Farnborough/Hamburg

Airbus sammelt Milliardenaufträge bei Luftfahrtmesse ein

Flugzeugbauer meldet Bestellungen und Absichtsbekundungen für mehr als 200 Maschinen – aber Deutsche Post kauft bei Boeing

Farnborough/Hamburg.  Wenn Airbus in die Zukunft schaut, sind die selbst aufgezeigten Perspektiven vielversprechend. Das Verkehrsaufkommen in der Luft soll jährlich um 4,4 Prozent steigen. In den nächsten 20 Jahren sieht der europäische Flugzeugbauer einen weltweiten Bedarf für 37.390 neue Flugzeuge. Der Branche winken Aufträge für 5,8 Billionen US-Dollar. Das geht aus der jüngsten globalen Marktprognose hervor, die der Konzern vor zehn Tagen in London verkündete.

Am Montag wurde das erwartete Wachstum mit Bestellungen unterfüttert. Alle zwei Jahre trifft sich die Branche rund 50 Kilometer südlich der britischen Hauptstadt zur Farnborough International Airshow. Traditionell hagelt es vor allem zu Beginn der einwöchigen Messe ordentlich Orders. Insgesamt meldete Airbus am ersten Tag neue und festgezurrte Aufträge sowie Absichtserklärungen über 228 Maschinen. Der Gesamtwert der Bestellungen liegt laut Listenpreisen bei rund 29,4 Milliarden Dollar (25,1 Milliarden Euro). Allerdings sind üppige Rabatte üblich.

Das Gros der Bestellungen betrifft einmal mehr die A320-Familie, die etwa zur Hälfte in Hamburg gefertigt wird. Für das Kurz- und Mittelstreckenflugzeug stehen im Auftragsbuch noch mehr als 6000 Maschinen, die Produktion ist auf knapp zehn Jahre ausgelastet. Nun sind 201 weitere dazugekommen – fast alle stammen von Flugzeugfinanzierern. Der größte Auftrag kommt von einem nicht genannten Kunden. Ein global tätiger Leasinggeber habe eine Absichtserklärung über den Kauf von 80 Jets der A320neo-Familie abgegeben, teilte Airbus mit. Die Maschinen haben neue, spritsparende Triebwerke, die den Kerosinbedarf um mindestens 15 Prozent senken. Die indische Fluggesellschaft Vistara unterschrieb eine Vereinbarung über den Kauf von 13 A320neo. Vistara will zudem 37 Maschinen der Familie über einen Flugzeugfinanzierer beziehen – insgesamt sind es also 50 Stück.

25 Maschinen der A320neo-Reihe sollen künftig in Kuwait stationiert werden. Golden Falcon Aviation ist der exklusive Leasinggeber für die Fluggesellschaft Wataniya Airways mit Sitz in dem Emirat. Der jetzt bestätigte Auftrag folgt einer Absichtserklärung, die vor einem Jahr auf der Dubai Airshow getroffen wurde. Der omanische Billigflieger SalamAir unterzeichnete einen Auftrag über sechs Maschinen, wovon fünf über Leasingfirmen bezogen werden sollen. Der australische Flugzeugfinanzierer Macquarie platzierte eine Festbestellung über 20 A320neo-Flugzeuge. Die irische Leasingfirma Goshawk orderte bei Airbus 20 A320neo. Allerdings verteilte das Unternehmen mit Sitz in Dublin auch an den Erzrivalen Boeing einen Auftrag. Beim US-Hersteller werden 20 Maschinen der 737MAX-Reihe bestellt. Sie ist das Pendant zum A320neo. Auch die Deutsche Post orderte in den USA. Für die wachsende Sparte DHL Express wurden 14 Boeing 777 in der Fracht-Variante für 4,7 Milliarden Dollar bestellt. Die Maschinen fliegt der DAX-Konzern bereits seit 2009. Die Post sicherte sich zudem eine Option über sieben weitere Maschinen.

Auch Airbus konnte bei den Großraumjets Aufträge einsammeln. Die taiwanesische Fluggesellschaft Starlux will mit dem A350 seine Langstreckenflotte aufbauen. Sie bestellte 17 dieser Jets, zwölf davon in der langen 1000-Variante. Zudem wurde bekannt, dass ein Ende Juni veröffentlichter Auftrag von zehn A350 aus China kommt. Sichuan Airlines steckt hinter der Order.