Hamburg

Fitnesshochburg Hamburg

Fast jeder Fünfte ist Mitglied in einem Studio. Zahl der Anlagen wächst. Neueröffnungen geplant

Hamburg. Im Jahr 2012 hat Wilhelm Schröter sein erstes Fitnessstudio eröffnet: das Elbgym am Gorch-Fock-Wall. Derzeit lässt der 37-Jährige es modernisieren. „Alle Studios im Portfolio sollen auf dem gleichen Fünf-Sterne-Niveau sein“, sagt Schröter, der mittlerweile zwei weitere Standorte in Eppendorf und am Alsterufer betreibt. Und regen Zulauf hat. „Wir sind sehr zufrieden mit der Mitgliederentwicklung, wachsen jeden Monat und waren nie rückläufig“, sagt der Elbgym-Inhaber, der „echtes, ehrliches Training im gehobenen Ambiente“ als sein Erfolgsrezept angibt. Die Hamburger seien sehr sportlich, würden sich viel mit Ernährung und Sport auseinandersetzen.

Die Einschätzung Schröters wird von neuen Branchenzahlen gestützt. Demnach sind 324.000 Menschen an Alster und Elbe Mitglied in einem Fitnessstudio. Das sind 9000 mehr als zwei Jahre zuvor. „Hamburg ist das fitteste Bundesland“, sagt Pressesprecher Dustin Tusch vom Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen (DSSV). Der DSSV hat nun die sogenannte Eckdaten-Studie zusammen mit dem Beratungsunternehmen Deloitte und der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement DHfPG vorgestellt. Die „Reaktionsquote“ liege in der Hansestadt bei 18,1 Prozent, das heißt: Fast jeder Fünfte ist Mitglied in einem Fitnessstudio. Auf den Plätzen folgen mit deutlichem Abstand die Stadtstaaten Bremen (15,5 Prozent) und Berlin (14,1 Prozent). Der Bundesdurchschnitt liegt bei 12,9 Prozent, also ist etwa jeder achte Deutsche bei Studios eingeschrieben – und zumeist auch aktiv: Vier von fünf Sportlern seien mindestens einmal pro Woche aktiv, gaben die Studiobetreiber zu Protokoll. Der Anteil der nur zahlenden „Karteileichen“ liege bei 13,3 Prozent.

Die Branche mit bundesweit fast 210.000 Beschäftigten ist stetig auf Wachstumskurs. Waren es vor zehn Jahren nur 5,54 Millionen Mitglieder, verdoppelte sich die Zahl der Aktiven fast. „Mit 10,61 Millionen Mitgliedern verzeichnen deutsche Fitness- und Gesundheitsanlagen 5,2 Prozent mehr Mitglieder“, sagt DSSV-Geschäftsführer Refit Kamberovic über 2017 und beziffert die Steigerung zum Vorjahr. Damit hat die Branche mehr Mitglieder als König Fußball. Im Verein jagen nur gut sieben Millionen Menschen dem runden Leder hinterher – allerdings kommen unzählige Hobbykicker hinzu. Der Umsatz in der Fitnessbranche legte um drei Prozent auf 5,2 Milliarden Euro zu, Zusatzeinnahmen neben der Mitgliedsbeiträge werden dabei immer wichtiger.

Im Schnitt geben die Sportler für ihr Hobby 44,03 Euro an Beiträgen pro Monat aus. Damit ist die Mitgliedschaft 1,3 Prozent günstiger geworden. Allerdings variieren die Preise je nach Studioart stark. Kettenbetriebe sind mit 33,63 Euro am günstigsten. In dieser Kategorie drücken Billiganbieter wie McFit die Preise. Einzelbetriebe liegen bei 52,56 Euro, während Mikrobetriebe mit 66,95 Euro am teuersten sind. Während in Kleinstädten vor allem Einzelkämpfer ihre Studios unterhalten, dominieren in Hamburg Kettenbetriebe und Mikrostudios. In Ballungsräumen gebe es viele Leute, die genaue Vorstellungen von ihren Programm haben, sagt Tusch: „Daher lohnt es sich Mikrostudios aufzumachen.“

In diese Kategorie fällt zum Beispiel der Anbieter Mrs. Sporty, der von Tennislegende Steffi Graf mit auf den Weg gebracht wurde. In zehn Hamburger Filialen wird auf den persönlichen Bedarf zugeschnittenes Training angeboten. Großer Trend ist das EMS – beim Elektromyostimulations-Training wird Strom eingesetzt, um die Muskelkontraktion zu verstärken. Solchen Studios reichen meist 120 Qua­dratmeter Fläche aus. Bodystreet gilt als einer der großen Anbieter in diesem Bereich und unterhält sechs Geschäfte in Hamburg. Den zusätzlichen Trainingseffekt durch Strom lassen sich die Kunden auch etwas kosten. Sie zahlen im Schnitt pro Monat 89,59 Euro in den 1064 deutschen Anlagen.

Bundesweit ist die Zahl der Studios erneut gestiegen. 8988 Betriebe bedeuten ein Plus von 3,5 Prozent. In Hamburg fiel das Plus mit sechs Sportstätten auf 300 Anlagen geringer aus – die nächsten Neueröffnungen sind allerdings bereits fest geplant.

An diesem Freitag will der Discount-Anbieter Fit One laut Homepage sein zweites Studio in der Hansestadt eröffnen. Am Lüneburger Tor in Harburg sind 5000 Quadratmeter geplant. Auch in Langenhorn möchte sich das Unternehmen niederlassen, mehr ist aber nicht zu erfahren. In knapp drei Wochen kommt in der Innenstadt ein weiteres Studio hinzu. Am 1. April feiert die Kette Fitness First, die bereits sieben Studios in Hamburg hat, am Stephansplatz Premiere. Auf 2500 Qua­dratmetern kann an Geräten Kraft und Ausdauer trainiert, in einem Pool geschwommen oder auf zwei 100 Meter langen Innenlaufbahnen gerannt werden. Auch das Elbgym, das einige Tausend Kunden hat, plant seine Expansion. Bald soll es Studio Nummer vier an Alster und Elbe geben. In den Stadthöfen sind 500 Quadratmeter geplant, sagt Inhaber Schröter: „Ich hoffe, dass wir noch dieses Jahr eröffnen können.“

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