Hamburg

Was es im neuen Zalando Outlet zu kaufen gibt

Die Hamburgerin Dorothee Schönfeld ist bei Zalando für die Outlets verantwortlich

Die Hamburgerin Dorothee Schönfeld ist bei Zalando für die Outlets verantwortlich

Foto: Marcelo Hernandez

Der Online-Modehändler eröffnet heute sein Geschäft in der City. Davon sollen auch die benachbarten Einzelhändler profitieren.

Hamburg.  Poloshirts für 9,95 statt für 34,95 Euro, Damenschuhe statt 59,95 nur 19,95 Euro – womöglich gibt es Kreischalarm, wenn sich am Donnerstagvormittag die Türen zum Zalando Outlet in der Hamburger Innenstadt öffnen. So wie früher in den TV-Werbespots des Onlinehändlers, in denen moderne Frauen regelrecht ausrasteten vor Glück und Begeisterung über das neue Paar Schuhe aus dem Zalando-Paket.

Die Werbung gibt es nicht mehr, und das vor zehn Jahren gegründete Unternehmen, das sich selbst als „Europas führende Plattform für Mode und Lifestyle“ bezeichnet, verkauft längst nicht mehr ausschließlich über das Internet. Sein erstes Outlet eröffnete Zalando 2012 in Berlin, nun ist das Konzept an der Poststraße in der City angekommen. „Hamburg war schon länger unser Ziel, aber es hat etwas gedauert, die richtigen Flächen zu finden“, sagt Dorothee Schönfeld. Die Hamburgerin, die in Eimsbüttel wohnt und in Berlin arbeitet, verantwortet in der Zalando-Zentrale die bundesweit fünf Outlets.

Gefunden hat das börsennotierte Unternehmen die passenden Hamburger Räumlichkeiten schließlich in dem Neubau zwischen Bleichenfleet und Großen Bleichen, der anstelle des Thalia-Hauses entstanden ist. Wie früher die Buchhandlung hat das Zalando Outlet einen Eingang von der Fleetseite aus. Geschäfte der Modeketten Zara, Tommy Hilfiger und Abercrombie & Fitch liegen in Rufweite.

Im Angebot: „B-Ware“

Ob Berlin, Frankfurt, Köln und seit Juni 2018 auch Leipzig – das Konzept der Zalando-Outlets ist überall identisch: Der Onlinehändler verkauft darin seine überzähligen Lagerbestände, Schuhe und Mode aus abgelaufenen Saisons und von Onlinekunden zurückgeschickte Ware, die „auch mal eine kleine Macke haben kann“, sagt Outletgeschäftsführerin Schönfeld. Und nicht jedes Paar Schuhe, das im Regal steht, ist unbedingt in sämtlichen Größen vorhanden.

Schönfeld spricht ganz offen von „B-Ware“, Unternehmenssprecher Alexander Styles ergänzt: „Die Zielgruppe sind preisbewusste Schnäppchenjäger.“ Ihnen verspricht Zalando Preisnachlässe bis zu 70 Prozent, wenn sie bereit sind, nicht mehr topaktuelle Stücke zu kaufen. An der Poststraße gebe es auf 1200 Quadratmetern Verkaufsfläche etwa 15.000 Produkte von 500 Marken, so das Unternehmen.

Wie sinnvoll ist es, ein solches Geschäft in guter Innenstadtlage zu eröffnen? „Wir gehen dorthin, wo unsere Kunden sind. In die Innenstadt, aber nicht in die allererste Reihe“, sagt Dorothee Schönfeld. Und es könne ja durchaus sein, dass das Outlet den Kundenverkehr in den umliegenden Straßen erhöhe – und davon auch andere Geschäfte profitieren.

Zahl der Passanten stark rückläufig

Tatsächlich käme mehr Laufkundschaft den Geschäften an der Poststraße durchaus gelegen. Regelmäßige Passantenzählungen in der Hamburger Innenstadt zeigen, dass deren Zahl in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen ist. Der Immobilienspezialist BNP Paribas Real Estate zählte an einem Sonnabend Anfang Juni dieses Jahres gut 2800 Passanten pro Stunde in der Poststraße. Im Jahr 2013 waren es noch gut 3700 gewesen. Zalando könne neue Impulse bringen, urteilt BNP Paribas.

So sieht das auch Brigitte Nolte, die Hamburger Statthalterin des Handelsverbands Nord. „Natürlich ist es gut für eine Einkaufsstraße, wenn jetzt erst mal viele Menschen kommen, um sich das neue Geschäft anzusehen“, sagt sie. Uneingeschränkt positiv sieht Nolte Geschäfte von Unternehmen, die als Onlinehändler groß geworden sind, allerdings nicht. „Öffentlich Präsenz zu zeigen ist für Onlinehändler ein wichtiger Aspekt.“

Ungleicher Wettbewerb mit Einzelhändlern

Er könne sogar wichtiger sein, als dass der Laden die Mietkosten selbst erwirtschaftet. Nolte spricht von einem ungleichen Wettbewerb zwischen Onlinerfilialen und Einzelhändlern, die allein mit ihrem Geschäft sämtliche Kosten – und möglichst auch Gewinn – selbst erwirtschaften müssten.

Womöglich hat die Handelsexpertin dabei ein anderes großes Onlineunternehmen im Blick, das noch in dieser Woche einen sogenannten Pop-up-Store am Neuen Wall 72 eröffnet. Westwing.com ist ein auf Möbel und Wohnaccessoires spezialisierter Shopping-Club, der 2011 in München gegründet wurde und in einer ganzen Reihe von europäischen Ländern tätig ist. Den registrierten Clubmitgliedern werden regelmäßig um bis zu 70 Prozent preisreduzierte Angebote gemacht.

In den ehemals vom Möbelhaus Bornhold genutzten Räumen präsentiert Westwing bis zum Jahresende Teile des Angebots. Dieses Konzept hatte das Unternehmen 2017 bereits in München erprobt – und den Pop-up-Store mehrere Monate länger geöffnet als ursprünglich geplant. Und wie in München werden in dem Geschäft am Neuen Wall allein Accessoire und Dekostücke verkauft. Die größeren Möbelstücke sind nur zum Anschauen und Ausprobieren da – gekauft werden können sie nur über das Internet.