Tchibo ist Vorreiter

Kaffeepreise sinken um bis zu 14 Prozent

Tchibo-Chef Thomas Linemayr genießt eine Tasse Kaffee. Ab Montag senken die Hamburger wieder die Preise

Tchibo-Chef Thomas Linemayr genießt eine Tasse Kaffee. Ab Montag senken die Hamburger wieder die Preise

Foto: Klaus Bodig / HA

Seit Jahresanfang wird das Lieblingsgetränk der Deutschen immer billiger. Der Verein Transfair warnt vor den Folgen.

Hamburg.  Bereits Anfang Februar hatte der Kaffeeröster Tchibo seine Preise deutlich gesenkt, nun legen die Hamburger zur Freude der Kunden noch mal nach. Um bis zu 40 Cent weniger müssen Tchibo-Kunden ab 1. Oktober für ein Pfund Kaffee bezahlen. Damit kostet die beliebte Sorte Feine Milde von Montag an 5,29 Euro, der Herzhafte ist für 4,49 Euro zu haben, und der Preis für die Sorte For Black’n White steht für 4,69 Euro im Regal.

Seit Jahresbeginn sind die Preise damit bei Tchibo um bis zu 80 Cent oder mehr als 14 Prozent zurückgegangen. Als Hauptgrund geben die Hamburger die deutlich gesunkenen Einkaufspreise für den hierzulande besonders beliebten Arabica-Kaffee aus Brasilien an. „Davon sollen auch unsere Kunden profitieren“, sagte Tchibo-Sprecher Arnd Liedtke dem Abendblatt.

Eigene Filialen

Tchibo ist der Einzige der großen Kaffeeröster in Deutschland, der seine Produkte über eigene Filialen unmittelbar an Privatkunden abgibt und deshalb auch die Endpreise konkret festlegen kann. Andere Kaffeeröster wie Melitta, Dallmayr oder Darboven liefern ihre Produkte an den Lebensmittel-Einzelhandel, der seinerseits die Endpreise festsetzt. Taktgeber ist hier Aldi. Der Discounter betreibt eigene Röstereien.

So gab es am Freitag bei dem Discounter ein Pfund der Eigenmarke Markus bereits ab 3,29 Euro. Ebenso wie Tchibo hatte der Discounter auch schon im Februar die Preise reduziert – und zwar über alle Sorten hinweg um jeweils 20 Cent pro Pfund. Der Preis für Bio-Fairtrade-Kaffee der Marke Markus lag am Freitag bei 5,29 Euro. Ob Aldi am kommenden Montag wie Konkurrent Tchibo erneut die Preise senken wird, dazu wollte sich der Discounter auf Abendblatt-Anfrage nicht konkret äußern. „Sobald sich die Situation erneut entspannt und wir wieder günstiger einkaufen können, geben wir die Ersparnis entsprechend wieder an unsere Kundinnen und Kunden weiter“, hieß es lediglich sehr allgemein. Ohnehin ist die Branche wenig gesprächsbereit, wenn es um das Thema Kaffeepreise geht.

Transparenter Markt

Hintergrund ist die Tatsache, dass das Bundeskartellamt seit Längerem sehr genau auf die Preisentwicklungen beim Kaffee in Deutschland schaut. „Wenn ich Ihnen etwas erzähle, bekomme ich sofort einen Anruf aus Bonn vom Kartellamt“, sagte der Sprecher eines Kaffeerösters am Freitag dem Abendblatt. Erst vor wenigen Monaten hatte das Bundeskartellamt Absprachen zwischen einem Röster und insgesamt fünf Handelsunternehmen aufgedeckt. Sie sollen sich über einen Mindestverkaufspreis vor allem für Filterkaffee verständigt haben. Das Bundeskartellamt verhängte gegen die beteiligten Unternehmen Geldbußen von zusammen rund 50 Millionen Euro.

Derzeit führen aber nicht der äußerst transparente Markt und die Furcht vor dem Kartellamt für fallende Preise, sondern vor allem die günstigen Einkaufskonditionen auf den weltweiten Märkten sind dafür verantwortlich. So kostete ein Pfund (454 Gramm) Rohkaffee an den Börsen im September zeitweise weniger als einen US-Dollar. Damit liegen die aktuellen Kaffeepreise auf einem Fünf-Jahres-Tief, wie die Internationale Kaffeorganisation (IOC) jüngst berichtete.

Kaffee ist ein Schlüsselprodukt

Das Problem dabei: Sie unterschreiten vielerorts sogar die Produktionskosten, wie der Verein TransFair anlässlich des internationalen Tages des Kaffees am 1. Oktober mitteilte. Die niedrigen Preise stellten für Millionen Kaffeebauernfamilien weltweit eine existenzielle Bedrohung dar. „Kaffee ist billiger als je zuvor, die Landwirte und die Umwelt zahlen den Preis“, sagte Dieter Overath von TransFair. „Den Kaffeebauern muss ein gewisses Einkommen garantiert werden, damit sie ihr Geschäft weiterführen können.“

Kaffee ist gerade für Supermärkte und Discounter ein Schlüsselprodukt. Schließlich ist der Wachmacher weiterhin das beliebteste Getränk der Deutschen und gilt als Lockmittel im Einzelhandel. Das heißt: Kunden kommen besonders gerne in Läden, die günstigen Kaffee verkaufen – und greifen dann gleichzeitig noch zu einer Reihe anderer Waren. Folglich steht Kaffee zumeist für äußerst lohnende Geschäfte.

Übrigens werden bei Tchibo nicht alle Kaffesorten billiger, ausgenommen sind Premiumprodukte wie Privat Kaffee oder Barista Espresso. Denn sie werden aus hochwertigen Kaffeebohnen aus Ostafrika und Zentralamerika zusammengestellt – und deren Einkauf ist laut Tchibo nicht preiswerter geworden.