Berlin

Bei Batteriezellen läuft Europa asiatischen Firmen hinterher

Berlin.  Noch ist Deutschland ein Zentrum der globalen Autoindustrie. Doch im Zuge der Digitalisierung und der Entwicklung neuer Antriebe ist eine Verschiebung im Gange. Ausgerechnet der weltgrößte Auto-Zulieferer Bosch will sich nun an einem Teil dieses Rennens nicht mehr beteiligen: Der Stuttgarter Konzern beendet seine Aktivitäten zum Aufbau einer Fabrik für Batteriezellen, die Elektrofahrzeuge antreiben könnten. Es sei „wichtig, die Zelle technisch zu verstehen, fertigen müssen wir sie nicht“, erläuterte Geschäftsführer Rolf Bulander. Heißt: Bosch steigt aus der Forschung für die nächste Generation der Lithium-Ionen-Batterien aus.

Für die deutsche Autoindustrie ist das keine gute Nachricht. Die Batterieproduktion ist eine Kerntechnologie im Rahmen der Elektromobilität. Gegenwärtig sind asiatische Konzerne Marktführer bei der Herstellung der Zellen, etwa Panasonic aus Japan oder BYD aus China. Die hiesigen Hersteller und Zulieferer kaufen diese Zellen, setzen sie zu Batterie-Modulen zusammen und versehen sie mit Steuerungselektronik.

Bundesregierung und EU fürchten, dass Europas Autoindustrie so strategisch ins Hintertreffen geraten könnte. „Wir brauchen mehr als zehn große Batterie-Fabriken in Europa“, sagte EU-Energiekommissar Maros Sefcovic kürzlich. Wer glaube, die Batterien einfach einkaufen zu können, sei blind oder naiv. Inzwischen beschäftigen sich mehrere Initiativen mit dem Thema. Der in Hannover ansässige Autozulieferer Continental zum Beispiel erwägt – wie Bosch bisher – in die Zellfertigung einzusteigen. Ob er es wirklich tut, will er in ein bis zwei Jahren entscheiden. Die Autokonzerne VW, BMW und Daimler forschen am Thema, planen derzeit aber keine eigenen Zellfertigungen. Am greifbarsten ist, was Holger Gritzka, Chef des Konsortiums TerraE, in Aussicht stellt: Er kündigt den Bau einer ersten Fertigungsanlage in Deutschland für den Sommer an. Die Herstellung der Stromspeicher soll Ende 2019 beginnen.