Hamburg

Gefährliche Vitaminpillen für Kinder

Verbraucherzentrale Hamburg warnt vor Nahrungsergänzungsmitteln

Hamburg. Schon jedes zehnte Kind in Deutschland nimmt täglich Nahrungsergänzungsmittel. Die Eltern befürchten eine Unterversorgung ihres Nachwuchses mit Vitaminen und greifen zu Nahrungsergänzungsmitteln aus der Apotheke. Sie sollen die Abwehrkräfte stärken und die Konzentrationsfähigkeit erhöhen, hoffen die Eltern. "Vor allem Produkte in Form von Bonbons oder Bärchen bergen die Gefahr, mit Süßigkeiten verwechselt und in größeren Mengen verzehrt zu werden", sagt Silke Schwartau, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Hamburg. Außerdem sind diese Tabletten, Drops und Bärchen vielfach mit Vitaminen und Mineralstoffen zu hoch dosiert.

Das zeigt eine Untersuchung von fünf Verbraucherzentralen. Insgesamt haben 22 der 26 analysierten Produkte bei bestimmungsgemäßem Gebrauch entsprechend der Verzehrempfehlungen bei mindestens einem Vitamin oder Mineralstoff die Referenzwerte für Kinder im Alter von vier bis sieben Jahren überschritten. Herangezogen wurden dafür die Referenzwerte der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Besonders auffällig ist, dass vor allem Produkte, die mit ihrem Namen auf Kinder abzielen, überdosiert sind. So enthalten die Nahrungsergänzungsmittel Naturkraft Cocktails für Kids, Naturfit Kindervitamine mit Calcium und Orthomol Junior Omega Plus mindestens zehn Vitamine oder Mineralstoffe, die die Referenzwerte für Kinder von vier bis sieben Jahren überschreiten, wie aus der Studie hervorgeht. Die Folgen dürfen nicht unterschätzt werden. "Die fettlöslichen Vitamine A oder D zum Beispiel können sich bei einer Überdosierung im Körper anreichern und sich in Form von Kopfschmerzen, Übelkeit oder Müdigkeit negativ auf die Gesundheit auswirken", sagt Schwartau. Der Gesetzgeber sollte verbindliche Höchstmengen für Nährstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln festlegen und dabei die spezifischen Bedürfnisse von Kindern berücksichtigen, fordert Schwartau. Die für die Studie herangezogenen Referenzwerte haben keine Gesetzeskraft.

In zwei großen deutschen Studien wurde nachgewiesen, dass bis auf wenige Ausnahmen die Nährstoffversorgung bei Kindern allgemein gut ist. "Besser als diese Mittel sind abwechslungsreiches Essen, ausreichend Schaf und regelmäßige Bewegung an der frischen Luft", sagt Expertin Schwartau.

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