Handel

Karstadt und Kaufhof: Unsicherheit in Hamburg

 Rene Benko

Rene Benko

Foto: German Select/Getty Images

Die beiden letzten deutschen Warenhauskonzerne schließen sich zusammen. Die Mitarbeiter in Hamburg sind besorgt.

Essen/Hamburg.  Die Warenhauskonzerne Karstadt und Kaufhof haben am Dienstag ihre Fusion besiegelt. Sollte das Bundeskartellamt zustimmen, entsteht durch den Zusammenschluss Europas zweitgrößte Warenhauskette. Beide Partner ließen offen, wie viele Stellen und Filialen sie streichen wollen.

Karstadt und Kaufhof sehen sich einem wachsenden Wettbewerb mit dem Online-Handel ausgesetzt. Kaufhof schrieb zuletzt tiefrote Zahlen, während Karstadt nach Jahren der Sanierung wieder Geld verdient. An dem Joint Venture soll die Karstadt-Mutter Signa unter Führung des österreichischen Unternehmers René Benko 50,01 Prozent der Anteile halten, die kanadische Kaufhof-Mutter HBC 49,99 Prozent.

Das Gemeinschaftsunternehmen soll vor allem Kosten in der Verwaltung, beim Einkauf und in der IT einsparen. Signa erwirbt zudem 50 Prozent des milliardenschweren europäischen Immobilienbestands von HBC. Karstadt-Chef Stephan Fanderl bezeichnete die Fusion als „ideale Lösung“. Zu der neuen Holding gehören insgesamt 243 Standorte in Europa.

"Kein Automatismus für Schließungen“

Offizielle Angaben dazu, welche Standorte bleiben und wie heftig ein möglicher Stellenabbau ausfallen wird, gibt es noch nicht. Konzern-Insider berichten, es gebe „keinen Automatismus für Schließungen“ an Doppelstandorten von Karstadt und Kaufhof. Für die Karstadt-Filialen gilt überdies eine Standortsicherung bis zum Frühjahr 2021.

Die Fusion markiert das Ende der Zusammenschlüsse in der einst vielfältigen deutschen Warenhaus-Branche. Diese setzten ab den 1980er-Jahren unter dem Druck des Wettbewerbs, riesiger Märkte von Spezialanbietern und später auch des Online-Handels ein. Horten ging in Kaufhof auf, Wertheim landete bei Hertie, welches dann ebenso wie Quelle zu Karstadt stieß.

Unsicherheit in Hamburg

In Hamburg ist die Unsicherheit nun groß. „Es gibt noch keine Informationen drüber, wie es für die Beschäftigten weitergeht“, sagt Heike Lattekamp, Landesfachbereichsleiterin Handel bei der Gewerkschaft Verdi. In Hamburg gibt es sechs Karstadt-Häuser (Mönckebergstraße, Eimsbüttel, Harburg, Wandsbek, zwei in Bergedorf) und drei Filialen von Karstadt Sports, während Kaufhof noch zwei Warenhäuser in der Hansestadt betreibt.

Betrachtet man die Karte der Standorte, fällt eine Überschneidung sofort auf: Die „Flaggschiffe“ der Wettbewerber liegen an der Mönckebergstraße nur rund 300 Meter voneinander entfernt, was zu Spekulation über den Fortbestand geführt hat. Die Forderung der Arbeitnehmervertreter: „Die Mitarbeiter müssen unmittelbar in die Planung einbezogen werden.“

Die Fusion bringt den Warenhäusern vor allem einen positiven Kosteneffekt, sagt Michael Gerling, Geschäftsführer des Handelsinstituts EHI im Gespräch mit unserer Redaktion. „Man ist erst einmal wettbewerbsfähiger.“ Mittel- und langfristig bräuchten die Warenhäuser jedoch ein neues Konzept. „Karstadt und Kaufhof müssen denken wie Einkaufscenter“, sagt er. Der Betriebstyp Warenhaus hat sich dem Handelsexperten zufolge stark verändert und immens an Bedeutung verloren. Ihr Anteil am Einzelhandelsumsatz sei von zehn auf unter vier Prozent gesunken.

Konzentration auf Oberzentren

Gerling erwartet, dass sich das Unternehmen auf Standorte mit hochklassigen Sortimenten in Oberzentren konzentrieren wird, die Kundschaft aus dem Umland anziehen. Die Vielzahl der Standorte werde nicht zu halten sein. Auch nannte er es unwahrscheinlich, dass das Unternehmen im wachsenden Online-Geschäft eine große Rolle spielen wird. „Die Spitzenplätze dort sind vergeben an Amazon, Zalando, Otto und andere“, so Gerling.

Zum neuen Gemeinschaftsunternehmen sollen die Warenhäuser von Galeria Kaufhof und Karstadt, das Einzelhandelsgeschäft von HBC Europe (Saks Off 5th, Galeria Inno in Belgien, Hudson’s Bay in den Niederlanden) sowie Karstadt Sports und der Lebensmittel- und Gastronomiebereich beider Unternehmen (Dinea, Galeria Gourmet, Karstadt Feinkost und Le Buffet) gehören. Sie beschäftigen 32.000 Mitarbeiter.

Kartellamt erwartet „extrem aufwendiges Verfahren“

Die Kartellbehörden müssen noch zustimmen, damit Signa und HBC ihr Bündnis besiegeln können. Während die Vorbereitungen für das wichtige Weihnachtsgeschäft laufen, bleiben Karstadt und Kaufhof zunächst Konkurrenten. „Wir stellen uns auf ein extrem umfangreiches und aufwendiges Verfahren ein. Die Folgen der Fusion für Kunden und Lieferanten müssen geprüft werden“, sagt Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts.