Hamburg

Haspa – neue Pläne für die Schanze

Zerstörte Filiale nach G-20-Krawallen am Schulterblatt wird abgerissen. Geschäftshaus mit Wohnungen entsteht

Hamburg. Jetzt ist die Entscheidung gefallen: Die bei den Krawallen zum G-20-Gipfel zerstörte Haspa-Filiale in der Schanze wird abgerissen und durch einen Neubau ersetzt. Zu gravierend waren die Verwüstungen, um das nicht denkmalgeschützte Gebäude an der Ecke Schulterblatt/Ju­liusstraße wieder zu rekonstruieren. „Das wäre wirtschaftlich nicht vertretbar gewesen“, sagt Detlef Rüter, Regionalleiter der Haspa. Da die Sparkasse auch Eigentümer des Grundstücks ist, hat sie bei der Neugestaltung freie Hand. Die Entscheidung kommt nicht überraschend. Als die Sparkasse wenige Wochen nach der Zerstörung ein Ausweichquartier in unmittelbarer Nähe bezog, hatte Haspa-Vorstandssprecher Harald Vogelsang angesichts der Schäden bereits einen Neubau angedeutet. Er hatte zugesichert, in jedem Fall an den alten Standort zurückzukehren. Es handelt sich um einen der ältesten Standorte der Haspa, der 1959 eröffnet wurde. Dort werden rund 9000 Kunden betreut „mit stark steigender Tendenz“, wie Rüter sagt.

Nach langen Vorbereitungen soll jetzt alles ganz schnell gehen. Die Ruine ist bereits von einem Bauzaun umgeben. „Nach Ostern werden wir mit den Abrissarbeiten beginnen, die bis Ende April abgeschlossen sein sollen“, wie Rüter am Donnerstag auf einem Treffen mit Anwohnern sagte. Nicht alle sind begeistert, weil die Baustelle Umwege mit sich bringt. „Anders ist das an der viel befahrenen Kreuzung nicht möglich“, sagt Rüter. Die Abrissgenehmigung liegt vor, aber noch keine Baugenehmigung.

Die Filiale in der Schanze war im Juli 2017 bei den Krawallen gegen den G-20-Gipfel komplett zerstört worden. Die Randalierer hatten das robuste Schutzgitter vor der Filiale mit Gewalt aufgebrochen und Feuer gelegt. Sieben Wochen später bezog die Haspa in unmittelbarer Nähe ein Ausweichquartier. Bis Mai 2019 ist es angemietet.

Dann soll auch die neue Filiale in einem Geschäftshaus mit einigen Wohnungen fertig sein. Auf dem Eckgrundstück entsteht ein Neubau auf einer Grundfläche von lediglich 220 Quadratmetern. „Wir beseitigen damit auch eine architektonische Fehlstelle und unterstreichen mit dem Neubau den Charakter des Platzes“, sagt Architekt Udo Schaumburg von LH Architekten, die sich in einem kleinen Wettbewerb mit ihrem Entwurf durchsetzen konnten. Denn mit dem Neubau am alten Standort wird das Eckgrundstück auch besser ausgenutzt. Der jetzige Bau ist nur zweistöckig. Das neue Gebäude wird fünf Etagen haben.

Das Erdgeschoss und die ersten beiden Geschosse bezieht die Haspa. Die dritte Etage soll von dem benachbarten Jesus-Center, einer sozial-diakonischen Einrichtung, genutzt werden. In der vierten und fünften Etage entstehen vier öffentlich geförderte Wohnungen mit einer Größe von jeweils 60 bis 65 Quadratmetern.

Die neue Filiale im Erdgeschoss soll nach dem Konzept der Haspa zu einem Treffpunkt in der Nachbarschaft werden und nicht nur mit Finanzdienstleistungen überzeugen. „Unternehmen und Vereine können sich hier auf Ausstellungsflächen präsentieren“, sagt Filialleiter Nico Heitmann. Auch an Lesungen, Konzerte und Veranstaltungen ist gedacht. Besonders wichtig sind den Anwohnern die Schließfächer für Wertsachen, wie sich auf der Informationsveranstaltung zeigte. „Im Keller des neuen Gebäudes werden mindestens wieder 1000 Schließfächer zur Verfügung stehen“, sagt Heitmann.

In den Neubau steckt die Haspa einen „mittleren einstelligen Millionenbetrag“, wie Haspa-Sprecherin Stefanie von Carlsburg sagt. Von der Versicherung gab es über eine Million Euro für den Schaden.

Insgesamt investiert die Haspa bis 2020 rund 30 Millionen Euro in den Umbau aller Filialen. In diesem Jahr werden mehr als 30 Standorte zu „Filialen der Zukunft“ umgebaut. Alle Filialen sollen stärker mit dem Umfeld vernetzt werden. Aber je nach Standort wird es unterschiedliche Ausgestaltungen geben. Die Anregungen dazu hatte sich die Haspa bei einer Regionalbank in den USA geholt. Gestartet wird der diesjährige Umbau im April mit den Filialen Eiffestraße 26a und Ahrensburg. Im Mai folgen Wedel, Reinbek, Fuhlsbüttler Straße 350 in Barmbek sowie Finkenwerder.

Die Filialen werden während des Umbaus geschlossen, in der Regel für gut eine Woche. „Wir bemühen uns, die Schließzeit so kurz wie möglich zu halten“, sagt von Carlsburg. Allerdings sind die SB-Zonen nicht betroffen: Geldautomaten und Kontoauszugsdrucker können unverändert rund um die Uhr genutzt werden.