Luxushotel in Hamburg

Was Klaus-Michael Kühne am eigenen Hotel nicht schmeckt

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Ulrich Gaßdorf
The Fontenay-Eigentümer Klaus-Michael Kühne und sein geschäftsführender Direktor Thies Sponholz beim Fototermin auf der Dachterrasse mit Blick über die Alster und die Stadt

The Fontenay-Eigentümer Klaus-Michael Kühne und sein geschäftsführender Direktor Thies Sponholz beim Fototermin auf der Dachterrasse mit Blick über die Alster und die Stadt

Foto: Marcelo Hernandez / HA

The Fontenay: Kühne fordert im Exklusiv-Interview mehr Auslastung, besseren Kuchen – und äußert sich zu Hamburg und zum HSV.

Hamburg.  Suite 405 im The Fontenay. Eigentümer Klaus-Michael Kühne und sein geschäftsführender Direktor Thies Sponholz haben am langen Marmortisch Platz genommen und ziehen im Exklusiv-Interview mit dem Abendblatt eine erste Bilanz. Vor einem halben Jahr wurde das Luxushotel an der Außenalster eröffnet. Eigentlich sollte das The Fontenay bereits ab Sommer 2016 den Hamburger Markt bereichern, doch es wurde schließlich März 2018.

Wie ist das Gefühl, in seiner Heimatstadt im eigenen Hotel zu wohnen?

Klaus-Michael Kühne : Das macht mich natürlich stolz, denn wir haben hier in einer einzigartigen Lage ein Juwel geschaffen. Bis es so weit war, haben wir während der Bauphase eine lange Leidenszeit mit vielen Enttäuschungen durchlebt. Aber jetzt freue ich mich, regelmäßig gemeinsam mit meiner Frau im The Fontenay zu Gast zu sein.

Wohnen Sie immer in einer Suite?

Kühne: Nein, wir haben schon viele Zimmerkategorien kennengelernt. Aus wirtschaftlicher Sicht würde ich es bevorzugen, dass alle Suiten belegt sind und wir deshalb auf ein normales Doppelzimmer ausweichen müssen.

Wie ist denn die Auslastung des The Fontenay?

Sponholz: Wir sind nach den ersten sechs Monaten auflaufend bei rund 50 Prozent Auslastung. Da ist natürlich noch Luft nach oben, wobei man berücksichtigen muss, dass ein neu eröffnetes Hotel die Belegung von Monat zu Monat steigert. Ein Erfolg ist, dass wir mit mehr als 350 Euro netto definitiv die höchste Durchschnittsrate in Hamburg erzielen.

Kühne: Wir brauchen mehr Auslastung. Ich denke im ersten Jahr sollten wir noch die 60 Prozent erreichen und als Ziel 70 Prozent haben. Ich sehe in Hamburg ein Problem, es gibt zu wenig internationales Klientel, das bereit, ist entsprechende Preise zu bezahlen. Da reicht es eben nicht, ein luxuriöses Hotel vorzufinden. Die Hansestadt sollte noch bekannter werden und mehr für sich werben, um diese Gäste für Hamburg zu begeistern.

Muss das The Fontenay Geld verdienen?

Kühne: Das Hotel hat deutlich mehr gekostet als ursprünglich geplant. Natürlich soll sich der Betrieb wirtschaftlich tragen, und wir wollen Geld verdienen. Aber ich sehe dieses Haus auch ein wenig als ein Geschenk an meine Heimatstadt.

Ist das The Fontenay denn nun das beste Hotel in Deutschland? Dieses Ziel hatten Sie sich ja gesetzt.

Kühne: Ich kenne den Hamburger Markt sehr gut. Deshalb würde ich sagen, wir nehmen mit unserem Produkt auf jeden Fall die Spitzenposition ein. Wenn wir uns das gesamte Land anschauen, gibt es sicherlich noch einige Häuser, die sich auf unserem Niveau bewegen.

