Hamburg

So bekommt man von der Stadt eine Million Euro

Eigenkapital und Förderung für Kameradrohnen, Röntgenbildauswerter und Datenspionage-Blocker. 100 Gründer haben schon profitiert

Hamburg. Das weiße Kästchen, etwas größer als ein Zauberwürfel, soll genau das ermöglichen, was sich viele Internetnutzer wünschen: Im Netz surfen, ohne die eigenen Daten preiszugeben. „Die gezielte Werbung, die uns auf vielen Webseiten angezeigt wird, ist ja nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Christian Bennefeld, Gründer der Hamburger Firma eBlocker. „Professionelle Datensammler ziehen aus dem Surf-Verhalten unter anderem Schlüsse auf den Gesundheitszustand, die politische Orientierung und die Kreditwürdigkeit.“ Das alles lasse sich unterbinden, indem man den kleinen Kasten zu Hause mit dem WLAN-Router verbindet.

„Dies ist die weltweit erste derartige Lösung, die keine Software-Installation erfordert“, so Bennefeld. Rund 12.000 der Kästchen, die je nach Funktionsumfang 99 bis 249 Euro kosten und in der teuersten Ausführung auch noch verhindern können, dass minderjährige Familienmitglieder auf jugendgefährdende Internetinhalte zugreifen, hat eBlocker seit eineinhalb Jahren nach eigenen Angaben schon verkauft.

Zusammen mit acht weiteren Start-ups präsentierte die Firma ihre Geschäftsidee am Mittwoch anlässlich einer Veranstaltung, in der Bürgermeister Peter Tschentscher den 100. Förderbescheid der Hamburgischen Investitions- und Förderbank (IFB) an einen Gründer übergab. CellmatiQ heißt das 100. Start-up, das Geld von der IFB erhält. Wie der CellmatiQ-Gründer Jaroslav Bláha erklärte, entwickelt das junge Unternehmen mit Sitz in der HafenCity ein Computerprogramm, das mittels künstlicher Intelligenz bei der Auswertung von Röntgenbildern oder Fotos des Augenhintergrundes helfen wird.

„Das Verfahren soll den Arzt nicht ersetzen, sondern unterstützen – wir nehmen ihm nur Routinearbeit ab“, so Bláha. Die Bildanalyse per Computer benötige eben nur eine Sekunde, während ein Mensch 15 Minuten damit beschäftigt sein könne. „Die Diagnose stellt aber immer der Arzt“, sagte der Firmengründer. Er erhielt von der IFB knapp 150.000 Euro, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Das Geld soll unter anderem dafür verwendet werden, Patente anzumelden und das Computerprogramm marktreif zu machen.

Schon weiter als CellmatiQ ist die Firma Spherie. Ihr Produkt, das denselben Namen trägt, verfügt nach Angaben des Gründers Nicolas Chibac über ein echtes Alleinstellungsmerkmal: Spherie sei die einzige Drohne, die gewissermaßen nahtlose Rundumvideos filmen kann. Knapp ein Dutzend dieser Geräte mit je acht Rotoren und sechs Kameras wurden bereits gebaut. „Sie waren zuletzt unter anderem für die HHLA, Hapag-Lloyd und den Schiffs-TÜV DNV GL im Einsatz“, sagt Chibac.

Auch für Spherie gab es eine Förderung der IFB. Die Drohne kann nicht nur im Freien verwendet werden, sie ermöglicht auch spektakuläre Kamera­flüge zum Beispiel durch den Maschinenraum eines Containerschiffs. Bisher muss das kompakte Fluggerät noch ferngesteuert werden. „Wir wollen Spherie aber so weiterentwickeln, dass sie autonom fliegen kann“, so Chibac.

Bürgermeister Tschentscher stellte die Bedeutung von Firmengründern von Bennefeld, Bláha und Chibac für den Standort Hamburg heraus. „Die großen Namen der Hamburger Wirtschaft wie Beiersdorf, Otto oder Jungheinrich haben vor vielen Jahrzehnten alle einmal als Start-ups angefangen, auch bei ihnen begann alles mit einer klugen Geschäftsidee“, so Tschentscher. Zwar sei Hamburg derzeit „nur fast Deutschlands Gründungshauptstadt“, Berlin habe im Kopf-an-Kopf-Rennen mit Hamburg zuletzt ganz knapp die Nase vorn gehabt. Tschentscher zeigte sich aber überzeugt, dass die Hansestadt mit ihrem breiten Branchenspektrum – „wir haben hier alles außer Bergbau“ – hervorragende Rahmenbedingungen für Gründer bietet: „Rund 700 Start-ups mit 6000 Mitarbeitern haben hier ihren Firmensitz. Talente aus der ganzen Welt kommen nach Hamburg, um aus ihren Ideen innovative Geschäftsmodelle zu entwickeln.“

Für sie stehen drei verschiedene Förderprogramme der IFB bereit. So gibt es Anschubhilfen als Zuschuss von bis zu 150.000 Euro für besonders technologieorientierte junge Firmen. Den nächsten Baustein bietet der „Innovationsstarter Fonds“, der den Unternehmen Eigenkapital von bis zu einer Million Euro zur Verfügung stellt. Das neueste, erst zum 1. Juli aufgelegte Programm heißt „InnoFounder“ und unterstützt Gründer „in der ganz frühen Phase“ mit Zuschüssen von 2500 Euro pro Monat und Person.

„Mit bisher durchschnittlich etwa 25 Finanzierungen pro Jahr sind wir bereits jetzt der aktivste Kapitalgeber für die Top-Start-ups in Hamburg“, sagte Ralf Sommer, Chef der seit 2013 bestehenden IFB. Dabei könne man aus etwa 250 Anfragen jährlich auswählen.

Natürlich werde nicht aus jedem der geförderten jungen Unternehmen später ein weltweit tätiger Konzern, so Bürgermeister Tschentscher. Aber die Wirtschaft, die für den Wohlstand Hamburgs sorge, brauche stets neue Impulse – „sonst werden wir eines Tages zum Museum.“

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