Frankfurt/Main

Spotify vor dem Sprung an die Börse

Frankfurt/Main.  Spotify will nun also an die Börse gehen. Der Schritt war absehbar. Allerdings: Der Börsengang wird mitnichten gewöhnlich sein; und das passt zum Image des schwedischen Unternehmens: cool, jung, digital – anders eben. Damit schafft es aber auch Unsicherheit. Am Mittwoch reichte Spotify bei der US-Börsenaufsicht seinen Antrag ein. Demnach sollen die Aktien unter dem Kürzel „SPOT“ an der New York Stock Exchange gehandelt werden. Wann genau die Anteilsscheine notiert werden sollen, ist noch unklar. Der normale Zeitablauf würde auf ein Debüt ab der letzten März-Woche schließen lassen.

Augenscheinlich handelt es sich einmal mehr um einen Riesen-Börsengang. Denn Spotify ist weltweit Marktführer im Bereich der Musik-Streamingdienste. Mehr als 70 Millionen Menschen ziehen sich via Spotify ihre Lieblingsmusik aus dem Netz – und bezahlen auch dafür. Konkurrent Apple Music hat nur etwa halb so viele Kunden. Wegen seiner geradezu erdrückenden Marktmacht wird der Börsenwert von Spotify auf schwindelerregende 20 Milliarden Dollar geschätzt. Schwindelerregend ist das allerdings auch deshalb, weil Spotify seit seiner Gründung vor zwölf Jahren noch nie Gewinn gemacht hat – im Gegenteil: Im vergangenen Jahr schrieben die Schweden 1,2 Milliarden Euro Verlust.

Bislang halten private Großaktionäre die Aktien von Spotify in ihrem Besitz. Firmenchef und Mitgründer Daniel Ek hält derzeit rund ein Viertel der Unternehmenspapiere. Und anders als bei gewöhnlichen Börsengängen plant er eine „Direktplatzierung“ der Aktien: Das Finanzmarktdebüt bringt dem Unternehmen kein frisches Geld, stattdessen werden Anteile in Aktien umgewandelt. Und es bedeutet: Die Spotify-Aktien wechseln am Tag des Börsenganges zwar den Besitzer; es gibt dabei aber keine Preisspanne, innerhalb derer die Aktien platziert werden. Denn die wird normalerweise von sogenannten Konsortialführern ermittelt. Diesen Schritt spart sich das Unternehmen. „Das ist sehr günstig für Spotify“, sagt Börsenhändler Stefan Scharfetter von der Baader Bank. „Denn das Unternehmen stellt quasi seine Aktien ins Schaufenster. Und dann kann jeder überlegen, was er dafür zahlen will.“

Ein äußerst schlanker Börsengang sozusagen, der allerdings auch Risiken mit sich bringt. Denn es könnte sein, dass das Unternehmen sich unter Wert verkaufen muss, wenn gerade niemand – aus welchen tagesaktuellen Gründen auch immer – an einer Investition in die Aktien interessiert ist. Oder umgekehrt: Der Kurs liegt zu hoch. Das würde das Risiko von unmittelbaren Kursabstürzen mit sich bringen.

Macht Spotify Schule, wird es für Investmentbanker schwer

Andererseits haben aber auch die Banken einen Grund, das Ereignis zitternd zu verfolgen: Das Beispiel könnte Schule machen. Auch andere junge, technologienahe Unternehmen wollen in naher Zukunft an die Börse gehen. Der Fahrdienst Uber zum Beispiel. Und auch die Unterkunftsplattform Airbnb hat diesen Schritt vor Augen. Sollte Spotify mit seiner Direktplatzierung erfolgreich sein, könnte diese Art des Börsenganges auch für andere milliardenschwere Konzerne ein Modell sein. „Das Begleiten von Börsengängen ist ein wesentlicher Teil des Investmentbankings“, sagt der Börsenexperte Dirk Müller. „Wenn das beginnt zu bröckeln, wird es für Banken schwieriger werden.“ Für Spotify allerdings wird sich dieser unorthodoxe Börsengang wohl lohnen. Denn damit spart das Unternehmen viel Geld, das sonst die Banken kassiert hätten.