Verkehr

Vom Flughafen zum Jungfernstieg – drei Minuten, 35 Euro

Lufttaxis gelten als Verkehrsträger der Zukunft. Studie schätzt den Markt in knapp 20 Jahren auf 32 Milliarden Dollar ein

Hamburg.  Ob Los Angeles, Moskau, New York oder Hamburg – viele Millionenstädte haben ein gemeinsames Problem: Stau. In der Hansestadt verbrachten die Autofahrer im vergangenen Jahr 44 Stunden mit der Wiederholung des Dreiklangs aus Gas geben, ein Stück rollen und bremsen. Mobilitätsexperten erwarten Hilfe von oben: Elek­trisch angetriebene Lufttaxis, die senkrecht starten und landen, sollen für Entlastung auf den Straßen sorgen. „Der Markt für vertikale Mobilität ist gekommen“, heißt es in einer neuen Studie der Beratungsgesellschaft Porsche Consulting, die mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt kooperierte.

Von 2025 an könnten Lufttaxis demnach kommerziell eingesetzt werden. Die ersten Verbindungen werden wohl von Flughäfen zu populären Plätzen in den Innenstädten führen. Global gesehen sollen in sieben Jahren immerhin schon 500 Lufttaxis fliegen. Das Marktvolumen schätzen die Experten dann auf eine Milliarde US-Dollar (850 Millionen Euro). Eine mögliche Strecke in Hamburg würde vom Flughafen zum Jungfernstieg führen. Die Experten rechnen bei einer Reisegeschwindigkeit von 200 Kilometern pro Stunde mit einer Flugzeit von drei Minuten – mit dem Auto sind es rund 30 Minuten. 35 Euro soll der Flug kosten, damit sie für einen privaten Anbieter rentabel ist.

Die Strecke ist allerdings mit rund zehn Kilometern eigentlich zu kurz. Auto, Bus und Bahn können ab Distanzen von 20 Kilometern geschlagen werden, heißt es. Perfekt geeignet wäre beispielsweise die Münchner Strecke vom Flughafen zum Marienplatz. Auf der Straße braucht man für die 40-Kilometer-Strecke rund 45 Minuten, in der Luft werden durch die direkte Verbindung zehn Kilometer und 35 Minuten gespart. Selbst wenn der Transport zum/vom Heliport zum exakten Zielort berücksichtigt würde, käme man auf eine durchschnittliche Zeitersparnis von 19 Minuten und sei insgesamt nur 26 Minuten unterwegs.

Der Preis für die Strecke in München läge bei etwa 100 Euro. Die Studie geht davon aus, dass für eine Minute Flug zwischen acht und 18 Dollar bezahlt werden müssen. Das sei vergleichbar mit einem Taxitarif angesichts der höheren Geschwindigkeit, kürzerer Distanz und des gemeinsamen Transports von bis zu vier Passagieren, auf die die meisten Prototypen ausgelegt sind. Ob sich diese Preise halten lassen, hänge entscheidend von Faktoren wie der Anzahl der möglichen Start-und-Lande-Plätze, die noch eingerichtet werden müssen, der Reisegeschwindigkeit und der Dauer von Sicherheitschecks ab.

Allerdings wird das Abheben des Nahverkehrs in die dritte Dimension von einer ganz wichtigen Variablen abhängen: der Bevölkerung. Damit sie Lufttaxis akzeptiert, müssten Schlüsselaspekte wie Sicherheit und Lärmreduzierung gelöst werden, heißt es in der Studie. Und jeder müsse von ihnen profitieren können, nicht nur die Reichen wie bei den heutigen Hubschraubern. In 100 Metern Entfernung sollten Lufttaxis nur ein Viertel so laut sein wie Hubschrauber. Die Autoren erwarten, dass die vertikale Mobilität zuerst in Ländern mit schnellen Entscheidungsprozessen wie Singapur, Dubai und China Einzug hält. Von 2025 an soll das Geschäft stetig stark wachsen. Im Jahr 2035 sollen weltweit 23.000 Lufttaxis abheben. Die Region Asien-Pazifik gilt mit einem Anteil von 45 Prozent als wichtigster Markt. In Europa sollen nur rund 3750 Exemplare in die Luft gehen. Rund 32 Milliarden Dollar soll der Markt dann groß sein – entsprechend wollen viele Unternehmen ein Stück abhaben vom Kuchen. Neben vielen Start-ups, dem Fahrdienstvermittler Uber und den Autobauern Volkswagen und Porsche, die die Studie in Auftrag gaben, gehören auch die Flugzeugbauer Boeing und Airbus. Der europäische Konzern testet derzeit die Systeme an seinem „Cityairbus“. Ende des Jahres soll das acht mal acht Meter große Fluggerät in Manching seinen Jungfernflug feiern.