Hamburg

Ansturm auf Sommerreisen? Nicht in Hamburgs Reisebüros

Hamburg. Schenkt man den Reiseveranstaltern und der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) Glauben, so ist die Reiselust der Deutschen in diesem Sommer so groß wie lange nicht. Allein im April sollen die klassischen Reise­büros, die Onlineportale der Veranstalter sowie die unabhängigen Internetportale ein Plus von 21 Prozent verbucht haben. Damit seien bereits drei Viertel des letztjährigen Sommerumsatzes bis Ende April erreicht worden, frolocken die Konsumforscher. Auch der Reiseanbieter TUI ist geradezu euphorisch. „Unser Wachstum geht weiter, sämtliche Trends sind intakt, und die sehr guten Buchungen für den Sommer 2018 entsprechen voll unseren Erwartungen“, sagt TUI-Chef Fritz Joussen. Und Konkurrent Thomas Cook mit Marken wie Neckermann Reisen und der Fluglinie Condor legt nach: Bisher hätten die Kunden für 2018 drei Prozent mehr Sommer-Pauschalreisen gebucht als noch vor einem Jahr.

In den Hamburger Reisebüros hält sich allerdings nach einer Abendblatt-Stichprobe die Euphorie beim Blick auf die Buchungen in Grenzen. „Insgesamt ist die Nachfrage nach Sommerreisen eher verhalten“, heißt es zum Beispiel vom Karstadt-Reisebüro in der Mönckebergstraße. Ähnliches vermeldet das First Reisebüro Orchideen an der Elbchaussee. Dass es deutlich mehr Buchungen als im Vorjahr gebe, könne man nicht bestätigen. Und das Globetrotter Reisebüro im Harburger Phoenix-Center teilt mit: „Das Geschäft ist auf einem guten Niveau, aber es hat nicht stark angezogen.“ Bleibt die Frage, woher diese Diskrepanz kommt. Zum einen kann nach Meinung von Branchenexperten hier die Tatsache eine Rolle spielen, dass die Bundesbürger seltener den Weg ins Reisebüro finden und ihren Urlaub stattdessen lieber individuell online zusammenstellen. Oder wollen die großen Reiseanbieter mit ihren Positivmeldungen den noch Unentschlossenen einfach nur Lust auf Urlaub machen?

Auch wenn die Aussagen zum Umsatz stark variieren, so gibt es zwischen Reisebüros und Veranstaltern auch Übereinstimmungen beim Blick aufs Buchungsverhalten. So sind Reiseziele wie Ägypten oder die Türkei, die wegen der unsicheren politischen Lage lange gemieden wurden, bei den Bundesbürgern wieder stärker gefragt. Und wer auf das klassische Ziel Spanien für seinen nächsten Urlaub setzt, für den gibt es schlechte Nachrichten: Die Preise haben – vor allem auf den Kanaren – deutlich angezogen.