergleich: Nur wer sich über eine gute Gesundheit oder ein Leben in einer Partnerschaft erfreut, dessen Zufriedenheit lässt sich damit noch stärker steigern.

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Entlastung im Alltag besser als Urlaub

„Viele unterschätzen die positiven Effekte einer Haushaltshilfe“, urteilt der IW-Professor Enste. Manche meinten, man müsse Aufgaben im Haushalt alleine bewältigen können. Dabei zeige die empirische Studie, so der Wirtschaftspsychologe, „dass die Lebenszufriedenheit womöglich mehr steigt, wenn es das ganze Jahr eine Entlastung im Alltag gibt als nur zwei oder drei Wochen pro Jahr im Urlaub“.