Berlin

Mehr Wachstum, weniger Arbeitslose

In ihrer Gemeinschaftsdiagnose gehen die Forschungsinstitute 2018 von 2,2 Prozent Wirtschaftswachstum aus

Berlin. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute prognostizieren in ihrer Gemeinschaftsdiagnose mehr Wachstum, weniger Arbeitslose und hohe staatliche Überschüsse. Das Bruttoinlandsprodukt soll in diesem Jahr statt der noch im Herbst erwarteten 2,0 nun um 2,2 Prozent zulegen. Für 2019 wird die Prognose von 1,8 auf 2,0 Prozent erhöht – es wäre bereits das zehnte Wachstumsjahr in Folge.

„Der Boom, in dem sich die deutsche Wirtschaft befindet, hält an“, sagte der Leiter der Konjunkturforschung des federführenden Ifo-Instituts, Timo Wollmershäuser. Allerdings werde die Luft dünner, da die noch verfügbaren gesamtwirtschaftlichen Kapazitäten knapper werden. Besonders in der Baubranche sei dies bereits zu beobachten, aber auch anderswo fehlten Fachkräfte. Hinzu kämen neue Risiken wie ein drohender Handelskrieg.

Nach Einschätzung der Fachleute tut die neue Regierung bislang wenig, um für einen Abschwung gerüstet zu sein, sondern befeuert den aktuellen Boom noch – etwa durch höhere Renten und Kindergeld oder die Rückkehr zur paritätischen Finanzierung in der gesetzlichen Krankenversicherung. „Das kommt zur Unzeit“, sagte der Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Ferdinand Fichtner. „Die deutsche Konjunktur braucht solche Zusatzausgaben gerade nicht.“

Die Experten raten dazu, die bestehenden Überschüsse für schwierigere Zeiten aufzuheben, um damit einen möglichen Abschwung abzufedern. Besser unterstützt werden müsse etwa die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie die Integration Langzeitarbeitsloser. Beteiligt an dem Gutachten sind das Münchner Ifo-Institut, das Berliner DIW, das Essener RWI, das Kieler IfW und das IWH Halle.