Hamburg

Kammer-Kritiker gründen eigene Vertretung

Verein # Starke Wirtschaft # Zukunft Hamburg will aktuelle Führung kritisch begleiten

Hamburg. Die Ränkespiele rund um die Hamburger Handelskammer sind um eine Episode reicher. Nun haben sich Gegner der aktuellen Kammerführung zusammengeschlossen. Vor wenigen Wochen wurde der Verein # Starke Wirtschaft # Zukunft Hamburg im Vereinsregister eingetragen. Was der Verein will, wird in Paragraf 2 (d) der Satzung deutlich. Vereinszweck sei, die in der Handelskammer agierenden Akteure „kritisch zu begleiten und Transparenz über deren Aktivitäten herzustellen“. Das sich so ein Zusammenschluss bilden würde, war erwartet worden. Das Überraschende: Nicht # Starke Wirtschaft # Zukunft Hamburg selbst, sondern das Bündnis „Die Kammer sind WIR“ veröffentlichte auf ihrer Facebook-Seite die Gründung – also das Bündnis, das im
April 2017 die Kammerwahlen haushoch gewann und nun das Sagen hat.

Im Vorstand des neu gegründeten Vereins finden sich mehrere bekannte Gegner der aktuellen Kammerführung um Präses Tobias Bergmann. Vorsitzender ist Tom Heinkel, der Geschäftsführer eines Dienstleistungsunternehmens für die Luftfahrt- und Automobilindus­trie ist. Er hatte im Januar in einem offenen Brief Bergmann zum Rücktritt aufgefordert. Heinkel wirft der Kammerführung vor, Wahlversprechen wie die Abschaffung der Pflichtbeiträge nicht gehalten zu haben. „Wäre es nicht ehrbar, zurückzutreten, wenn man viele Wahlversprechen nicht gehalten hat?“, fragt Heinkel Bergmann in dem Brief.

Auf Abendblatt-Anfrage teilte Heinkel am Montag mit, dass man Bergmann bis Ende März Zeit geben will, sich auf den Brief zu äußern. Insofern bitte man um Geduld, dass man sich erst spätestens Anfang April „von uns aus zu Wort melden“ wolle. Er stellte aber klar, „dass wir keine alternative Veranstaltung zur Handelskammer sind“. Die Mitstreiter in dem Verein wollten sich konstruktiv für die Zukunft Hamburgs einsetzen und sähen dafür eine starke Wirtschaft als Ausgangsplattform. Im Vorstand sind vor allem zwei Gesichter bekannt: Zum einen als Beisitzer der Chef des Gabelstaplerherstellers Jungheinrich, Hans-Georg Frey. Und zum anderen als Schatzmeister Kai Möhrle, Sohn von Peter Möhrle, der einst die mittlerweile insolvente Baumarktkette Max Bahr gegründet hatte. Auch die erste Personalie steht fest: Geschäftsführer des Vereins ist Henning Finck. Das Pikante: Der 42-Jährige leitete bis Ende Januar das Ber­liner Büro der Handelskammer, das auf Wunsch der neuen Führung nicht weiterbetrieben werden soll.