Wirtschaft

Biosaft aus dem Alten Land

Getestet Firmen in der Region überraschen mit neuen Produkten. Wir prüfen, wie gut sie sind, und erzählen die Geschichte dahinter. Heute: Biomax aus Jork

Die Idee entstand in der Küche von Alexander Maxin in Jork. Warum sollte man aus dem Apfelsaft nur für den eigenen Gebrauch nicht mehr machen können, überlegte er. Denn auf einem Biohof wie seinem fallen mehr Äpfel als im konventionellen Anbau an, die sich nicht mehr als sogenannte Tafelware im Supermarkt vermarkten lassen. Auch Biokunden wünschen Früchte ohne Schorf, Sonnenbrand und andere kleine Schönheitsfehler. "Ich wollte ein Produkt schaffen, das sich von anderen abhebt und seinen Preis wert ist", sagt Maxin. Nicht einfach bei Apfelsaft, der in vielen Varianten im Einzelhandel angeboten wird – und bei den Deutschen sehr beliebt ist: Jeder trinkt im Schnitt 7,5 Liter pro Jahr.

Der optische Auftritt seiner Flaschen sorgt für Abwechslung. Jede Sorte zieren ein oder zwei große Buchstaben. Zum Beispiel IM für Ingrid Marie. Eine Sorte, die schon Anfang des 20. Jahrhunderts angebaut wurde und aus der später der Elstar hervorging. Auch das Design liegt in Familienhand. Die grün-weißen Etiketten entwarf seine Schwester, sie ist Grafikerin. Mit den Buchstaben A, B und C startete er seine Saftkollektion. A steht für Bioapfel-Direktsaft, einer Mischung aus vier verschiedenen Sorten. B für Birne liebt Apfel und C für Cox Orange. Inzwischen bietet er sechs Säfte an – die Neuzugänge sind alle sortenrein. Weitere könnten folgen. Aber nicht jede Apfelsorte eignet sich dafür. Der Elstar ist eher keine Sorte für einen sortenreinen Apfelsaft. Maxin testet die Sorten, indem er hineinbeißt. "Die Äpfel müssen für Saft gut ausgereift sein", sagt er. Über die Qualität des Saftes entscheidet die Rohware.

Der Familienbetrieb Biomax bewirtschaftet im Alten Land 23 Hektar. Angebaut werden hauptsächlich Äpfel und Birnen, darunter auch sehr alte Sorten. Maxin übernahm den Betrieb von seinem Vater, der 1993 den Hof auf die ökologische Obstproduktion umgestellt hatte. "Er probierte gern Neues aus, und heute zahlt sich das für den Hof auf Grund der langen Erfahrungen aus", sagt der Gärtnermeister. Denn Bioobst erfreut sich steigender Nachfrage. Ein Vorteil des ökologischen Landbaus ist, dass die Preise höher sind und nicht so stark schwanken. "Wir bekommen zwar mehr Geld für unsere Ware, aber der Ertrag einer Bioplantage liegt bei etwa 60 Prozent im Vergleich zum konventionellen Anbau", sagt Maxin. Gleichzeitig sind die Anforderungen höher. Mit dem Anbau nach den Richtlinien des Bio­anbauverbands Demeter werden bei Biomax mit die strengsten Kriterien beim biologischen Anbau eingehalten. Die Kriterien "gehen weit über das staat­liche Biosiegel hinaus", sagt Maxin. So wird zum Beispiel Rindermist von einem Biohof als Dünger gefordert.

Den Apfelsaft zeichnet eine schonende Herstellung aus. "Die Äpfel werden kalt gepresst", sagt Maxin. Der Apfelsaft fließt in den Vorratsbehälter und wird dabei gerührt. Es gibt keine Zusätze, nur die Qualität der Früchte entscheidet über den Geschmack. Während des Abfüllvorganges wird der Saft auf etwa 85 Grad erhitzt und heiß in die Flaschen abgefüllt. Er ist rund 1,5 Jahre haltbar. Im Lager von Biomax stapeln sich die Kisten mit Apfelsaft. Während Maxin seine Bioäpfel über den Großhandel vertreibt und das ziemlich anonym abläuft, bekommt er beim Apfelsaft direkte Rückkopplungen von den Kunden, weil er ihn zum Teil selbst ausliefert. Das gefällt ihm, daher möchte er sein Sortiment ausbauen.

Pro Jahr verkauft Maxin 20.000 Flaschen Apfelsaft

Mit Gravensteiner und Ingrid Marie sind sortenreine historische Apfelsorten neu hinzugekommen. Gravensteiner ist eine besonders alte Sorte. Mindestens seit 1669 wird sie in Norddeutschland angebaut. Für alte Bäume hat der Gärtnermeister ohnehin ein Faible. Seine Birnenbäume sind mehr als 100 Jahre alt, wie die Sorte Köstliche von Charneux. "In den etwas säuerlichen Apfelsaft bringt sie die Süße", sagt Maxin. Daher die Bezeichnung Birne liebt Apfel. Mit solchen Geschichten sei es einfach, in die Regale von ausgewählten Geschäften zu kommen, etwa dem Edeka in der HafenCity und den Stückgutläden in Ottensen und der Rindermarkthalle. "Wir verkaufen im Jahr etwa 20.000 Flaschen Apfelsaft", sagt Maxin. Auch über Hamburgs Biokiste können die Biomax-Säfte bezogen werden. Außerdem gibt es seit Kurzem den Shop www.biomax-obst.de im Internet. "Unsere Produktion ist nicht auf die Belieferung großer Ketten ausgelegt", sagt Maxin. Er könnte zwar Bioäpfel von anderen Bauern zukaufen, um die Produktion auszuweiten. Doch er ist da vorsichtig – weil er am Ende nicht weiß, was er geschmacklich bekommt.

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