Sponholz: Wir spielen auf dem Hotelmarkt in der Champions League mit.

Sehen Sie also die anderen Hamburger Spitzenhotels wie das Atlantic Kempinski oder das Vier Jahreszeiten nicht als Konkurrenz?

Kühne: Nur bedingt. Ich denke, wir haben schon aufgrund der Lage und dem modern eleganten Interieur ein Alleinstellungsmerkmal.

Herr Kühne, Sie haben bereits das Fünf-Sterne-Haus Castell Son Claret auf Mallorca und jetzt noch das The Fontenay. Wird es weitere Hotelprojekte geben?

Kühne: Nein. Ich habe meine Kühne-Stiftung und bin Mehrheitsaktionär des Logistikunternehmens Kühne + Nagel. Die Hotels sind sozusagen eine schöne Ergänzung meiner geschäftlichen Aktivitäten. Aber diese beiden besonderen Häuser reichen mir.

Wenn Sie einmal im Monat im The Fontenay sind, machen Sie dann Verbesserungsvorschläge?

Kühne: Meine Frau und ich sind sehr aufmerksame Gäste. Und wenn uns etwas auffällt, dann geben wir das natürlich weiter. Vor Kurzem haben wir mit Herrn Sponholz über den Kuchen gesprochen. Dieser trifft noch nicht ganz unseren Geschmack, da werden wir eine Lösung finden. Auch die Idee, abends die Bäume im Park vor dem Hotel anzustrahlen, ist eine interessante Option.

Sponholz: Auf jeden Fall ist das Hotel eine Herzensangelegenheit für das Ehepaar Kühne. Es macht Spaß zu erleben, wie sehr sie sich einbringen und das The Fontenay nicht nur als eine Geldanlage ansehen.

Das Gourmetrestaurant Lakeside hat bereits mittags nicht mehr geöffnet. Hat es nicht funktioniert?

Kühne: Wir haben es versucht, aber zum Mittagessen haben die Gäste einfach nicht so viel Zeit, um ein mehrgängiges Menü zu essen. Deshalb konzen­triert sich unser Spitzenkoch Cornelius Speinle nun auf abends.

Sponholz: Wir sind sehr zufrieden, denn wir haben abends eine wirklich gute Auslastung.

Im Februar werden wieder die Michelin-Sterne verliehen. Ist das Lakeside dann dabei?

Kühne: Das liegt in den Händen der Tester. Ich würde es mir wünschen, dass die hervorragende Küchenleistung von Cornelius Speinle und seinem Team mit einem Michelin-Stern gewürdigt wird. Es ist ja bekannt, dass ich nicht jeden Tag ein Gourmetmenü bevorzuge, aber über den ein oder anderen Stern würde ich mich dann schon freuen.

Herr Kühne, wie ist momentan ihr Verhältnis zum HSV, bei dem Sie 20,57 Prozent der Anteile halten und sich auch immer mal wieder kritisch über die Leistung der Mannschaft geäußert haben?

Kühne: Es ist ungewohnt, dass der HSV jetzt wieder Spiele gewinnt. Aber das freut mich natürlich. Denn ich bin nach wie vor, trotz der enttäuschenden letzten Saison, ein Fan. Außerdem gilt weiterhin, ich klebe nicht an meinen Anteilen. Wenn sich jemand findet, der sie erwerben möchte, bin ich bereit diese zu verkaufen. Ich würde mir mehr Engagement von Hamburger Unternehmen bei diesem Traditionsverein wünschen.

Können Sie eigentlich auch ohne Arbeit und gönnen sich ab und an mal ein paar freie Tage?

Kühne: Arbeit ist für mich Entspannung. Deshalb kümmere ich mich selbst im Urlaub um meine Geschäfte, bin per E-Mail und Handy mit meinen Mitarbeitern im Kontakt. Nur an Weihnachten arbeite ich nicht, denn da ist nichts los.

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