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11.000 Euro für Handy-Telefonate auf der Kreuzfahrt

Nach Hause Telefonieren – Das kann auf der Kreuzfahrt richtig teuer werden

Nach Hause Telefonieren – Das kann auf der Kreuzfahrt richtig teuer werden

Foto: imago/suedraumfoto

Rechnungen über Tausende Euro sind kein Einzelfall. Verbraucherschützer sagen, wie Passagiere sich schützen können.

Hamburg.  Das Smartphone ist überall dabei, auch bei einer Kreuzfahrt. Doch manche Passagiere werden nach einer Schiffsreise von hohen Mobilfunkrechnungen überrascht, berichtet die Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. „Wir haben Beschwerden über sehr hohe Rechnungen aus neun Bundesländern, darunter auch aus Hamburg“, sagt Per Prins von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein.

Die höchste Rechnung eines Kreuzfahrtpassagiers habe rund 11.000 Euro betragen. Und solche Summen können schnell erreicht sein. „Schaut sich der Gast an Bord ein zehnminütiges Video in HD-Qualität an, können Kosten von etwa 5000 Euro entstehen“, sagt der Telekommunikationsexperte Prins. Der Download nur eines Megabytes kann bis zu 25 Euro teuer sein. Grund: Das Mobilfunknetz auf Schiffen wird über kostspielige Satellitentechnik ermöglicht.

Die Verbraucherzentrale Hamburg bestätigt Beschwerden von Kreuzfahrtpassagieren. „Da geht es immer wieder um Beträge zwischen 800 Euro und 4000 Euro“, sagt Anke Voß von der Verbraucherzentrale Hamburg. Betroffen seien zumeist Kunden von Drillisch, Telefónica und Mobilcom. Die Rechnungen müssen regelmäßig bezahlt werden. Betroffene können nur auf Kulanz hoffen, wenn sie bei den Anbietern unzureichende Informationen monieren.

Eine Minute telefonieren kostet bis sieben Euro

Die Höchstpreise aus der EU-Roaming-Verordnung und die speziellen Roaming-Reisepakete der Anbieter gelten nur an Land. Roaming bedeutet, dass ausländische Netze zum Surfen und Telefonieren genutzt werden und dafür andere Gebühren als im Inland anfallen können. Auch der an Land weltweit geltende Kostenbegrenzer für mobile Datenverbindungen greift auf See nicht. Er trennt Verbindungen, wenn Kosten von mehr als 59,50 Euro entstanden sind.

Telefonieren auf See kann ebenfalls teuer werden: Je nach Anbieter kostet eine Gesprächsminute nach Deutschland oft drei und sieben Euro, so die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. 2017 unternahmen etwa 2,2 Millionen Deutsche eine Kreuzfahrt.

„Besonders betroffen von hohen Rechnungen nach einer Kreuzfahrt sind Kunden von Telefónica“, sagt Prins. Zwar bekämen sie eine SMS über abweichende Kosten, aber das reiche nicht aus. „Bei Telekom und Vodafone gibt es dagegen einen Kostenairbag, der bei rund 60 Euro greift.“

Kostenairbag eingebaut

Doch Telefónica hat nach eigenen Angaben reagiert, und inzwischen alle O2-Kunden grundsätzlich für das Datenroaming an Bord von Schiffen und Flugzeugen gesperrt. „Die Sperre gilt auch für Kunden, die unser Netz über einen Drittanbieter wie Drillisch oder Aldi Nord nutzen“, sagte ein Unternehmenssprecher dem Abendblatt. Die Sperre sei effektiver als ein Kostenairbag. Telefonate und SMS von Bord seien weiter möglich.

Verbraucherschützer raten Passagieren, WLAN-Pakete an Bord zu buchen. So kosten auf manchen Kreuzfahrern 500 MB Datenvolumen knapp 40 Euro. Zudem sollten am Smartphone automatische Updates und der E-Mail-Abruf deaktiviert werden. Experte Prins: „Es ist empfehlenswert, mobiles Datenroaming und automatische Verbindung mit einem WLAN-Netz nur bei Bedarf zu aktivieren.“