Hamburg

Preiswerte Medikamente aus der City Süd

Der Hamburger Chemiehändler Helm AGkehrt in die Gewinnzone zurück und verkauft immer mehr Generika

Hamburg. Vor gut einem Jahr saß Christian Sievers auf dem gleichen Stuhl im Konferenzraum der Helm-AG-Zentrale und musste einen zweistelligen Millionenverlust erklären. Nun kann er die Rückkehr des Hamburger Chemiehändlers in die Gewinnzone verkünden. Dabei freut sich Sievers vor allem – im Gegensatz zu vielen Autofahrern und Hausbesitzern – über den gestiegenen Rohölpreis. Denn er garantiert der Helm AG höhere Gewinnmargen beim Verkauf ihrer auf Erdöl basierenden Chemieerzeugnisse.

Bei 18,4 Millionen Euro lag deshalb der Gewinn nach Steuern 2017, ein Jahr zuvor hatte noch ein Fehlbetrag von 15,6 Millionen Euro gestanden. Der Gewinn vor Steuern (Ebitda) stieg sogar um satte 131 Prozent auf 46,7 Millionen Euro. Und Sievers ist optimistisch, dass der Aufwärtstrend anhalten wird. Allein im ersten Quartal 2018 habe man schon annähernd so viel verdient wie im gesamten Vorjahr. „Das stimmt mich positiv“, sagt der Manager, der von der City Süd aus das größte konzernunabhängige Chemiehandelshaus der Welt mit mehr als 1500 Beschäftigten und einem Umsatz von 7,4 Milliarden Euro (plus sieben Prozent) lenkt.

Vor allem das Geschäft mit Grundchemikalien – die ökonomische Basis der Helm AG – wächst kräftig und trägt auch überdurchschnittlich viel zum Gewinn bei. Insgesamt 2,6 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,3 Milliarden Euro) wurden mit Methanol, Säuren, Laugen und anderen Spezialchemikalien umgesetzt. Tendenz steigend. Hier kommt den Hamburgern zugute, dass sie die Pro­bleme am wichtigen Methanolproduktionsstandort Trinidad und Tobago, die mit für den Jahresverlust 2016 verantwortlich waren, besser in den Griff bekommen haben.

Aber auch der noch vergleichsweise kleine Pharmabereich zählt – neben der Sparte mit Planzenschutzmitteln – zu den klar definierten Zukunftsfeldern des Unternehmens. Allein in der Hansestadt tüfteln mittlerweile rund 120 Beschäftigte an Medikamenten. Dabei setzen die Experten an der Nordkanalstraße auf Nachahmerpräparate – soge-­ nannte Generika. Im Klartext: Sie fahnden nach lukrativer Medizin, deren Patentschutz mittelfristig ausläuft, und stellen dann gemeinsam mit Partnern in ganz Europa preisgünstige Kopien des Originals her. Diese verkauft die Helm AG schließlich weiter an Generika-Spezialisten wie Hexal oder Ratiopharm. So sollen mithilfe der Hamburger im kommenden Jahr unter anderem ein neues Medikament gegen Osteoporose sowie ein Inhalationsspray gegen die Lungenkrankheit COPD in die Apotheken kommen.

Allerdings wird der Kunde den Namen Helm AG – wenn überhaupt – nur im Kleingedruckten finden. „Ein spannender Markt, in den wir auf jeden Fall weiter investieren wollen“, sagt Sievers. Insgesamt lagen die Umsätze im Pharmabereich bei 192 Millionen Euro, davon dürfte ein dreistelliger Millionenbetrag allein von den Generika stammen. Doch der Umsatz ist für Sievers nicht das Hauptargument für den Ausbau der Medikamenten-Abteilung. Er weiß, dass die Gewinnmargen in der Medizin deutlich höher liegen als in den klassischen Chemiesparten. Und das Generika-Portfolio der Hamburger ist bereits vielfältig – so gibt es schon Blutdruck- und Cholesterinsenker sowie Verhütungsmittel, die von der Helm AG mit auf den Markt gebracht wurden.

„Wir sind längst mehr als ein Chemiekalienhändler“, sagt Sievers auch mit Blick auf die hauseigene Expertise in Sachen Pharmazie. Dass die Öffentlichkeit diese Tatsache noch nicht wirklich wahrgenommen hat, bereitet vor allem der Personalabteilung Sorgen. Denn wegen der Vielfalt der Tätigkeiten bei der Helm AG sucht das Unternehmen auch Fachkräfte aus verschiedenen Bereichen, die nicht direkt mit Chemiehandel zu tun haben. Biologen, spezielle Logistiker und Mediziner sind mittlerweile genauso willkommen wie der klassische Groß- und Außenhandelskaufmann. Und gerade bei den fachfremden Spezialisten sei die Suche nicht ganz einfach, räumt Sievers ein. Zu ihnen zählen auch IT-Experten, die derzeit im Auftrag der Helm AG quasi Tag und Nacht im Einsatz sind. Denn nachdem das Unternehmen die umfangreiche Sanierung seiner Gebäude in der City Süd abgeschlossen hat, fließt nun ein zweistelliger Millionenbetrag in ein äußerst ehrgeiziges IT-Projekt.

Ein anderes großes Vorhaben konnte dagegen vor wenigen Monaten abgeschlossen werden – der Neubau und die Erweiterung der betriebseigenen Kan­tine. Hier hat das Unternehmen, wie Sievers sagt, „nicht auf den Cent geschaut“. Hochmodern und ganz individuell sollte die neue Gastronomie für die Beschäftigten werden. Firmeneigentümer und Aufsichtsratschef Dieter Schnabel brachte hier übrigens höchstpersönlich seine Ideen ein und ließ sie umsetzen. Nicht nur beim Equipment vergaß man aufs Geld zu schauen. Auch beim Personal griff man im wahrsten Sinne des Wortes zu den Sternen und heuerte einen Koch an, der zuvor im bekannten Sterne-Restaurant Le Canard aktiv war. Gegeizt wurde lediglich bei den Preisen. Nur 2,50 Euro müssen die Beschäftigten für ein Mittagessen bezahlen – der Nachtisch ist inklusive.