Hamburger Hafen

Irritationen um Konzept für den ehemaligen Freihafen

HPA-Chef Jens Meier

HPA-Chef Jens Meier

Foto: dpa Picture-Alliance / Bodo Marks / picture alliance / dpa

Die Hamburg Port Authority hat große Pläne für Steinwerder-Süd. Firmen fürchten um die Infrastruktur, Behörde widerspricht.

Hamburg.  Der Hamburger Hafen soll wachsen, mitten im Herzen im Gebiet des ehemaligen Mittleren Freihafens. Steinwerder-Süd heißt das 33 Hektar große Gelände, dessen Planung der Aufsichtsrat der Hamburg Port Authority (HPA) am kommenden Donnerstag beschließen soll. Demnach wird der Oderhafen – ein großes Wasserbecken zwischen zwei Kaizungen: dem ehemaligen Hansa-Terminal und dem Roßterminal – zugeschüttet. Die Kaispitzen werden abgeschnitten und das gesamte Areal aus Hochwasserschutzgründen von 5,5 Metern über Normalnull auf acht Meter angehoben. Mit diesem Konzept hat die Hafenverwaltung HPA vor zwei Wochen auf der Immobilienmesse Expo Real in München für die neue Hafenfläche geworben.

Doch schon bevor das Kontrollgremium der Hafenbehörde sich damit befasst, gibt es Irritationen über die Präsentation des Hafenentwicklungskonzepts, mit dem Deutschlands größter Seehafen für sich wirbt. So eindrucksvoll nämlich die Hafenplaner ihr wichtigstes Erweiterungsprojekt vorstellen, fehlt doch ein Baustück, das für einen funktionierenden Hafen unabdingbar ist: eine Kaimauer, zum An- und Ablegen der Schiffe. Stattdessen soll die Fläche zur Wasserseite mit einer Uferböschung abschließen, wie das bei der Expo Real vorgestellte Konzept vorsieht.

Zweistufiges Verfahren

„Ein Hafen ohne Kaimauer? Das ist doch wohl ein Schildbürgerstreich“, heißt es aus der Hafenwirtschaft. In einer Fachzeitschrift wird gemutmaßt, Geld fehle. So habe eine Analyse ergeben, dass aus der Vermarktung der Fläche etwa 120 Millionen Euro erzielt werden könnten, heißt es bei „Stadt, Land, Hafen“. Die Mittel reichten um den Oderhafen zuzuschütten, nicht aber für den zusätzlichen Bau von Kaimauern.

Das sei falsch, hält eine Sprecherin der Wirtschaftsbehörde dagegen. „Selbstverständlich wird dieses Areal am seeschifftiefen Wasser auch mit Liegeplätzen und Kaimauern für Seeschiffe geplant.“ Es handele sich aber um ein zweistufiges Verfahren. In dem ersten gehe es nur um die Herrichtung der Flächen, in einer zweiten Stufe um die Herstellung der nutzerspezifischen Infrastruktur. Bei der Expo Real sei aber nur der erste Teil vorgestellt worden. „Damit wird eine sehr frühzeitige Festlegung auf die konkrete Nutzung und die damit bestehenden Risiken vermieden“, sagt die Behördensprecherin.

FDP: Einfluss auf Hafen verringert sich

Die Politik vermutet anderes: „Es ist unverständlich, warum die aktuellen Senatsplanungen derzeit nur eine Böschung statt einer Kaimauer vorsehen“, sagt der Fraktionsvorsitzende der FDP in der Bürgerschaft, Michael Kruse. Das mehrstufige Verfahren erweckt den Eindruck, dass die Herstellung der Kaimauer klammheimlich dem neuen Nutzer übertragen werden soll.“ Ähnlich argumentiert der Hafenexperte der Linken, Norbert Hackbusch. „Ohne Diskussion wird der Grundsatz des Landlord-Prinzips aufgehoben, mit dem Hamburg seinen Hafen bisher strukturiert hat. Stattdessen wird die Errichtung der Kaimauern an einen privaten Investor gegeben. Damit verringert sich der städtische Einfluss auf den Hafen beträchtlich.“

Und auch international geht man davon aus, dass die künftigen Nutzer die Kajen errichten sollen. So heißt es im führenden Fachorgan der Schifffahrtswelt, „Alphaliner“: Der Hamburger Hafen sei offenbar zu einer neuen Strategie übergegangen, „Build your own Berth“. Auf Deutsch: „Bau dir deine eigene Kaikante.“