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Ford verabschiedet sich vom Geschäft mit Kleinwagen

Der Ford F-150 XLT SuperCrew – neue Variante des seit Jahrzehnten meistverkauften Wagens in den USA.

Der Ford F-150 XLT SuperCrew – neue Variante des seit Jahrzehnten meistverkauften Wagens in den USA.

In den USA setzt der Hersteller nur noch auf PS-starke Autos. Zugleich will sich Ford aber verstärkt auf Elektroantriebe konzentrieren.

Washington.  Mit dem am Fließband produzierten Model T machte Henry Ford das Auto zur Massenware. Dutzende kleine, mittlere und größere Pkw-Modelle sind seither vom zweitgrößten amerikanischen Hersteller auf die Straße gebracht worden. Über 100 Jahre später setzt der Traditionskonzern auf eine radikal gestraffte Produktpalette und verabschiedet sich in seinem Heimatmarkt zunehmend vom klassischen Verbrennungsmotor.

Wie Vorstandschef Jim Hackett jetzt ankündigte, sollen in zwei Jahren nur noch zwei Modelle – der Mustang und der Focus Active Crossover – im Pkw-Segment produziert werden. Erfolgsreihen wie Taurus, Fusion, Fiesta und C-Max werden nicht länger angeboten. Ford trägt damit dem Umstand Rechnung, dass in den USA der Verkauf von Kleinwagen und Limousinen extrem zurückgegangen ist.

SUVs und Pick-ups boomen

Hingegen boomen SUVs und – US-spezifisch – Pick-up-Trucks mit vielen PS unter der Motorhaube. Der Pritschenwagen F 150 ist seit Jahrzehnten der meist verkaufte Wagen in den USA. Ford verdient damit rund 10.000 Dollar pro Stück. 2020 kommt die erste Version als Plug-in-Hybrid auf den Markt.

Ford plant in den USA bis 2022 Einsparungen im Volumen von über 25 Milliarden Dollar. „Wir werden nur noch unsere gesunden Geschäftsbereiche ­füttern und uns entschlossen um jene Sektoren kümmern, die Werte vernichten“, sagte Hackett. Die Gewinnmargen vor Steuern sollen so in zwei Jahren in Nordamerika auf zehn Prozent steigen.

E-Autos fahren in Norwegen auf der Überholspur
E-Autos fahren in Norwegen auf der Überholspur

Mit seiner neuen Ausrichtung folgt Ford einem Trend. Fiat Chrysler hatte 2016 das Aus von kleineren Modellen wie dem Dodge Dart und die Fokussierung auf Pick-up-Trucks (Ram) und SUVs (Jeep) verkündet. US-Autojournalisten sehen perspektivisch nur noch asiatische Anbieter wie Honda, Toyota und Mazda im Kleinwagen-Sektor unterwegs. Wobei Honda (beim Accord) und Toyota (beim Camry) in den USA auch mit Absatzproblemen kämpften.

Fokus liegt auf Elektromobilität

Parallel zum Umbau der Produktpalette wird sich Ford in den USA stärker auf Elektromobilität konzentrieren. Hackett hatte im vergangenen Herbst avisiert, dass bis 2022 rund 25 neue Hybridmodelle und 16 reine Elektro-Autos vom Band rollen sollen. Ford investiert dafür rund elf Milliarden Dollar.

Wie Hackett mitteilte, hat die Nummer Zwei nach General Motors im ersten Quartal 2018 seinen Gewinn um neun Prozent auf 1,74 Milliarden Dollar gesteigert, den Umsatz um sieben Prozent auf 42 Milliarden Dollar. Für Ford ist Amerika der wichtigste Absatzmarkt. In Europa (150 Millionen Dollar Gewinn vor Steuern) ist der Konzern profitabel. Aus Südamerika, Asien und dem Nahen Osten/Afrika wird dagegen ein Verlust von 300 Millionen Dollar gemeldet.