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Nach „Höhle der Löwen“: Rosige Geschäfte für Flowerbox

"Höhle der Löwen": Das sagt Carsten Maschmeyer über seinen berührendsten Moment

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Nina Wegert und Kirishan Selvarajah aus Berlin verschicken Rosen in Hutschachteln. Rückenwind gab die TV-Show „Die Höhle der Löwen“.

Berlin.  Viele Mitarbeiter des Berliner Start-ups Grace Flowerbox versammelten sich am Dienstagabend vergangene Woche gemeinsam vor dem Fernseher. Ein Jahr nach der Teilnahme an der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ war das Unternehmen erneut Thema in der Vox-Sendung. Die Zuschauer sollten erfahren, wie es um den Blumenversender steht.

Die Antwort: rosig. Die Geschäfte laufen noch immer gut, erzählen die Gründer Nina Wegert (26) und Kirishan Selvarajah (27) in dem gut dreiminütigen Beitrag. Grace verschickt Rosen in Hutschachteln. Die Blumen sind konserviert, sollen so mindestens drei Jahre in voller Farbe erstrahlen.

„Die Höhle der Löwen“: Mehrere Investoren wollten den Deal

Gleich mehrere Investoren aus der Fernsehsendung wollten vor einem Jahr bei Grace investieren: Frank Thelen und Judith Williams hatten ein gemeinsames Angebot abgegeben – und auch Dagmar Wöhrl. Wegert und Selvarajah entschieden sich für die frühere Politikerin Wöhrl, die mit ihrer Familie an zahlreichen Unternehmen beteiligt ist. „Ihr Netzwerk hat uns geholfen“, sagt Kirishan Selvarajah, der bei Grace für das Marketing zuständig ist.

Dank Wöhrl, die mit 150.000 Euro bei Grace einstieg, konnten die Berliner auch in zahlreichen Einzelhandelsgeschäften Fuß fassen. In Hamburg und München sind die Rosenkreationen jetzt in zwei Premiumkaufhäusern zu finden. In Paris bietet das Edelwarenhaus „Le Bon Marché“ die Produkte an. Grace nutzt das stationäre Geschäft vor allem für die Öffentlichkeitsarbeit. Viele Kunden kommen in die Läden, um zu schauen, und bestellen danach im Internet, so Selvarajah.

Hauptfokus ist das Geschäft im Internet

Der Hauptfokus der Grace-Gründer liegt ohnehin weiter auf dem Geschäft im Internet. In diesem Jahr peilt das Schöneberger Start-up einen niedrigen zweistelligen Millionenumsatz an.

Dabei sollen auch neue Produkte helfen. Pünktlich zur TV-Ausstrahlung präsentierte die Firma eine Schreibtischutensilienkollektion: Tacker, Stifthalter und Notizblock in Rosenoptik sollen den Nerv der Kunden treffen, hofft Nina Wegert, die als Geschäftsführerin auch für die Produktentwicklung verantwortlich ist.

Für neue Produkte holten sich die Gründer Hilfe

Zusätzlich ist Grace kürzlich in das Geschäft mit Raumdüften eingestiegen. Für die Parfümsprays, die natürlich nach Rosen riechen, hat sich das Start-up namhafte Unterstützung geholt: Der Konzern International Flavors & Fragrances (IFF), drittgrößter Parfüm- und Aromastoffhersteller der Welt, hat bereits für zahlreiche internationale Marken den richtigen Riecher bewiesen.

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Grace gewinnt den Grundstoff für das Duftspray aus den Blumen, die ohnehin für viele Produkte des Start-ups verwendet werden. Innerhalb der vergangenen drei Jahre hat sich das Unternehmen zu einem der größten Rosen­abnehmer Europas entwickelt. Vor allem aus den Niederlanden und aus Ecuador wird es beliefert. Zehntausende Blumen landen jede Woche in dem Logistikzentrum in Tempelhof.

Rosen sollen bis drei Jahre lang From und Farbe halten

Die Rosen kommen bereits konserviert in Berlin an, sind mit einer Zucker- und Alkohollösung länger haltbar gemacht worden. Nach Unternehmensangaben sollen die Rosen so bis zu drei Jahre lange Form und Farbe behalten. In dem Versandzentrum von Grace übernehmen Floristen dann nur noch das Drapieren der Blumen. Die Hutschachtelgrößen variieren – und auch die Preise. Die Kreationen kosten zwischen 19 und 349 Euro.

Nina Wegert und Kirishan Selvarajah ist es auch dank der Sendezeit bei „Die Höhle der Löwen“ gelungen, aus Grace eine Marke zu machen. Im sozialen Netzwerk Instagram etwa haben die Berliner mehr als 130.000 Abonnenten, viele davon bestellen immer wieder. Mittlerweile hat Grace in ganz Europa Kunden. Deswegen wirtschaftet das Unternehmen im dritten Jahr nach der Gründung bereits profitabel.

Branche wächst seit Jahren stetig

Der Erfolg der Berliner hat die Floristenbranche allerdings überrascht. Das Konservieren von Rosen ist gewissermaßen ein alter Branchentrick. Grace ist es nur gelungen, die Pflanzen anders und ansprechender zu verpacken und für eine stabile Kundschaft zu sorgen.

Die Blumenversandbranche im Internet wächst seit Jahren. Anbieter wie Fleurop, Blumenfee.de oder Bloomydays machen allerdings den stationären Geschäften das Leben schwer. Viele Floristen, die mittlerweile bei Grace arbeiten, hatten früher einen eigenen Laden, erzählt Nina Wegert. Angesichts der wachsenden Onlinekonkurrenz gaben sie aber auf.

Rund 250.000 Euro ins Unternehmen gesteckt

Nina Wegert und Kirishan Selvarajah hatten Grace 2015 gegründet. Wegert, studierte Modedesignerin, und Managementexperte Selvarajah waren seit Jahren befreundet. Als beide zu einem Geburtstag eingeladen waren, besorgte Selvarajah einen Strauß Rosen. Zusammen fanden sie im Zimmer von Nina Wegert eine passende Hutschachtel.

Das war der Startschuss für die Erfolgsgeschichte. Bis heute haben die Gründer rund 250.000 Euro in ihr Unternehmen gesteckt. Auch nach dem Einstieg der TV-Löwin halten Wegert und Selvarajah weiter die Mehrheit an der Firma.

Rekord bei der Ausstrahlung auf Vox

Die Gründer werden die Sendung „Die Höhle der Löwen“ übrigens weiter aufmerksam verfolgen. Denn bei der Präsentation ihrer Idee vor einem Jahr brachen Weigert und Selvarajah einen internen Rekord der Show. Rund eine viertel Million Besucher waren während der Ausstrahlung zeitgleich auf der Grace-Internetseite. Das hat vor und nach den Berlinern noch keiner der TV-Gründer geschafft.