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Fairtrade-Kakao bei Aldi – Preise sollen sich nicht ändern

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Nadja Neqqache
Aldi und Lidl: Diese vier Dinge muss man über die Discounter wissen

Aldi und Lidl: Diese vier Dinge muss man über die Discounter wissen

Aldi und Lidl: Vier Dinge, die man über die Discounter wissen muss.

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Aldi bezieht künftig Kakao aus einem Fairtrade-Programm. Für die Kunden soll das ein besseres Gewissen bedeuten – ohne Extrakosten.

Köln.  Die Idee klingt verlockend. Wer nur ein paar Cent mehr ausgibt, verbessert die Welt. Zumindest ein kleines Stück weit. Schließlich geht es den Bauern, die irgendwo in Südamerika oder Afrika Säcke mit Kakaobohnen auf einen Lastwagen wuchten, dann besser – weil sie ihre Produkte über Fairtrade verkaufen.

In der Eigenwerbung heißt es: „Bei Produkten mit dem Fairtrade-Siegel haben Sie die Gewissheit, dass die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Bauern und Beschäftigten durch Fairtrade-Preise und -Prämien verbessert werden.“ Mit gutem Gewissen Schokolade kaufen – das will auch Aldi nun seinen Kunden bieten.

Künftig beziehen sowohl Aldi Nord als auch Aldi Süd Rohkakao über Fairtrade-zertifizierte Kooperativen, wie die Discounter und die Organisation TransFair am Montag auf der Süßwarenmesse ISM in Köln berichteten. Noch in diesem Jahr soll die Produktion sämtlicher Tafelschokoladen, Pralinen und Saisonsüßigkeiten der Eigenmarke Moser Roth schrittweise umgestellt werden.

Auch Müsli bald mit fairer Rezeptur

Nach Angaben von Aldi soll konventionell gewonnener Kakao im ersten Halbjahr 2018 auch in Cerealien wie etwa allen kakaohaltigen Müslisorten und -riegeln durch Fairtrade-Ware ersetzt werden. Aldi Süd liefert zudem seit dem 1. Januar die eigene Nuss-Nougat-Creme mit Fairtrade-zertifiziertem Kakao aus. Der Preis, heißt es vonseiten der beiden Discounter, ändere sich für die Kunden nicht.

Unter den Eigenmarken Fair und One World vertreiben die Unternehmen bereits fair gehandelte Produkte, durch Kakao weiten sie ihre Beteiligung im Bereich fairer Rohstoffe nun aus. „Dass Discounter verstärkt auf zertifizierte Produkte setzen, sehen wir seit drei bis vier Jahren“, sagt Friedel Hütz-Adams vom Südwind Institut für Ökonomie und Ökumene, das unter anderem Studien für entwicklungspolitische Organisationen erstellt.

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Zwischenhändler nutzen Unkenntnis der Bauern aus

Die Bedingungen, unter denen Kakao gewonnen wird, sind oft katastrophal: Kinderarbeit, Armut, abgeholzte Regenwälder. Die Produktion ist gezeichnet von Ausbeutung. Rund 90 Prozent des weltweit produzierten Kakaos stammen von Familienbetrieben, die oft nur kleine Felder von weniger als fünf Hektar bewirtschaften, das entspricht etwa sieben Fußballfeldern. Die Bauern wissen nicht, was ihre Rohstoffe auf dem Markt wert sind. Zwischenhändler nutzen diesen Zustand aus, bezahlen oft zu niedrige Preise.

Hier setzt das Prinzip von Fair­trade an: Um ihre eigene Verhandlungsposition zu stärken, sollen sich Kleinbauern in demokratisch strukturierten Kooperativen zusammenschließen. Durch Mindestpreise und Prämien soll Geld für die Bauern auch dann fließen, wenn der Weltmarktpreis niedriger ist. Ist er höher als der vereinbarte Mindestwert, erhalten die Bauern den Weltmarktpreis.

Existenz von etlichen Kakaobauern bedroht

Dennoch ist die Lage der Kakaobauern weiter kritisch. Durch eine gute Ernte im Vorjahr ist der Kakaopreis um mehr als 30 Prozent auf zeitweise 1970 Dollar pro Tonne eingebrochen. Damit ist ein Tiefstand erreicht, der die Existenz von etlichen Kakaobauern bedroht. „Die Zertifizierung alleine wird nicht ausreichen, um die Bauern aus der Armut zu führen“, sagt Hütz-Adams.

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