Experiment

Eine neuseeländische Firma testet die Vier-Tage-Woche

Eine Vier-Tage-Woche trägt maßgeblich zur besseren Work-Life-Balance bei.

Eine Vier-Tage-Woche trägt maßgeblich zur besseren Work-Life-Balance bei.

Foto: Paul Zinken / dpa

Das Unternehmen Perpetual Guardian testete im Frühjahr die Vier-Tage-Woche. Bei gleichem Lohn und mit positivem Überraschungseffekt.

Wellington.  Weniger arbeiten und dafür trotzdem das gleiche Gehalt bekommen? Für viele Arbeitnehmer ein Traum, der in Neuseeland wahrgeworden ist. Das neuseeländische Investment-Unternehmen „Perpetual Guardian“ hat vergangenes Frühjahr das 32-Stunden-Modell getestet.

Unternehmensgründer Andrew Barnes wertete das Experiment als vollen Erfolg. Den „New York Times“ sagte er, dass seine 240 Mitarbeiter kreativer, aufmerksamer und effizienter gearbeitet hätten. Die Produktivität sei insgesamt gestiegen.

Die neu gewonnene Zeit nutzen die Angestellten, um mehr Zeit mit ihren Familien zu verbringen, Sport zu treiben, zu kochen oder für Gartenarbeit. Die Wissenschaftler, die das Experiment begleitet haben, berichteten von einer deutlich verbesserten Work-Life Balance, die sich auch im Büro positiv auf die Leistung der Mitarbeiter ausgewirkt haben soll.

Vier-Tage-Woche

Positive Auswirkung auf Arbeitsmoral

Das Konzept ist nicht neu. In Schweden etwa wird schon seit einigen Monaten ein neues Zeitmodell getestet: Der Sechs-Stunden-Tag. Auch dort stiegen Produktivität und Qualität der Arbeit, während der Krankenstand stetig sank. Den ersten Anstoß gaben dort die Vertreter der Linkspartei.

Die 60 Pflegekräfte eines Altenheims arbeiteten von 2015 bis 2017 sechs statt acht Stunden, bei gleichem Lohn. In dieser Zeit stellte das Heim weitere 14 Kräfte ein – der Mehrkostenaufwand lag bei etwa einer Million Euro. Das Ergebnis: Das Personal hatte mehr Energie, es gab weniger Krankheitsausfälle, und die Patienten berichteten von einer besseren Betreuung.

Motivation bedingt Produktivität

Die „New York Times“ berichtet, dass die Angestellten von „Perpetual Guardian“ selbstständig Wege gesucht hätten, um die verkürzte Arbeitszeit noch effizienter zu gestalten. Tätigkeiten, die vorher zu viel Zeit gekostet haben, wurden verkürzt oder ganz abgeschafft. So wurden etwa Meetings auf eine halbe Stunde verkürzt. Die Mitarbeiter einigten sich außerdem auf bestimmte Konzentrationsphasen, in denen sie ungestört und ohne Ablenkung arbeiten können.

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Die Idee für den Sechs-Stunden-Tag kam Andrew Barnes, als er einen Bericht über Produktivität am Arbeitsplatz gelesen hatte. Dort bestätigten Forscher, dass Arbeitnehmer für maximal drei Stunden eine optimale Leistung abrufen können. Danach würde die Konzentration abnehmen, was wiederum starke Auswirkungen auf die Produktivität der Angestellten hatte.

Besonders Frauen profitieren

Besonders Frauen sollen von dem neuen Modell profitieren. Die volle Rückkehr in das Berufsleben wird vielen Müttern erschwert, wenn sie gleichzeitig Zeit mit ihrer Familie verbringen wollen. Oft müssen Frauen dann mit Teilzeitstellen vorlieb nehmen. Das Sechs-Stunden-Modell bietet hier eine willkommene Alternative, weil Angestellte oft selbst entscheiden können, wann sie arbeiten und wann sie zu Hause bleiben.

Im Bericht der „New York Times“ erklärt eine Angestellte, wie angenehm es war, während der Arbeitszeit auch persönliche Dinge zu erledigen, wie zum Beispiel Einkaufen. Am Wochenende hätte sie dann wesentlich mehr Zeit für ihre Familie und andere schöne Dinge im Leben. Die freie Gestaltung ihres Arbeitstags hatte auch Einfluss auf ihren Arbeitseinsatz: „Am Ende des Tages habe ich gemerkt, dass ich viel mehr als sonst erledigt habe.“

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Vorbild für andere Unternehmen

Das Unternehmen überlegt nun, an dem Modell festzuhalten. Unternehmensleiter Barnes hofft zudem, dass auch andere Unternehmen seinem Beispiel folgen. Das hätte nicht nur positive Auswirkungen auf die Arbeit seiner Angestellten, sondern bringe auch ökologische Vorteile mit sich: Die Straßen während der Rush-Hour wären freier und Strom werde auch gespart, wenn weniger Mitarbeiter gleichzeitig im Büro seien.

Lob für den innovativen Schritt bekamen Barnes und „Perpetual Guardian“ auch aus der Politik: Der neuseeländische Arbeitsminister Iain Lees-Galloway habe sich gefreut, dass Unternehmen in Zeiten von Überstunden und Überlastung bessere Lösungen finden. Er hofft, dass auch andere Firmen dem Beispiel von „Perpetual Guardian“ folgen werden.