Hamburg

Personalrätin rückt in Kammerführung

Handelskammer strafft Leitungsebene. Sabine Lurtz-Herting wechselt die Seiten – für das gleiche Gehalt

Hamburg. Überraschende Nachrichten aus der Handelskammer Hamburg: Am Montag wurde den Mitarbeitern auf einer Personalversammlung eine neue Führungsstruktur vorgestellt. Auffälligste Umbesetzung: Die bisherige Personalrätin, also Arbeitnehmervertreterin, Sabine Lurtz-Herting, wechselt die Seiten und wird Personalchefin. War es bisher ihre Aufgabe, die Rechte der Mitarbeiter gegenüber den zum Teil rabiaten Kürzungsplänen der Kammerführung zu verteidigen, wird sie künftig die vorgegebenen Stellenstreichungen durchsetzen müssen. Bis 2021 sollen 62 der 262 Jobs in der Hamburger Wirtschaftsvertretung wegfallen.

„Frau Lurtz-Herting genießt ein hohes Ansehen beim Personal. Ihre Berufung ist auch ein Signal dafür, dass die strukturellen Änderungen der Kammer sehr mitarbeiterorientiert geschehen“, sagte die Hauptgeschäftsführerin der Institution am Adolphsplatz, Christi Degen. Die Noch-Personalrätin äußerte sich ähnlich: „Ich verstehe die Entscheidung als ein Zeichen ins Haus, die Führung möchte mit dem Haus arbeiten nicht dagegen.“ Lurtz-Herting, die zugleich Leiterin der Commerzbibliothek ist, war erst vor wenigen Wochen mit großer Zustimmung wieder an die Spitze des Personalrats gewählt worden. Mehr Gehalt bekommt sie mit ihrem Wechsel nach Informationen des Abendblatts aber nicht.

Im Übrigen hätten die Mitarbeiter nach einer Phase der Unsicherheit jetzt Klarheit darüber, wie es im Restrukturierungsprozess weitergehe – und mit welcher Führung, sagte Lurtz-Herting. Bei der Versammlung seien aber auch Personalentscheidungen bekannt gegeben worden, die bei den Mitarbeitern auf Verwunderung gestoßen seien. „In zwei Fällen hat das Präsidium einen Änderungswunsch gehabt“, sagte Degen. Dies stünde dem Präses nach der Satzung auch zu.

Dieses gilt um so mehr, als der Personalumbau gewaltig ist: Zuletzt gab es elf Geschäftsbereiche. Jeder hatte einen eigenen Geschäftsführer und zahlreiche Abteilungsleiter, die wiederum als stellvertretende Geschäftsführer fungierten. Das waren 60 Chefs bei einem Personalstamm von gerade einmal 260 Mitarbeitern. Die Zahl der Geschäftsbereiche wird auf fünf reduziert, zusätzlich gibt es zwei Stabsstellen. Anders als bisher sind die neuen Bereiche nicht mehr thematisch gegliedert sondern nach den Aufgaben der Kammer. Die Posten der Abteilungsleiter werden abgeschafft. „Wir werden die Struktur der Kammer stärker an Prozessen ausrichten als an Hierarchien“, sagte Hauptgeschäftsführerin Degen. Mehr als 30 höhergestellte Kammer-Mitarbeiter hatten sich auf die sieben Leitungspositionen beworben, von denen viele nun leer ausgingen. Dabei traf es vor allem Vertraute des ehemaligen Hauptgeschäftsführers Hans-Jörg Schmidt-Trenz. „Laut unserer Dienstvereinbarung wird es keine betriebsbedingten Kündigungen geben, und die bisherigen Geschäftsführer behalten ihre Gehälter“, sagte Degen. Möglich seien allerdings Umsetzungen. Ein Geschäftsführer der Handelskammer verdiente bisher im Schnitt 125.000 Euro im Jahr.