Studie

Klimaziele werden trotz globaler Energiewende verfehlt

Heizt das Klima weiter auf: Braunkohlekraftwerke wie dieses in Niederaußem.

Heizt das Klima weiter auf: Braunkohlekraftwerke wie dieses in Niederaußem.

Foto: Christophe Gateau / dpa

Maximal zwei Grad Erwärmung, darauf hatten sich die Staaten auf dem Klimagipfel geeinigt. Eine Studie bezweifelt, das dies gelingt.

Oslo/Hamburg.  Dass die Klimaerwärmung nicht über die Marke von zwei Grad steigt, beziehungsweise sogar bei 1,5 Grad bleibt, war eines der wichtigsten Ergebnisse der UN-Klimakonferenz in Paris 2015 . Klimaforscher hatten damals alle teilnehmenden Staaten aufgerufen, das Thema in ihren Ländern zu priorisieren. Doch eine Studie des norwegischen Technik-Konzerns DNV GL hat wie andere zuvor ergeben, dass diese Ziele bei den jetzigen Anstrengungen nicht erreichbar sind. Immerhin gehen die Norweger von einem abnehmenden Energieverbrauch in der Zukunft aus.

Bis zum Ende dieses Jahrhunderts würden rund 770 Gigatonnen CO2 mehr in die Atomsphäre abgegeben, als zulässig wären, um den globalen Temperaturanstieg gemäß Abkommen zu begrenzen. Die Autoren der Studie erwarten einen Anstieg um 2,6 Grad bis zum Jahr 2100.

Energieverbrauch soll ab 2035 nicht mehr steigen

Nach den Analysen des Konzerns wird der Energieverbrauch 2035 seinen Höhepunkt erreichen und dann nicht weiter zunehmen. Ursache dafür sind der steigende Anteil elektrischer Energie sowie die digitale Steuerung von Energieproduktion und -verteilung. Damit werde die Energieproduktion erheblich effizienter. Die globale Energiewende werde einhergehen mit einem massiven Ausbau der Stromnetze. Laut DNV GL werden weltweit bis 2050 Investitionsmittel von rund 30 Billionen Dollar (25,45 Billionen Euro) in die Energie-Infrastruktur fließen.

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„Der Zug zu den erneuerbaren Energien rollt und ist nicht mehr zu stoppen“, sagte Andreas Schröter, Geschäftsführer der deutschen Energiesparte von DNV GL mit Sitz in Hamburg. Schon 2027 werde jedes zweite in Europa neu zugelassene Auto ein Elektromobil sein.

Sonne, Wind und Kernenergie auf dem Vormarsch

Bis zum Jahr 2050 werde die Hälfte der Energie weltweit aus erneuerbaren Quellen wie Sonne und Wind sowie Kernenergie stammen, heißt es in der Studie. Die andere Hälfte wird nach wie vor von den fossilen Energieträgern Gas, Öl und Kohle kommen. Heute sind es mehr als 80 Prozent. Sie haben ihren Zenit entweder schon überschritten wie die Kohle oder werden in der Zukunft auf einen Schrumpfkurs einschwenken, das Öl bereits 2023 und Gas im Jahr 2036.

Strom werde in der Zukunft reichlich und günstig zur Verfügung stehen, meinte Schröter. „Die Erzeugungskosten werden deutlich sinken“, sagte der Energieexperte. „Wir werden Innovationen sehen, die sich heute noch niemand vorstellen kann.“ Strom zum Aufladen von Elektroautos werde teilweise kostenfrei zur Verfügung stehen.

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Hamburger Klimawoche

Und dennoch: Mit ihrer Skepsis bezüglich der Wirkung solcher Innovationen auf die Klimaentwicklung reiht sich die Studie ein in andere Gutachten. Auch andere langfristige Energiestudien von großen Unternehmen, multinationalen Organisationen und Verbänden gehen in eine ähnliche Richtung. Erst vor einigen Tagen hatte der Chef der Weltwetterorganisation (WMO), Petteri Taalas, mitgeteilt, dass die Klimaziele des Pariser Abkommens nicht erreicht würden. Innerhalb der EU gibt es deshalb Bestrebungen, bis 2030 noch mehr CO2 einzusparen als bislang geplant.

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Die Studie wurde anlässlich der 10. Hamburger Klimawoche vorgestellt, die an diesem Montag beginnt. im Verlauf der Woche wollen rund 200 Experten zeigen, wie die Zukunft nachhaltiger gestaltet und das Überleben der Menschen auf dem Planeten gewährleistet werden kann. (dpa/aba)